Mit "Mim und Mum. Eine Mäusegeschichte" hat die Haldensleber Autorin Annemarie Stern ihr erstes Buch veröffentlicht. Die Texte darin haben sie jahrzehntelang begleitet. Ursprünglich waren sie für ihre Kinder gedacht - später wurden sie für Annemarie Stern selbst zu einer wichtigen Stütze.

Haldensleben l "In das erste Exemplar, das ich erhalten habe, habe ich tatsächlich ¿Mein erstes Buch\' hineingeschrieben", verrät Annemarie Stern. Dabei wirkt die 72-jährige Haldensleberin stolz und ein wenig verlegen zugleich.

Es war ein langer Weg, bis aus Annemarie Sterns Geschichten ein fertiges Buch wurde. Und dieser Weg war nicht immer leicht zu gehen. Aber es hat sich gelohnt. Denn das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Vor allem möchte ich mit meinem Buch anderen Menschen Mut machen", betont die Autorin. Um das zu verstehen, muss man die "Geschichte hinter den Geschichten" kennen.

Die Abenteuer der beiden kleinen Feldmäuse Mim und Mum sind Kindergeschichten. Zusammen mit ihren Geschwistern Dicki und Fix erkunden die kleinen Mäuschen die Welt - vom ersten Lebenstag im heimeligen Nest bis hin zur Schulzeit. Dabei geraten sie öfter mal in Schwierigkeiten, finden aber auch viele neue Freunde.

Ausgedacht hat sich Annemarie Stern diese Geschichten ursprünglich für ihre Kinder Christina und Toralf. "Ich habe sie ihnen zu besonderen Anlässen erzählt", erinnert sich die Haldensleberin. Auf diese Weise konnten Menschen- und Mäusekinder voneinander lernen und ihren Weg in die Welt gemeinsam bestreiten.

"Christina und Toralf haben die Geschichten sehr geliebt. Aber als beide erwachsen wurden, traten die Texte in den Hintergrund", erklärt Annemarie Stern. Es dauerte viele Jahre, bis die kleinen Mäuse wieder eine Rolle spielten.

2009 reichte Annemarie Stern die Geschichten bei einem Wettbewerb zu den Landesliteraturtagen ein. Daraufhin erhielt sie einen Preis als Nachwuchsautorin. "Meine Tochter hat mich immer wieder gebeten, die Kindergeschichten aufzuschreiben. Sie sagte: ¿Wenn ich Dich nicht mehr fragen kann, sind all die Erlebnisse der Mäuschen verloren. Als Du sie uns erzählt hast, war ich zu klein, um mir Einzelheiten merken zu können\'", berichtet Annemarie Stern.

Zunächst schreckte die Haldensleberin vor dieser großen Aufgabe zurück. Doch der Gedanke an zukünftige Vorschulkinder und eigene Urenkel motivierte sie.

Aber das ist nur die Hälfte der Geschichte. Denn die Mäusekinder Mim und Mum halfen auch Annemarie Stern selbst bei ihrem Weg zurück ins Leben. Nachdem sie damit begonnen hatte, alles niederzuschreiben, erkrankte die Autorin schwer. Und zwar mehrfach. Unter anderem erlitt sie eine Massenhirnblutung. In den Auswirkungen ist so etwas mit einem Schlaganfall vergleichbar.

"Ich konnte zuerst weder sprechen noch schreiben oder lesen. Ich verstand den Sinn des Gesprochenen nicht, kannte keine Begriffe oder konnte sie nicht den mich umgebenden Dingen zuordnen. Ich war in meinem Körper wie in einem Kokon gefangen", erinnert sich die Schriftstellerin.

Mit der Hilfe ihrer Familie und ihrer Therapeuten konnte sich Annemarie Stern aus diesem "Kokon" befreien. "Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich meine Erinnerung an die Mäusegeschichten wieder aktivieren könnte."

Das war nicht leicht: "Es gab immer wieder Phasen, in denen ich nicht schreiben konnte. Deshalb hat alles so lange gedauert. Aber für mich sind das ¿Sicherinnern\' und das Aufschreiben der Erlebnisse der Mäusekinder die beste Gedächtnistherapie, die mir auf meinem steinigen Weg im Alltag den nötigen Antrieb gibt", betont Annemarie Stern. "Eines Tages war ich dann auch bereit und habe mich trotz meiner Behinderung wieder in die Öffentlichkeit gewagt. Ich habe etliche Lesungen in Bibliotheken, Kindergärten und Schulen gehalten. Auch das war ein Teil meiner Therapie."

Unter anderem ist Annemarie Stern im Haldensleber Schreibzirkel aktiv. Dort bekam sie durch eine andere Autorin den Tipp, sich an den oberbayerischen Noel-Verlag zu wenden. Auf diese Weise verwandelte sich das Manuskript der Haldensleberin schließlich in ein fertiges Buch. Für das Titelbild und die Illustrationen im Innenteil sorgten Christina Schwarz, die Tochter von Annemarie Stern, und Christine Wilde, eine Cousine von Ehemann Knut Stern. Letzterer spielt bei Lesungen auf seiner Gitarre auch das Mim-und-Mum-Lied, das der ehemalige Musiklehrer Klaus Fiedler aus Bebertal eigens komponiert hat.

Mit Unterstützung ihres Sohnes Toralf arbeitet Annemarie Stern sogar schon an einer Fortsetzung. Darin besuchen Mim und Mum unter anderem ihre Tante in einer Backstube und erleben dort neue Abenteuer. Dabei steht zu hoffen, dass die neuen Geschichten genau so lebendig und liebevoll geschrieben sind wie die bereits erschienenen.

Doch wichtig ist für Annemarie Stern eines: "Aus eigenem Erleben kann ich Menschen mit Handicap nur ermuntern, alle Ressourcen, die in ihnen schlummern, auszuleben, um nicht zu verzweifeln." Dabei müsse es nicht unbedingt ums Schreiben gehen. Andere kreative Beschäftigungen wie Malerei oder Musik seien genauso gut denkbar. "Aber ich kann verraten: Es lohnt sich!", so die 72-Jährige.

"Mim und Mum. Eine Mäusegeschichte" ist als gebundenes Buch erschienen und hat 150 Seiten. (ISBN 978-3954930289)