Im Schwarzen Pfuhl in Bülstringen hat Peter Loskarn die erste Schwalbe in seiner Scheune begrüßt. Die frühe Ankunft von "Frau Witt" kommt überraschend, denn sonst sind die Frühlingsbotschafter erst immer Mitte April in der Region. Loskarn hat für seine gefiederten Freunde Kunstnester gebaut.

Bülstringen l "Die erste Rauchschwalbe ist schon da. Das ist außergewöhnlich früh. Die Schwalben reisen mit den Luftströmungen zu uns. Sie wird sicher nicht die einzige sein, die unterwegs ist, aber sie hat anscheinend nach Hause gefunden", sagt Naturschützer Peter Loskarn. Er führt durch den ehemaligen Rinderstall im Schwarzen Pfuhl in Bülstringen. Aufgeregt flattert die Schwalbe durch die Scheune. "Eine Schwalbe allein singt nicht. Das ist so etwas wie ein stummer Frühling", beschreibt Loskarn, der jetzt gemeinsam mit der Schwalbe sehnsüchtig und gespannt auf die Gesellschaft der anderen wartet. Der Ruf der Schwalbe ist ein Witt-witt, deshalb nennt Loskarn seine Nachbarn auch Familie Witt.

Loskarn hat nicht nur ein Herz für Störche, sondern auch für viele andere Vogelarten sowie Fledermäuse. Sein Grundstück gleicht einer Arche Noah. Unter dem Dach seines Hauses brütet ein Rotschwänzchen, Bachstelzen und eine Eule. Im Garten haben Hummeln ihr künstliches Domizil. Ein Bluthänfling sitzt zum Brüten im Gebüsch. Fledermäuse hängen und flattern ganz nach Witterung unter dem Dach, im Keller oder im Kasten im Garten. "Wir wohnen seit 1978 hier. Die Schwalben waren schon vor uns da. Sie haben die älteren Rechte. Also wir sind hier nur Mitmieter", sagt er schmunzelnd.

Es kam in den vergangenen Jahren schon vor, dass wenn die Türen oder Fenster bei Loskarns aufstanden, die Schwalben die Einladung annahmen und begannen, auf der Lampe ein Nest zu bauen. "Feuchte Erde mit kurzen trockenen Grashalmen werden eingespeichelt und direkt unter die Decke an die Wand geklebt. Ein Nest in Loskarns Wohnstube? So weit gehe die Freundschaft nun doch nicht. Dafür setzt der Vogelfreund seinen gefiederten Lieblingen im Stall mit Bauschaum Fundamente für die Nester, die die Schwalben dann kunstvoll vollenden. "So kann ich mitbestimmen, wo die Schwalben bauen. Wenn hier über 15 Schwalbenpaare brüten und über 100 Junge haben, ist das ja auch eine Schweinerei. In der Mitte des Stalls ist es einfacher für mich, den Schwalbenkot zu entfernen", erklärt er.

Genau führt der Naturfreund Buch, wie viele Nester im Stall sind und wie viele Junge ausfliegen. "Die Schwalben brüten zwei oder drei Mal im Jahr. Das Baumaterial holen sie sich aus dem Garten. Insekten finden sie reichlich", erklärt der Vogelexperte.

Die Tierställe seien heute riesengroß oder stehen leer. Es wird immer schwieriger, geeignete Nistplätze zu finden, denn häufig fehlen bereits Einflugluken. Zunehmende Hygiene in den Ställen und ein hoher Pestizideinsatz auf den Feldern lassen die Nahrung für Schwalben immer knapper werden. Und asphaltierte Feldwege erschweren es ihnen, lehmiges Baumaterial für ihre Nester zu finden. Viele Menschen bauen die alten Ställe zum Partyraum oder zur Garage um.

Mit Sorge liest Loskarn in Fachzeitschriften, dass der Bestand von heimischen Vogelarten, die an Häuser gebunden sind, zurückgeht. "Da gehören ja die Schwalben dazu. Sie sind unsere direkten Nachbarn. Einen starken Rückgang oder gar ein Aussterben dürfen wir nicht zulassen", appelliert er. Loskarn ist sich aber auch sicher, dass es in den Dörfern viele Leute gibt, die ein offenes Herz haben, die vertraut sind mit den Tieren und sich über die Schwalben freuen.

"Die Schwalben halten den Menschen die Treue. Wir müssen dafür sorgen, dass die Voraussetzungen stimmen, damit der Bestand nicht weiter zurück geht", weiß Loskarn und beobachtet die Luftakrobatin.

Mit fertigen Nisthilfen kann den sympathischen Fliegern geholfen werden. Gern gibt Loskarn auch Ratschläge an naturliebe Hauseigentümer, wie sie den Tieren Möglichkeiten schaffen können, damit Mensch und Tier in guter Nachbarschaft leben.

Interessant sei es, wenn Leser berichten, welche ungewöhnlichen Brutplätze Rauchschwalben das Jahr über gewählt haben.

   

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