Seit Montag gibt es eine neue Tierarztpraxis in Osterwieck. Drei Veterinäre kümmern sich ab sofort um die Wehwehchen von Tieren und geben deren Haltern Tipps.

Osterwieck l Pilot. Oder lieber Feuerwehrmann? Vielleicht was mit Medien. Die Berufswünsche vieler Kinder sind nicht von Dauer. Bei Matthias Kursawe war das anders. Der Ilsenburger wollte schon immer Veterinär werden. Bereits mit 14 absolvierte er ein Schülerpraktikum beim Ilsenburger Tierarzt Dr. Thomas Fritzsche.

In wenigen Wochen erhält Kursawe nun tatsächlich seinen Abschluss in Veterinärmedizin. Einen anschließenden Arbeitsplatz hat der 25-Jährige bereits gefunden: In einer Praxis in Osterwieck.

Diese hat am Montag erstmals ihre Türen geöffnet. Sie ist eine Zweigstelle der Tierarztpraxis von Dr. Thomas Fritzsche. Seit einigen Jahren wird der 46-Jährige von Dr.Kristin Kullik unterstützt. "Wir haben viele Patienten aus Osterwieck, deshalb lag es nahe, hier eine Zweigstelle zu eröffnen", sagt Kristin Kullik. Für die 30-Jährige hat das den praktischen Nebeneffekt, dass sich ihr Arbeitsweg verringert.

Zusammen mit ihrem Mann, Stiefsohn und dem Familienhund lebt Kristin Kullik in der Fallsteinstadt. Auch für sie stand früh fest, dass sie Tierärztin werden möchte. "Für Medizin habe ich mich immer interessiert. Allerdings liegt mir Humanmedizin nicht - kippt jemand um, kippe ich hinterher", verrät sie lachend.

Bei Tieren bringe sie dagegen so schnell nichts aus der Ruhe. Mit einer Ausnahme: "Spinnen sind meine persönliche Grenze. Vor denen habe ich wirklich Angst."

An ihrem Beruf gefalle ihr die Abwechslung. "Ich weiß nie, was kommt. Das finde ich spannend." Dazu gehören auch hin und wieder außergewöhnliche Tiere. "Man kann nicht alles über jedes Tier wissen. Da muss man sich dann halt belesen", sagt Kristin Kullik.

Thomas Fritzsche sieht das ähnlich. "Das macht aber auch den Reiz an unserem Beruf aus. Er ist immer abwechslungsreich." Seit 1996 betreibt der gebürtige Leipziger eine Praxis in Ilsenburg. In den Nordharz hat es der Liebe wegen verschlagen. Mit seiner Frau und einigen Haustieren lebt er in Veckenstedt.

In seiner rund 20-jährigen Tätigkeit habe Fritzsche gravierende Veränderungen in der Tierhaltung und seinem Job beobachtet. So haben früher mehr Männer als Frauen Veterinärmedizin studiert. Heute seien mehr als 90 Prozent der Absolventen weiblich. Ein Grund sei wohl, dass die Behandlung von großen Nutztieren wie Kühen seltener geworden ist.

"Die Vielfalt der Haustiere hat deutlich zugenommen."

Dr. Thomas Fritzsche

Und noch etwas habe sich gewandelt: "Die Vielfalt der Haustiere hat deutlich zugenommen", sagt Fritzsche. Zwar seien seine häufigsten Patienten noch immer Hunde, Katzen und Pferde, aber Singschwäne, Lamas und sogar Zwergkängurus betreut er ebenfalls. Auch Besitzer von Leguanen und Schlangen fragen ihn um Rat. "In Expertenhand sind Exoten auch kein Problem. Allerdings empfehle ich sie nicht als `Einsteigertiere`", so der Veterinär.

Grundsätzlich sei es ratsam, sich vor der Anschaffung eines Tieres genau über Haltungsbedingungen, Lebenserwartung und das richtige Futter zu informieren. So gehören Überfütterung und daraus resultierende "Wohlstands-Erkrankungen" wie Diabetes und Magenverstimmungen seit einigen Jahren zum Alltag in der Praxis neben der Behandlung gegen Würmer, Zecken und Flöhe.

Dass die Halter nicht in böser Absicht handeln, sei Fritzsche bewusst. Vielmehr handele es sich um falsch verstandene Tierliebe. "Haustiere können sich sehr positiv auf das Lebensgefühl auswirken, aber sie sind kein Ersatz für einen Lebenspartner", betont der Arzt. Er und sein Team haben es sich deshalb auf die Fahnen geschrieben, nicht nur die Tiere zu behandeln und zu impfen, sondern auch deren Haltern Tipps und Ratschläge zu geben.