Auch in diesem Jahr soll der Wiederaufbau des Kirchturms von Eilenstedt weitergehen. Förderanträge wurden rechtzeitig gestellt, doch dazu könnte es noch eine Präzisierung geben - mit der Aussicht auf einen höheren Fördersatz. Das wurde beim Besuch von Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) deutlich.

Gemeinde Huy/Eilenstedt (dlo). Dank der Kontakte der CDU-Landtagsabgeordneten Frauke Weiß konnte jüngst Sachsen-Anhalts Minister für den ländlichen Raum für einen Besuch in Eilenstedt gewonnen werden (Volksstimme berichtete). In den Räumen der Kirchengemeinde begrüßte Pfarrerin Gudrun Schlegel die Gäste. Die Frauen der Kirchengemeinde hatten für eine gemütliche Kaffeerunde gesorgt.

Ortsbürgermeister Volker Sander, gleichzeitig Vorsitzender des Bauausschusses des Gemeindekirchenrates, wollte dem Gast aus Magdeburg deutlich machen, was ehrenamtliches Engagement alles auf die Beine stellen kann. Dazu gab es zunächst einen virtuellen Geschichtsgang. "Das wird Sie hoffentlich überzeugen, dass wir hier die richtigen Dinge tun", sagte Sander.

Schließlich sei es wohl das erste Mal, dass politische und kirchliche Gemeinde solch ein Projekt gemeinsam schultern. Dabei soll keine leere Kirchturmhülle entstehen, sondern für Leben im neuen Haus gesorgt werden.

"Glaube kann Berge versetzen", ist der bebilderte Videovortrag überschrieben. Bereits im neunten Jahrhundert gab es den ersten Wehrturm in Eilenstedt. Dazu wurde später eine Kirche errichtet und im Dezember 1183 geweiht. 1991 begann dann das Drama: Der Turm drohte einzustürzen und musste möglichst rasch saniert werden. "Dank der Unterstützung durch den Europa-Abgeordneten Dr. Horst Schnellhardt konnten wir zügig eine Sanierung angehen", erläuterte der Fachmann. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe bei dem Vorhaben geholfen.

Doch die Baufirma habe fatalerweise falsche Materialien verwendet, die den Turm bald auseinandertrieben und für riesengroße Risse sorgten. So musste 2006 schließlich der Turm ganz abgerissen werden. Zugleich wurde im Dach Schwammbefall festgestellt.

Zehn Jahre später gab es einen Workshop, um Ideen für einen Wiederaufbau des Turmes zu sammeln. Geplant ist nun eine kirchlich-kommunale Begegnungsstätte - so soll der Turm zum Kirchturm aller Eilenstedter werden. Eine Person setzt sich seit vielen Jahren eher still - aber mit viel Konstanz und Nachdruck - im Hintergrund für das Vorhaben ein, motiviert und schafft Kontakte: Ulrich Däter.

Der neue Turm soll aus fünf Geschossen bestehen. Darauf kommt die Turmhaube, die bereits saniert ist, jetzt direkt neben der Kirche ihren vorläufigen Platz gefunden hat und förmlich nur darauf wartet, auf den neuen Turm aufgesetzt zu werden.

Nach der Grundsteinlegung im Sommer vorigen Jahres ging es zügig voran. Insgesamt 650 000 Euro sind bereits verbaut. Das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) beteiligte sich mit über 200 000 Euro. Auch die Landeskirche half, ebenso zahlreiche Spender aus Eilenstedt und ganz Deutschland, die symbolisch Steine für das Vorhaben erwarben und dafür Geld gaben.

"Einmalig ist hier die künftige Nutzung des Kirchturms", erläuterte Sander. Das Objekt soll nicht nur als Winterkirche dienen, sondern auch für verschiedene Feierlichkeiten genutzt werden. Geplant sei auch ein Turnraum für die nahe Kindertagesstätte. "Damit führen wir die Jugend zugleich an die Geschichte und die Kirche heran", freut sich Sander.

"Einmalig ist hier die künftige Nutzung des Turms."

Einmalig in Sachsen-Anhalt dürfte auch der Plan sein, hier Raum und Platz für ein Eulenmuseum zu schaffen. Eine Spenderin aus Griechenland habe dazu kostenlos jede Menge Materialien bereitgestellt, die von Sander inzwischen abgeholt wurden. "Das mit der Einfuhrgenehmigung war nicht einfach", erinnerte er. "Eulenmuseum auch deshalb, weil unser Ortswappen zwei Eulen hat." Das habe die Spenderin einst zur Bedingung gemacht - ein Ort mit Eulen im Wappen sollte Nutznießer ihrer Sammlung werden. Wichtig sei für viele Eilenstedter obendrein, dass die Glocke "Anna" nach 20 Jahren Pause wieder läuten kann.

