Auf das 60-jährige Bestehen können die Mitglieder des Brieftaubenzuchtvereins "Heimatstolz" in Harsleben zurückblicken. Aus diesem Anlass ist morgen ein Treffen im Vereinsheim geplant. Gäste und Gratulanten seien dazu willkommen, so der Vorstand.

Harsleben. Auf eine lange Tradition kann der Brieftaubenverein "Heimatstolz" Harsleben zurückblicken. Er wurde genau morgen vor 60 Jahren, am 15. Februar 1951, mit damals zwölf Mitgliedern gegründet. Die Bestände waren nach dem Krieg allerdings "ausgebombt". Zunächst trafen sich die Taubenzüchter als Mitglied im Kleintierzuchtverein Harsleben in der Sparte "Sporttauben".

Nach 1945 wurden die Taubenzüchter und jedes einzelne Tier polizeilich erfasst. Schließlich waren Brieftauben früher einmal für Spionagezwecke eingesetzt worden. Darüber hat noch manches Vereinmitglied historische Belege. 1949 gab es in Harsleben die erste Ausstellung, auf der auch Sporttauben vertreten waren.

Das erste Reisejahr begann im Jahre 1952 mit 132 Tauben und die weiteste Entfernung war Saßnitz. "Die Zielstellung bestand darin, dass die Tauben heil in den heimatlichen Schlägen ankamen", erinnert sich der Vereinsvorsitzende Ernst Fischer: "Die Flugzeit spielte überhaupt keine Rolle".

In den folgenden Jahren kam es zu einer rasanten Entwicklung. Die Entfernungen wurden immer größer. Abflugorte waren unter anderem Krakau, Warschau, Przemysel an der russischen Grenze, Szeged, Györ, Bratislava, Budapest. 1967 flogen die Harslebener Tauben sogar mit dem Flugzeug nach Rumänien. Die erste Taube war schon am dritten Tag zurück. Den weitesten Flug über 980 km legte damals eines der Tiere von Arad in Rumänien bis nach Hause zurück.

Von Anfang an ist Ernst Fischer bei den Taubenzüchtern in Harsleben dabei. Er war Gründungsmitglied des Vereins und sechs Jahre lang Kassierer. 1966 wurde er zum Vorsitzenden gewählt und übt diese Funktion nun seit 45 Jahren aus. Auch in der Reisevereinigung Halberstadt und als Einsatzstellenleiter in Harsleben ist er aktiv.

"Im Jahr 1968 waren wir einmal 22 Mitglieder", erinnerte sich Ernst Fischer. Jetzt seien es keine zehn Aktive mehr. Die Vereinsarbeit strahlte einst weit über Harsleben hinaus. So war der Verein bis 1989 neun Mal Ausrichter der Bezirkssiegerschau von Brieftauben des Bezirks Magdeburg und seit 1990 bereits acht Mal Ausrichter der Brieftauben-Landesschau Sachsen-Anhalt. Bei guten Bedingungen können die Tauben Fluggeschwindigkeiten von 100 bis 110 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Zielstellung besteht schon lange nicht mehr darin, wieder heil in den Schlägen anzukommen, sondern auch die schnell-ste Zeit zu erreichen. So haben sich auch die meisten Taubenschläge in den letzten Jahren zu computergesteuerten Zeitmessanlagen gewandelt. Die sogenannten Auflassorte unter anderem liegen in Holland und Belgien und an der polnische Ostgrenze.

Für den Transport der Tauben zum Auflassort wurde aus Spendenmitteln ein Auflieger beschafft. Um Reisekosten zu sparen, haben sich 15 Vereine aus dem Landkreis zu einer Reisevereinigung zusammengeschlossen.

Von April bis September treffen sich die Taubenfreunde an jedem Wochenende. Mit drei Halberstädter Vereinen wurde eine Reisestelle organisiert. Viel Geld musste jedes einzelne Mitglied in die Technik für die elektronische Zeiterfassung investieren. Jede Taube bekommt einen Fußring, der sie elektronisch kennzeichnet. Vor den Abflügen werden die Tiere über ein Bediengerät wie an der Ladenkasse erfasst.

Kommen die Tiere dann in den heimatlichen Schlag zurück, werden sie wiederum elektronisch mit der aktuellen Uhrzeit erfasst. Alle Ergebnisse werden dann genauestens per Computer für den gesamten Verein ausgewertet.

Zur 875-Jahr-Feier von Harsleben wollen die Taubenzüchter dabei sein. "Wir überlegen schon, wie wir zum Fest 875 Tauben auf einmal steigen lassen können", verriet Fischer. Eventuell würden auch Gäste aus Polen mit ihren Tieren dabei sein. Gern genutzt werden die weißen Hochzeitstauben, um die sich Sohn Manfred Fischer kümmert. Anfang März beginnt die Paarungszeit. Dann versuchen die Züchter wieder die passenden Tiere zusammenzubringen. Bis es soweit ist, müssen die Tauben nach Geschlechtern getrennt noch in ihrem Winterquartier bleiben. "Draußen ist es wegen der Raubvögel jetzt zu gefährlich", weiß Fischer. Morgen ab 15 Uhr sind die Vereinsmitglieder für eine Feierstunde im Harslebener Vereinshaus im Weitgen 7 anzutreffen. Je nach Wetterlage werden Tauben gezeigt und es wird die Registrierung am Computer vorgeführt. Gratulanten und interessierte Bürger sind dazu herzlich willkommen.