Die Verantwortlichen der Stadt Wegeleben denken offenbar ernsthaft über den Bau einer neuen Sporthalle in ihrer Stadt nach. Ein maßgeblicher Grund für die Überlegungen ist der desolate Zustand der betagten Turnhalle an der Harslebener Straße. Heute sind die Planspiele ein Thema im Ausschuss für Jugend, Kultur und Sport.

Wegeleben/Adersleben/Deesdorf/Rodersdorf. Keine Frage: Die alte Sporthalle an der Harslebener Straße in Wegeleben hat Charme. Welche Kommune kann schon eine Turnhalle vorweisen, die im Sommer vorigen Jahres ihr 100-jähriges Bestehen erlebte und die obendrein unter Denkmalschutz steht? Zudem hebt sich der Zweckbau, den einst der in der Bodestadt ansässige Zuckerrübenfabrikant Wiersdorf erbauen ließ, schon von der Bauform her optisch von den Bauten heutiger Tage ab.

Das aber sind schon so ziemlich alle Pluspunkte, die man zugunsten der betagten Sporthalle zusammentragen kann. Während die Haben-Seite damit vergleichsweise kurz ist, summieren sich auf der anderen Seite die Mängel: Der zu DDR-Zeiten errichtete Anbau, in dem Sanitäranlagen und Umkleideräume untergebracht sind, ist nicht nur viel zu klein, sondern weist auch massive Mängel auf. "Wir haben es hier mit schlechter Isolierung, daraus resultierenden Feuchtigkeitsschäden und fortwährendem Schimmelbefall zu tun", weiß Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer, der bekanntermaßen beruflich selbst vom Bau kommt. Und Zimmer kommt mit Blick auf jenen Anbau zu einem klaren Fazit: "Stümperhaft gebaut." In der Folge gebe es nun schon seit Jahren Probleme mit jenem Anbau.

Nicht nur in direkter baulicher Hinsicht, sondern auch indirekt in Form von Auflagen der Kreisverwaltungsbehörden. "Erst im vorigen Jahr haben wir die Vorgabe bekommen zu sanieren, um angemessene Nutzungsbedingungen herzustellen", erinnert Stadtoberhaupt Zimmer und schlussfolgert: Um im Altbau zu einem langfristigen Resultat zu kommen, müsse eine Vollsanierung erfolgen.

Spätestens an diesem Punkt stelle sich jedoch nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Stadträten eine Frage mit Grundsatzcharakter: Noch einmal erhebliche finanzielle Mittel in die betagte Immobilie investieren und dabei wegen des vorhandenen Baukörpers zwangsläufig Zugeständnisse machen oder doch gleich intensiver über den gänzlichen Neubau einer Sporthalle in der Bodestadt nachdenken? Eine Grundsatzfrage, über die heute Abend auch im Ausschuss für Jugend, Kultur und Sport des Stadtrates diskutiert werden soll. Vertreter des Bauamtes sollen - so der Wunsch der Ausschussmitglieder - dann hinsichtlich der Kosten für eine Sanierung der alten Halle Position beziehen. "Wir brauchen schließlich erst einmal genaue Zahlen, um die Diskussion rund um Sanierung oder Neubau auf eine verlässliche Basis zu stellen", unterstreicht Zimmer und erinnert: "Die Räte haben die Verwaltung damit im Oktober vorigen Jahres beauftragt."

Derweil haben sich die Räte schon mal vorsichtig in Richtung Neubau vorgetastet: Mit Blick auf den im nahen Gröningen erfolgten Bau einer neuen Sporthalle hatten sie im vorigen Jahr den Architekten dieses Projektes zu Gast. Er habe über die dortigen Rahmenbedingungen ebenso informiert wie über die Variante, eine neue Halle als Ein- oder Zweifeld-Komplex zu bauen.

