Es ist alljährlich die Stunde der Schnäppchenjäger. Die Fundsachen-Versteigerung des städtischen Ordnungsamtes. Auch diesmal sind weit über 100 Interessenten der Einladung in den Halberstädter Petershof gefolgt. Am Ende klingeln 2472 Euro in der Kasse.

Halberstadt l Es ist Sonnabend, kurz vor 10 Uhr. Am Petershof öffnet sich das schmiedeeiserne Tor. In Scharen strömen die Halberstädter in den Innenhof. Weit über 100 Kauflustige drängen sich vor einem rot-weißen Absperrband.

Dort werden sie bereits vom Team des städtischen Ordnungsamtes erwartet. Bevor allerdings um den Zuschlag gefeilscht werden darf, erklärt Heidi Wilde die Regeln. Sie sind simpel. Deren erste heißt: "Es gilt, gekauft wie gesehen." Geboten wird in 50 Cent-Schritten, sagt die Abteilungsleiterin. Kinder dürfen sich ebenfalls beteiligen. Im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen ihr Taschengeld bietet. Bezahlt werden muss sofort in bar. Eine Quittung gibt es nicht.

Als Auktionator fungiert diesmal Wolfgang Hartmann. Er ist kurzfristig für seinen erkrankten Kollegen Thomas Dittmer eingesprungen.

"Es gilt, gekauft wie gesehen."

Heidi Wilde, Abteilungsleiterin städtisches Ordnungsamt

Dann geht es Schlag auf Schlag. Immerhin befinden sich 57 Positionen auf der Versteigerungsliste. Das erste Fundstück ist ein Kinderfahrrad. 15 Euro lautet das Mindestgebot. 16 Euro ruft eine Frau, ein Mann sagt 20, ein anderer 22.50 Euro. Bei 26 Euro fällt zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten der imaginäre Hammer.

Die städtischen Ordnungshüter haben diesmal einiges zu bieten. So unter anderem ein scheinbar bisher fast unbenutztes BMX-Rad. 167 Euro ist es seinem neuen Besitzer wert. Insgesamt gut 40 Drahtesel verschiedenster Fabrikate und Größen stehen zur Auswahl.

Unbestritten der Knüller ist allerdings ein E-Bike. "Das kostet im Laden mindestens einen Tausender", raunt ein Kenner. Für 100 Euro wird das Schmuckstück von Wolfgang Hartmann angepriesen. Zum dreifachen Preis ist er es los.

Die Versteigerung nimmt ihren Lauf. Eine Fahrradtasche "gefüllt" soll 50 Cent kosten. Fünf Euro ist sie einem Interessenten wert. Eine mit fünf Euro taxierte Damenuhr der Firma Glashütte bringt das Doppelte.

Nur ein einziges Mal verlässt Hartmann das Glück. Ein Beutel mit acht Paar Badelatschen in den Größen 31 bis 35 bleibt ohne dankbaren Abnehmer. "Die sind desinfiziert", wirbt der Auktionator. Vergeblich.

Für Heidi Wilde ist das kein Problem. "Die geben wir einer Kindereinrichtung", sagt die Abteilungsleiterin Ordnung.

Bei einem für 20 Euro offerierten Bike wird es regelrecht hitzig. Die Bieterschlacht endet bei 110 Euro. Für ein Trekking-rad mit Kindersitz zahlt eine Frau 80 statt der aufgerufenen zehn Euro.

Wolfgang Hartmann könnte gut eine Unterhaltungsshow moderieren. "Her hier", ruft er zum Beispiel, als er einen Fahrradrahmen zum Basteln für 50 Cent versteigern möchte und jemand einen Euro dafür ausgeben will.

Exakt 62 Minuten dauert sie, diese Stunde der Schnäppchenjäger. Heidi Wilde ist mit dem Ergebnis "sehr zufrieden". 2472 Euro klingeln am Ende in der Kasse. Im letzten Jahr waren es 904, sagt sie. Versteigerungen haben in Halberstadt übrigens eine lange Tradition. Seit Anfang der 1990-er Jahre bringt das Ordnungsamt das vergessene oder verlorene Hab und Gut unbekannter Pechvögel unter die Leute.

Für manch einen erfolgreichen Auktionsbesucher hält der Tag unterdessen noch eine Überraschung bereit. So wie für einen älteren Herren, der einen eher unscheinbaren grauen Rucksack (15 Euro) mit nach Hause nehmen darf. Was er zunächst nämlich nicht weiß: Im Inneren von Fundstück Nummer 13 verbergen sich drei PC-Spiele und ein Erotikfilm.