Stammzellspenden und der kostenintensive Aufbau des Spenderregisters
Leukämiekranke können oft nur mit einer Spende gesunder Stammzellen gerettet werden. Als Spender kommen Menschen mit nahezu identischen Gewebemerkmalen (sog. genetische Zwillinge) infrage. Ob die genetischen Merkmale übereinstimmen, wird mit einer Erst-Typisierung (Testung) geprüft. Dabei werden zunächst die Basiswerte registriert. Diese Gewebedaten werden weltweit vernetzt gespeichert und für alle betroffenen Patienten genutzt. Ob es für einen Patienten tatsächlich einen passenden Spender gibt, steht erst nach vielen weiteren Fein-Typisierungen endgültig fest.

Das Problem bei diesen Erst-Typisierungen sind die Kosten. Da der Aufbau der Spenderregister für jedermann und nicht personenbezogen erfolgt, springt hier keine Krankenkasse ein. Um die Basisdaten im Labor zu ermitteln und in die Datenbank einzupflegen, sind pro Freiwilligem rund 50 Euro nötig. Diese Mittel müssen die Träger der jeweiligen regionalen Spendenregister selbst aufbringen - beispielsweise über Spenden.

Erst wenn sich in der Datenbank für einen konkreten Patienten ein möglicher passender Spender findet, übernimmt die Krankenkasse dieses Patienten die Kosten für die nötigen Fein-Typisierungen.

Als Stammzell-Spender können sich gesunde Menschen zwischen 18 und 50 Jahren registrieren lassen. Wer die "Aktion Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt" unterstützen will, kann spenden: Bank für Sozialwirtschaft: IBAN: DE89 8102 0500 0008 4866 00 Mehr über die Aktion im Internet: www.knochenmarkspende-magdeburg.de

Halberstadt/Aschersleben/Magdeburg l Wenn es um die Hilfe für Menschen in Not geht, ist Silvia Mattner vor allem eines: spontan. Als jüngst in der Hochschule Harz in Halberstadt eine Typisierungsaktion stattfand, um für eine 32-jährige leukämiekranke Frau aus Blankenburg einen passenden Stammzellspender zu finden, war Silvia Mattner über die riesige Resonanz begeistert. Sage und schreibe 311 Freiwillige gaben Ende November eine Blutprobe ab, um testen zu lassen, ob sie als Spender in Frage kommen.

Die Filialchefin der Halberstädter Sparda-Bank ist bereits seit 2008 als potenzielle Spenderin registriert. Und damit nicht genug. Sie hat sich intensiv mit der Thematik beschäftigt und weiß, wie kostenintensiv die Suche nach dem genetischen Zwilling ist. Deshalb zögerte Silvia Mattner schon an jenem Novemberabend keine Sekunde: Um die Laborkosten für den Verein Aktion Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt zu reduzieren, sagte die Bankerin in ihrer bekannt spontanen Art 5000 Euro zu. Eine Summe, die die Genossenschaftsbank nun auf 15 000 Euro verdreifacht.

"Wir finden das Engagement der Aktion Knochenmarkspende in Magdeburg einfach beispielhaft und unterstützen den Verein seit Jahren finanziell", berichtet Silvia Mattner. Die Initialzündung ging vor gut zehn Jahren von ihrem Ascherslebener Kollegen Enrico Matusiack aus. Auslöser waren Versteigerungen von Fundstücken aus dem städtischen Fundbüro. Den Erlös wollte Jürgen Grzega - Auktionator und damals Ordnungsamtsleiter im Rathaus Aschersleben - in guten Händen wissen. Grzega wurde bei seiner Suche auf den 1995 von Professor Marcell Heim gegründeten Knochenmarkspendeverein aufmerksam und gab die Auktionserlöse dorthin.

Der Chef der Magdeburger Universitäts-Blutbank hatte 1995 mit einer landesweiten Typisierungsaktion den Grundstein für die heutige Datenbank mit 37 058 registrierten Freiwilligen gelegt. Bei der "Aktion Nico" ließen sich im Dezember 1995 rund 21 000 Sachsen-Anhalter testen. Um den Jungen zu retten, setzte Heim damals auch persönlich alles auf eine Karte. Obwohl die Finanzierung der Laborkosten - alles in allem umgerechnet rund eine Million Euro - längst nicht geklärt war, gab er die Analysen in Auftrag und musste dafür später die finanziellen Mittel aufbringen. Ein Kunststück, das ihm - auch dank einer Zuwendung aus der José-Carreras-Leukämie-Stiftung - gelang.

Aus dem so gelegten Grundstock wuchs eine Erfolgsgeschichte: Bis heute sind aus der von Dr. Andreas Parkner geleiteten Datenbank weltweit 337 Spender vermittelt worden. Obendrein entstanden fünf Arbeitsplätze.

Ein Engagement, für das Heim später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde und das auch Enrico Matusiack überzeugte. Seit Jahren stockt der Filialchef der Ascherslebener Sparda-Bank bei den Fundstücks-Auktionen den Erlös mit Beträgen zwischen 2000 und 5000 Euro zugunsten der Aktion Knochenmarkspende auf.

Damit setzte der 42-Jährige bankintern Maßstäbe. Mehrfach machte die Sparda-Bank erst mit ihrer Finanzierungszusage regionale Typisierungen möglich. So im Dezember 2008 im Rathaus Halberstadt. Damals wurde für drei Patienten in Sachsen-Anhalt ein genetischer Zwilling gesucht. Professor Heim hatte vereinsintern das Typisierungslimit auf 5000 Euro und 100 Freiwillige begrenzt. Die Sparda-Bank gab 2500 Euro und ermöglichte schließlich die Erst-Typisierung von 152 Freiwilligen. Seither folgten weitere Typisierungsaktionen in den Filialen.

Das Geld, das die Genossenschaftsbank bereitstellt, stammt nach Matusiacks Worten überwiegend aus dem Gewinnsparen. Dabei erwerben die Kunden für fünf Euro Lose - vier Euro gehen in einen persönlichen Gewinnspar-Topf, ein Euro fließt in gemeinnützige Aktionen. Hinzu kommen Mittel, die der Vorstand freigibt. "Wir haben unsere Strategie zugunsten von derartigen Aktionen für Gesundheits- und Krebsvorsorge überdacht", erklärt der 42-Jährige. Das sei allemal besser und für alle gewinnbringender als Werbematerial oder Kalender.

Möglich wird so die Unterstützung der Aktion Knochenmarkspende. Und: Mit den 15 000 Euro, die Silvia Mattner heute übergeben will, sind die Kosten der jüngsten Typisierung fast komplett gedeckt.

   

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