Mit einem aus Zimmers Sicht vergleichsweise klaren Resultat: "Wenn wir tatsächlich dem Neubau den Vorrang geben, dann geht die Tendenz der Räte wohl in Richtung einer Zweifelder-Halle, weil nur diese Größe wirklich Sinn machen würde." Schließlich gebe es neben dem Schulsport noch zahlreiche weitere Hallennutzer bei den örtlichen Vereinen.

Und nicht nur über diese Frage hätten die Räte bereits sinniert, sondern auch über den möglichen Standort einer solchen Neubau-Halle. Hier sind nach Zimmers Worten zwei Varianten denkbar: Entweder direkt auf dem Areal der Grundschule oder aber auf der Fläche eines früheren und bereits vor Jahren zurückgebauten Wohnblockes im hinteren Teil der Schulstraße.

"Wir brauchen genaue Zahlen, um die Diskussion um Sanierung oder Neubau auf eine verlässliche Basis zu stellen."

Mit beiden Modellen würde dem Grundsatz, wonach eine neue Sporthalle wegen der maßgeblichen Nutzung für den Schulsport in der Nähe der Grundschule gebaut werden sollte, Rechnung getragen werden. In beiden Fällen müssten aber Grundstücksfragen mit der Wohnungsgenossenschaft oder der Verbandsgemeinde Vorharz geklärt werden, räumt Zimmer ein.

Jene Grundstücksfrage ist jedoch nur ein Aspekt bei allen Überlegungen. Hinzu käme die Finanzierung eines solchen Neubaus. Auch hier hätten die Räte nach dem Vortrag des Gröninger Architekten zumindest eine Hausnummer, wie Zimmer sagt: Die Einfeld-Halle ohne Tribünenbereich würde demnach mit rund 1,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine Zweifeld-Halle inklusive Tribüne mit rund zwei Millionen Euro. "Das sind natürlich Größenordnungen, die für uns nur mit Hilfe einer Förderung zu stemmen wären", stellt Zimmer klar. Zudem müsse diesem Investitionsvolumen eben der nötige finanzielle Aufwand für eine umfassende Sanierung der alten Halle gegenübergestellt werden.

Mit Blick auf diesen Punkt hoffen die Ausschussmitglieder in der heutigen Sitzung auf solide Fakten von der Verwaltung. Laut Tagesordnung der um 19 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses beginnenden öffentlichen Sitzung sollen Vertreter des Bauamtes über die möglichen Kosten der Sanierung von alter Halle sowie Anbau berichten.

Bauamtsleiter Werner Fiedler war gestern wegen einer ganztägigen Schulung nicht erreichbar. Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt warnte jedoch vor überzogenen Hoffnungen und vorschnellen Entscheidungen: "Sicherlich wird die Diskussion um Sanierung oder Neubau jetzt erst einmal beginnen. Dabei sollten sich alle Beteiligten die nötige Zeit nehmen." Zudem müsse vor der Entscheidung für einen Neubau nicht nur dessen Finanzierung klar sein, sondern auch die künftige Nutzung der alten Sporthalle geklärt werden, gibt Ute Pesselt zu bedenken.

Fakten, über die sich auch Bürgermeister Zimmer durchaus im Klaren ist, wie er betont: Mit Blick auf die starke Frequentierung der alten Halle sieht er durchaus Möglichkeiten für deren weitere Nutzung. Schließlich gehen neben den Schülern, Fußballern sowie Volleyball-Spielern auch die Vertreter weiterer Vereine in dieser Halle ein und aus. Hinzu kommen nach Volksstimme-Informationen der Freizeit- und Kindersport von Jugendbetreuerin Bettina Wloch, die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte, die Line-Dancer, Gymnastikgruppen sowie zeitweilig auch die Karnevalisten.

"In der Folge ist die alte Halle heute ständig ausgebucht", weiß Zimmer und träumt - im Falle eines Neubaus - von einer gewissen Entzerrung: Während Schul- und Vereinssport in einer neuen Halle stattfinden könnten, wäre die alte optimal für die Nutzung im Rahmen des Kinder- und Hobbysports.