Den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Schatzkiste Halberstadts, der Altstadt. Mit der Aktion "Mein Haus in der Altstadt" stellt die Stadt Halberstadt Bauherren dafür Grundstücke zur Verfügung.

Halberstadt l Vom Sorgenkind zur Schokoladenseite Halberstadts - so könnte man die jüngere Geschichte der Altstadt im Groben umschreiben. Schaut man näher hin, gibt es nach Verfall und Abriss - vor allem bis Anfang der 1990er Jahre - derzeit noch rund 320 mit Fachwerkgebäuden bebaute Grundstücke. Seit 1990 flossen für die Sanierung von Straßen, Wegen und Infrastruktur etwa 100 Millionen Euro Fördermittel, die wiederum private Investitionen in Höhe von geschätzten 500 Millionen Euro ausgelöst haben. Abgeschlossen ist die Rettung des sensiblen Areals jedoch lang noch nicht. Mit der Aktion "Mein Haus in der Altstadt" bietet die Stadtverwaltung verwaiste Abrissgrundstücke in Toplage an, damit die letzten "Wunden" im Sanierungsgebiet geschlossen werden können.

"Die Altstadt ist ein super Wohnstandort. Hier kann man gut leben - die Wege sind kurz, Kultur, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten sind in direkter Nachbarschaft zu finden und es ist ruhig."

Stephanie Rudel, Stadterneuerung

Schwerpunkt ist der Bereich Unter der Tanne, wo mehrere städtische Grundstücke zum Verkauf stehen. Um der bereits vor vier Jahren als Ideenwettbewerb angelaufenen Aktion Beine zu machen, ist am Mittwochvormittag auf einem der Filetgrundstücke ein Hinweisschild aufgestellt worden. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, den dort befindlichen "wilden Parkplatz" aufzuheben, berichtet Stephanie Rudel von der Stadterneuerung. Mit dem Werbeschild will man deutlich machen, dass es sich hierbei nicht um einen Willkürakt der Stadt Halberstadt handelt, sondern, dass ein weiterer Schritt gegangen wird, um die Altstadt zu einem attraktiven Wohnstandort zu entwickeln.

Werbung hat die Aktion "Mein Haus in der Altstadt" bitter nötig. Der große Durchbruch bei der Suche nach Bauherren ist bislang ausgeblieben. Warum das so ist, ist sowohl Horst Müller von der Landesentwicklungsgesellschaft Saleg als auch Stephanie Rudel ein Rätsel. Ein Grund könnte sein, dass das Areal bisher mit Fahrzeugen zugeparkt war und so als Baugrundstück nicht wahrgenommen worden ist, vermutet der Saleg-Mitarbeiter. Damit sei jetzt Schluss. Außerdem soll der Bereich ordentlich hergerichtet und mit großen Findlingen eingegrenzt werden, um das wilde Parken zu verhindern, informiert Stephanie Rudel.

"Die Altstadt ist ein super Wohnstandort. Hier kann man gut leben - die Wege sind kurz, Kultur, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten sind in direkter Nachbarschaft zu finden und es ist ruhig", bringt Stephanie Rudel die Vorzüge auf den Punkt. Mit 46 Euro pro Quadratmeter, voll erschlossen, inklusive archäologischer Grabungen, sei das Bauland günstig.

Die Altstadt sei als Baustandort nicht mit der grünen Wiese irgendwo am Stadtrand zu vergleichen, gibt Horst Müller zu bedenken. Dennoch ist im Bereich Unter der Tanne viel möglich, damit sich Bauherren dort ihre individuellen Träume vom Eigenheim erfüllen können, betonen Müller und Rudel unisono. Stephanie Rudel: "Alles ist möglich. Es gibt zwar eine Gestaltungssatzung für die Altstadt, aber ein guter Haus-Entwurf ist verhandelbar." Platz sei für sechs bis sieben kleine Häuser oder für etwa vier Doppelhäuser, die Grundstücke können nach Wunsch zugeschnitten werden.

Dass sich Neubau und Altstadt nicht automatisch ausschließen müssen, beweist der erste erfolgreiche Verkauf eines Baugrundstückes in der Nachbarschaft im Jahr 2014. Dort sei mittlerweile ein attraktiver Neubau entstanden, der sich bestens an das historische Umfeld anpasst. Horst Müller: "Wir wollen kein Museumsdorf, sondern Häuser, die in die heutige Zeit passen, aber auch in die Altstadt."

Weitere Grundstücke stehen in der Bakenstraße 49 bis 54 zum Verkauf. Dafür gibt es fix und fertig von Architekten erarbeitete Bebauungspläne, die im Rahmen eines Wettbewerbs erstellt wurden. "Daran müssen sich Bauherren zwar nicht halten, die Möglichkeit besteht jedoch", sagt Spehanie Rudel.

Ansprechpartner: Stadt Halberstadt / Stadterneuerung Stephanie Rudel, Domplatz 49, Telefon (0 39 41) 55 16 56

 

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