Halberstadt. "Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt Chris- tian Günther. Sieben Jahre war der 60-Jährige als Pfarrer am Dom tätig, nun wechselt er nach Erfurt. "Ich freue mich auf meine neue Aufgabe, hier habe ich etwas gefunden, da brennt das Herz", sagt Günther. Fasst sein neues Aufgabenfeld doch sehr viel von dem zusammen, was ihm wichtig ist.

Ab dem 1. Juni wird Günther die Projektstelle "Spiritueller Tourismus im Bereich der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands" betreuen. Und damit zuständig sein für die geistliche, theologische, kirchliche und personelle Betreuung des Netzwerkes der "Offenen Kirchen" und der Pilgerwege. Womit auch weitere ökumenische Arbeit verbunden ist - und sicher auch der weitere Kontakt nach Halberstadt. Schließlich liegt die Domstadt am Jakobus-Pilgerweg und beteiligen sich die Kirchen hier am Projekt "Offene Kirchen".

Wenn Christian Günther, der sehr die greifbare große Geschichtstradition des Harzraumes liebt, morgen um 14 Uhr mit einem Gottesdienst verabschiedet wird, wird er Rückblick halten auf die sieben Jahre hier in Halberstadt. Dass es gelungen ist, 2005 das Friedensfest am Dom wiederzubeleben, erfüllt ihn ein bisschen mit Stolz. Auch, dass die Abendgottesdienste so gut bei jüngeren Christen ankommen. "Einmal im Monat bieten wir hier eine etwas andere Form des Gottesdienstes und jedesmal ist der Besuch sehr, sehr gut." Diese Kontakte, ebenso die zu den rührigen Seniorengruppen, die machen den Abschied schon etwas wehmütig. Im Laufe seiner seelsorgerischen Arbeit und durch sein ökumenisches Engagement sind ihm viele interessante und engagierte Menschen begegnet, wichtige Wegbegleiter an seine Seite gerückt.

Er spürt dank dieser engen Kontakte aber auch, dass die unbestritten notwendigen Strukturreformen viele Menschen irritieren, sie sich oft nicht mehr so identifizieren mit der Gemeindearbeit. "Hier müssen wir aufpassen, dass wir die Menschen mitnehmen, dass wir ihre Bedürfnisse nicht übersehen. Sonst geht uns wichtiges, unverzichtbares Engagement verloren", sagt Günther und erschrickt fast ob seines kritischen Blickes. Wo er doch meist eher stiller Beob- achter von Entwicklungen ist.

Dass Kontakte bleiben werden, weiß der erfahrene Pfarrer. Erlebt er doch, wie sich die Verbindungen ins Voigtland gehalten haben, wo er als Jugendpfarrer begann, die zwölf Jahre in Gernrode und die Zeit in Dresden wirkten im Miteinander und Austausch nach. So wird er auch Halberstadt nie ganz aus den Augen verlieren.