"Knackpunkt in der aktuellen Diskussion ist, dass wir bisher von einem Fördersatz von 45 Prozent ausgegangen sind", erläuterte Huy-Bürgermeister Thomas Krüger. Da für das Vorhaben, das auch eine wichtige Landmarke sei, jedoch ein hohes öffentliches Interesse bestehe, könnte man dafür eventuell auch einen Fördersatz von 75 Prozent ansetzen.

"Darüber sollte man schon nachdenken", sagte CDU-Parlamentarierin Frauke Weiß. Obwohl nur etwa 20 Prozent der Bürger hier kirchlich gebunden seien, zögen doch alle mit, wie man sehe.

Auch Leader-Betreuer Michael Schmidt sprach von einem besonderen Vorhaben. Er betreue 16 Projekte, von denen neun von Kirchengemeinden gestartet worden seien. Mit dabei sei die frühere Kirche Peter und Paul in Deersheim, für die es jetzt einen Trägerverein gebe, der mit 75 Prozent Förderung rechnen könne.

"Respekt, dass es soweit gekommen ist."

Nach den umfangreichen Projekterläuterungen zeigte sich Minister Aeikens "ein Stück überwältigt". Frauke Weiß habe ihn oft auf das Vorhaben angesprochen. Es sei ein sehr sympathisches Projekt, dem "kaum einer widerstehen kann", so der Minister. Für die 950 Einwohner des Ortes sei bisher ein beachtliches Engagement an den Tag gelegt worden. "Respekt, dass es soweit gekommen ist."

Es sei ein überzeugendes Konzept, weil der Turm mit kulturellem Leben erfüllt werden soll. "Im Grundsatz ja", lautete denn die Formulierung des Ministers mit Blick auf jene hohe Förderquote. Man müsse aber die Förderrichtlinie einhalten. Es handle sich um ein ortsprägendes Vorhaben, für das man "etwas konstruieren" könne. Eine denkbare Lösung sei, die Nutzer und Eigentümer nach Etagen zu trennen wie bei Eigentumswohnungen.

Wenn das für die Kirche denkbar sei, könne man darüber reden. "Ich will nichts versprechen, aber wir prüfen das", kündigte Aeikens an. Von der Spendenaktion und dem Namen der Glocke war er so angetan, dass er für sich und seine Tochter Anna symbolisch zwei Steine kaufte.

"Im Kirchenkreis habe ich gelernt, alles zu denken", meinte auch Jürgen Vogel, der in Vertretung der Superintendentin gekommen war. Seit zwei Jahrzehnten werde um den Turm gerungen. "Es ist ein Wunder, dass wir jetzt schon soweit sind." Doch auch er musste einschränken, dass jetzt die Juristen prüfen müssten, ob dieser Weg möglich sei. In jedem Fall sei es eine "schöne Anregung".

An dem Nachmittag wurde auch daran erinnert, dass es jüngst in Groß Quenstedt eine Entscheidung gegen solch ein Vorhaben gab. "Mit einer klaren Meinungsbildung", wie Vogel sagte. Dort habe es vom Bauministerium bereits finanzielle Zusagen gegeben. "Das Geld muss doch jetzt frei sein."

Heinz-Dieter Hünsche vom ALFF sieht den Plan indes noch etwas kritisch. 2008 habe die Kirche betont, das Objekt im Eigentum behalten zu wollen. Voraussetzung für eine weitere Förderung sei, dass die Gesamtfinanzierung stehe. Schließlich laufe 2013 die EU-Förderperiode aus. Und: Parallelen zu Deersheim zu ziehen sei nicht ohne weiteres möglich. Die dortige Kirche sei schon vor 25 Jahren der Kommune übertragen worden und werde heute als rein kommunale Einrichtung genutzt.

Nach der Besichtigung der Kirchenbaustelle und dem Ministergespräch zeigten sich die Organisatoren optimistisch, auch diese Hürden noch zu nehmen und die fehlenden rund 450 000 Euro aufbringen zu können. Iris Richter wurde für die aussagekräftige Dokumentation gedankt.

 

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