Das Neujahrsgrillen der Calvörder Feuerwehr mitten im Wald ist schon seit 51 Jahren ein Brauch der Brandschützer, um das neue Jahr gebührend zu begrüßen. Mehr als 60 Frauen, Männer und Kinder haben sich an einem geheimnisvollen Ort vergnügt.

Calvörde l Das Rumpelstilzchen hätte in den Calvörder Bergen ganz schlechte Karten, denn die Bewohner des Ortes geben ihre Kinder um keinen Preis der Welt her. Außerdem gibt es im ehemaligen Herzogtum Braunschweig, zu dem Calvörde gehörte, schon lange keinen König mehr, für den die Frauen Stroh zu Gold spinnen müssen.

Um glücklich ins neue Jahr zu starten, gab es das 51. Mal das Neujahrsgrillen der Feuerwehr. Schon am Tag zuvor hatten Frauen und Männer des Feuerwehrvereins 50 Kilogramm Würstchen und Fleisch für die Spieße geschnippelt.

Um 22.30 Uhr in der Nacht ertönte die Sirene und die Brandschützer mussten ausrücken, denn ein Sturm hatte einige uralte Bäume umgerissen. Die Landesstraße 24 in Höhe vom Grieps war voll gesperrt. Gemeinsam mit ihren Kameraden aus Dorst zersägten die Feuerwehrleute die Stämme. Der Einsatz dauerte bis 1.30 Uhr.

Alois Ackermann war als Brandmeister der erste Mann am geheimen Ort, der das Lagerfeuer anzündete. Ingo Lüer, Vorsitzender des Vereins, holte inzwischen 20 Weißbrote und den "Treibstoff" zum Erhitzen der Gemüter. Schon vor zwei Wochen hatte Ackermann mit den Vorbereitungen im Wald begonnen. Trotz weniger Stunden Schlaf waren auch schnell alle anderen Brandschützer sowie deren Familien und Freunde pünktlich zur Stelle.

"Wir hatten beim Neujahrsgrillen schon Frost, Schnee, Regen und auch schon Plusgrade, aber so extrem warm wie heute war es noch nie", dachte Ackermann zurück. Der 82-jährige Calvörder und seine 84-jährige Lebensgefährtin Gerda Häsing waren die ältesten Grillgäste am Feuer, während Mia Tamara Becker mit neun Monaten die jüngste war. Zum ersten Mal beim Grillfest dabei waren auch die fast zweijährige Lisa Schröder und die zweijährige Tordis Veit.

Auch Mattis, der Hund von Carl und Ida Böwing, hatte seine Aufgabe. Wenn jemand bei Einbruch der Dunkelheit abhanden käme, würde der Rüde mit der Spürnase als Fährtenhund zum Einsatz kommen.

Wegen des Grillens musste die Probe des Männerballetts, bei dem Ackermann, Lüer und einige andere Herren der Wehr in der Karnevalszeit mittanzen, ausfallen. "Ihr könntet ja wie Rumpelstilzchen ums Feuer tanzen", schlug Wolfgang Lindner, stellvertretender Bürgermeister von Calvörde, vor. Lindner hatte selbst in jungen Jahren seine Beine im Ballett geschwungen und traute sich deshalb den Tanz ums Feuer selbst noch zu. Doch statt als Tänzer machte sich Lindner doch lieber unter dem Motto "Heute koch ich, morgen brau ich, und übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind" als Chefkoch nützlich. Er hatte nämlich extra gute Butter und Rotwein zum Abschmecken mitgebracht. Mit der Pfanne in der Hand machte er eine gute Figur.

Bei so viel Gastfreundlichkeit würde sogar auch das Rumpelstilzchen noch einen Platz am Feuer und vielleicht sogar noch im Männerballett bekommen.

   

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