Halberstadt l Am Anfang war ein gemeinsamer Restaurantbesuch und die Frage, wie man etwas Nützliches initiieren könnte, um wohltätige Projekte zu unterstützen. Am Ende standen exakt 10 237 Euro. Dazwischen lagen Fototermine rund um ein Kalenderprojekt, bei dessen Vermarktung schließlich diese Summe zusammengekommen ist. Vor wenigen Tagen nun starteten rund 120 Biker zu einer Mission in eigener Sache: Im Motorpark Oschersleben übergaben sie jenen "schweren" Spendenscheck an Vertreter des Vereins für krebskranke Kinder Harz und setzten so den Schlusspunkt unter eine Aktion, die zugleich einen Anfang markieren soll.

Für Vereinschef Avery Kolle eine Überraschung, mit der er nicht einmal ansatzweise gerechnet hatte. "Wir wussten, dass wir Erlös-Empfänger dieses Kalenderprojektes der Biker werden sollten. Dass es aber am Ende eine solch` stolze Summe geworden ist, hat uns wahnsinnig überrascht und gefreut", so der Vereinsvorsitzende zur Volksstimme.

Die Biker, berichtet deren Vize Carsten Schwabe, seien in dem Projekt voll aufgegangen. "Es war sozusagen unser erstes Baby", plaudert er aus. Die Idee sei irgendwann im vorigen Jahr geboren worden. Ganz nach dem Motto: Wir sind mittlerweile so viele - welche nützliche Aktion können wir gemeinsam starten? Augenblicke später stand die Kalender-Idee.

Dank der Größe der Bikertruppe nahmen die Ideen schnell klare Konturen an, berichtet Schwabe. Ein Fotograf rückte die Motive optimal ins Licht. Dass sich die Monatsmotive natürlich rund um Biker, deren Leben und besagte Maschinen drehen, ist keine Überraschung. Ein Biker, der im "normalen" Leben eine Druckerei leitet, machte seinen Kumpels einen Vorzugspreis und trug so zum maximalen Erlös bei. "Obendrein übernahmen viele Bikerfreunde auch selbst Unkosten, um das finanzielle Resultat zugunsten der Kinderkrebshilfe zu maximieren", sagt Schwabe.

Letztlich seien 2000 Kalender produziert und zum Stückpreis von neun Euro angeboten worden. Abzüglich diverser Kosten und mit Blick auf den Fakt, dass nicht für alle Kalender Käufer gefunden wurden, sei schließlich das Ergebnis von exakt 10 327 Euro entstanden.

Für Schwabe und Biker-Gründer Tobias Franzke ist die Aktion ein voller Erfolg: "In den Verkauf stiegen drei große Biker-Vertriebsfirmen mit ein, die Kalender wurden uns buchstäblich aus den Leder-Handschuhen gerissen." Die Biker-Boyz Harz, berichtet Franzke, seien ein Club der besonderen Art und binnen fünf Jahren zu einem der größten Sportmaschinen-Biker-Clubs in Deutschland avanciert. Auf einige Punkte legen Franzke und dessen zwölfköpfiges Organisationsteam ganz besonderen Wert: Es gebe keine Monatsbeiträge, man treffe sich aus Liebe zum Biken, und "die Verkehrsregeln sind nicht nur als Vorschlag zu verstehen".

Avery Kolle vom Verein für krebskranke Kinder im Harz will den Erlös nutzen, um Vereinsprojekte voranzubringen. "Aktuell unterstützen wir drei betroffene Familien finanziell. Außerdem bauen wir gerade unser Sun-Pass-Projekt aus", erklärt er. Dabei würden Kindergärten und Schulen beim Bau von Sonnenschutz-Anlagen finanziell unterstützt, um die Gefahr von späteren Hautkrebserkrankungen zu minimieren. Obendrein finanzierten die aktuell 81 Vereinsmitglieder ihr "Haus am Bernsteinsee".

In diesem Feriendomizil am Bernsteinsee in Sassenburg (Kreis Gifhorn in Niedersachsen) können betroffene Familien kostenlos Urlaub machen. Dabei kooperiert der Harzer Verein mit ähnlich gelagerten Vereinen, beispielsweise dem Kinderplanet in Halle.

Für die Biker Carsten Schwabe und Tobias Franzke steht derweil fest, dass die Kalenderaktion 2015 nur der gelungene Startschuss war. "Wir optimieren das und setzen es 2016 zugunsten eines anderen Empfängers im Harz fort", kündigt Carsten Schwabe an.

Mehr zum Verein unter: www.krebskranke-kinder-harz.de.tl