Ackendorf (tj) l Das Kirchspiel Ackendorf-Rottmersleben kann einen weiteren Schritt für den Erhalt der Ackendorfer Bonifatiuskirche und ihrer mittelalterlichen Fresken gehen. Aus dem Topf des Leader-Förderprogramms der Europäischen Union fließen knapp 28000 Euro in den ersten geplanten Sanierungsabschnitt der ehrwürdigen Kirche. Die Gesamtkosten für diesen Abschnitt, bei dem das Dach und die Innendecke saniert werden, liegen bei etwa 80000 Euro.

Mit den mittelalterlichen Fresken der Bonifatiuskirche können laut Angaben von Hans Eike Weitz, dem Vorsitzenden des Kirchspiels, im Altkreis Haldensleben nur die Wandbemalungen in der Groppendorfer Kirche mithalten.

1928 wurden die bis dahin übertünchten Fresken unter unzähligen Kalk-Anstrichen entdeckt und wieder freigelegt. Unter dem früheren Pfarrer Reinhard Moosdorf konnte der Bestand der beiden Wandbilder im Winter 2002/2003 erhalten werden. Eine umfangreiche Sanierung der Gemälde sei langfristig das Ziel des Kirchspiels, so Weitz. Doch zuvor muss die bauliche Hülle der Kirche in Schuss gebracht werden. Ein erster Schritt dafür kann nun dank der Leader-Förderung und dank des Engagements der Kirchengemeinde und des Kirchenfördervereins im Kirchspiel getan werden.

"Eines der wesentlichen Ziele unserer Lokalen Leader-Aktionsgruppe ist der Erhalt ortsbildprägender Bausubstanz im ländlichen Raum. Auch die Wiederbelebung der Dorfmittelpunkte und die Förderung des ländlichen Tourismus sind maßgebliche Förderkriterien", betonte Wolfgang Westhus, der Manager der Lokalen Aktionsgruppe "Flechtinger Höhenzug", zu der auch die Hohe Börde gehört. "Diesbezüglich hat diese wunderschöne Kirche mit ihren Wandmalereien Potenzial", ergänzte Westhus.

"Nach vielen Anläufen hatte unser Konzept Erfolg bei den Genehmigungsbehörden."

Hans Eike Weitz, Vorsitzender des Kirchspiels Ackendorf-Rottmersleben

Beantragt hatte das Leader-Projekt das Kirchspiel Ackendorf-Rottmersleben. "Nach vielen Anläufen hatte unser Konzept Erfolg bei den Genehmigungsbehörden. Unsere Konzeptidee hat unser früherer Pfarrer Reinhard Moosdorf entwickelt. Wir, die Kirchengemeinde und der Förderverein, führen dieses Konzept mit unserem Pfarrer Thomas Wolter, fort und entwickeln es weiter", sagte Hans Eike Weitz.

Schritt für Schritt soll die Kirche saniert werden. Eine Wandheizung, die Sanierung der Kirchenwände, die Herrichtung der Sakristei zu einem kleinen Museum sind laut Dietmar Pötzsch, Vorstandsmitglied im Förderverein und Mitglied der Kirchengemeinde, vorgesehen. "Und die Bonifatiuskirche ist immer im Zusammenhang mit dem geplanten Forschungszentrum im früheren Pfarrhaus zu sehen", erklärte Pfarrer Thomas Wolter.

In der unteren Etage des Pfarrhauses, unmittelbar am Kirchengrundstück gelegen, wollen Förderverein und Kirchengemeinde ein Dokumentationszentrum für mittelalterliche Fresken etablieren. Weitz erläuterte: "Ein solches Zentrum gibt es in unserer Landeskirche noch nicht. Im Norden Sachsen-Anhalts werden bereits Materialien zusammengetragen. Wir wollen jungen Wissenschaftlern in unserem Pfarrhaus eine kleine, moderne Forschungsstätte mit Wohn- und Arbeitsräumen einrichten und mit der nötigen Technik ausrüsten."

Dazu müssen die bereits begonnene Sanierung der unteren Etage fortgeführt, der Flur im Pfarrhaus saniert und die Außenfassade renoviert werden. "Auch hier hoffen wir auf Leader", betonte Weitz. Die noch zu sanierenden Fresken in der Bonifatiuskirche sind der unmittelbare Bezug zum erhofften Dokumentationszentrum und ein schlagkräftiges Argument, weshalb solch eine Forschungsstätte gerade in Ackendorf am rechten Platz sei.