Badersleben l Der Gemeinderat der Pfarrei Sankt Benedikt hatte eingeladen und etwa 20 Interessierte fanden sich ein, um sich mit dem Thema Asyl auseinanderzusetzen. Der Anlass der Veranstaltung war auch die gegenwärtig brisante und gefährliche Entwicklung in Deutschland, die sich ganz pauschal gegen Asylsuchende richtet.

Zu Gast waren neben einer Mitarbeiterin der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt zwei Betroffene aus dem Iran und Albanien, die über ihre eigenen Erfahrungen berichteten.

Mit der Konfrontation einer Reihe von Aussagen von "Pegida"-Demonstranten aus Dresden per Video über deren Motivation gegen Asylbewerber begann der Abend. Da sei von Kriminalität, Überfremdung bis zum Einschleppen von Krankheiten die Rede gewesen, sagte Udo Prothmann. Der Baderslebener schätzt ein, dass im Verlauf alle eingangs genannten Vorurteile entkräftet worden seien.

Grundsätzlich werden alle Ankommenden in Asylsuchende aus Europa, Asien/Afrika, Arbeitende aus EU-Ländern, und Zuwanderer mit Greencard eingeteilt. Für die einzelnen Bundesländer gilt ein genauer Aufteilungsschlüssel. Jeder Ankömmling wird medizinisch untersucht.

"Interessant waren auch die Angaben zur Dauer des Asylverfahrens, diese liegen zum Teil bei acht bis zehn Monaten, lediglich die Anträge von Asylsuchenden aus Syrien werden zurzeit beschleunigt bearbeitet und dauern etwa acht Wochen. Die Anerkennungsqoute aus Syrien sei sehr hoch, dagegen würden Anträge aus den Balkanländern lediglich mit nur einem Prozent anerkannt", berichtete Prothmann.

Asylsuchende bekommen bis zur Anerkennung nur eine Art Taschengeld, das weit unter dem Hartz-IV-Satz liegt. Arbeitsuchende aus der EU haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland und bekommen nur eine Aufenthaltsgenehmigung, wenn sie Arbeit nachweisen können. Asylanten unterliegen wie jeder Deutsche dem Strafrecht und werden gleich behandelt. Anzeigen zum Beispiel wegen Diebstahl werden in den Akten vermerkt und beeinflussen das Asylverfahren. Je nach Schwere des Vergehens, kann umgehend eine Ausweisung erfolgen.

Die Tatsache, dass man nach Deutschland eigentlich gar nicht legal einreisen und Asyl beantragen kann, kennen die wenigsten. Asylbewerber haben oft einen schwierigen und gefährlichen Weg hinter sich. Wenn sie in einem anderen EU-Land schon registriert worden sind, werden sie dorthin zurückgeschickt.

"Dieser Fakt hat mich und andere doch sehr nachdenklich gemacht. Da sieht dann unser deutsches Asylrecht sehr schlecht aus und fördert sogar Schlepperbanden", stellte Udo Prothmann fest.

Der Gast aus dem Iran habe sehr bewegend über die eigene Flucht nach Deutschland berichtet. Als Kurdin sei ihr Leben im Iran bedroht gewesen. Über Irak, Türkei und Griechenland sei sie auch mit Schlepperbanden unterwegs gewesen, teilweise als Mann verkleidet, um sich besser zu schützen. Nun lebe sie in Halberstadt und lernt Deutsch. Sie will in Leipzig studieren.

Nach dem Informationsabend waren sich alle Anwesenden einig, dass sich jeder ein besseres Bild über die Situation der Asylbewerber und den Alltag in der ZASt machen sollte. "Nur mit Aufklärung und genügend Informationen kann man gegen die vielen Vorurteile in den Köpfen der Menschen angehen."