Ein dreiköpfige internationale Jury besuchte gestern die Hohe Börde. Grund war die Nominierung der Gemeinde für den Europäischen Dorferneuerungspreis (EDEP) 2014. Nun heißt es Warten auf die Bewertung.

HoheBörde l In gut zwei Stunden eine Gemeinde mit einem Durchmesser von mehr als 25Kilometern zu porträtieren, das geht - wenn überhaupt - nur mit dem Reisebus. Da hatte es Ummendorf bei seiner EDEP-Bereisung 2004 etwas leichter. Dort hatte Bürgermeister Reinhard Falke vor zehn Jahren das Jury-Trio in die Kutsche geladen und los ging`s über die Dorfstraßen.

Die Hohe Börde stand vor einer Herausforderung und hat sie gestern mit Bravour gemeistert. Die dicke Bewerbungsmappe hatte die Gemeinde schon zum Jahresanfang an die Europäische Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung und Dorferneuerung (Arge) geschickt.

Kulinarische Einstimmung auf das Holunderland

Die Arge lobt den Europäischen Dorferneuerungspreis (siehe Info-Kasten) alle zwei Jahre aus. Europäische Regionen können je einen Bewerber nominieren. Sachsen-Anhalt hatte die Hohe Börde ins Rennen geschickt.

Und die schmeckte den drei Jurymitgliedern Marija Markes (Slowenien), Arno Frising (Luxemburg) und Nikolaus Kuen (Österreich) bereits am Donnerstagabend im Niederndodeleber Holunderkontor bei einem kleinen Empfang mit Holler-Köstlichkeiten bestens.

Gestärkt und ausgeruht lauschten die Juroren gestern morgen im Hochzeitszimmer der Bebertaler Veltheimsburg Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel. Trittel erläuterte die sechs Grundpfeiler der gemeindlichen Entwicklung in den Jahren seit der Gründung vor gut vier Jahren. Zu jenen Eckpunkten gehören vielfältige und auch erfolgreiche Bemühungen, Haltefaktoren für die älter und weniger werdende Bevölkerung zu finden, ebenso die Bürgebeteiligung in Beiräten, im Bürgerverein und anderen Plattformen - außerdem der Aufbau einer Freiwilligen-Netzwerks, die Vereinheitlichung des Flächennutzungsplanes und das 2014 fertiggestellte Zukunftspapier "Integriertes gemeindliches Entwicklungskonzept".

Steffi Trittel betonte: "Ziele ändern sich im Laufe der Zeit" und: "Erfüllte Wünsche ziehen neue Wünsche nach sich". Das seien die Herausforderungen. Es gelte, am Ball zu bleiben und offen für neue Entwicklungen zu sein.

Wie das in den vier Jahren seit Gründung der Einheitsgegemeinde Hohe Börde gelungen ist, welche Besonderheiten und Ideen Fahrt aufgenommen haben, das erläuterten ehrenamtliche Akteure aus den Ortschaften bei der Bustour über 13 Stationen.

Die Jury erfuhr vom Biohof mit Sozialprojekten in Glüsig, von stromproduzierenden Landwirten und von der unterschiedlichen Größe der Bauernhöfe in einer Gemeinde, die mit den besten Böden Deutschlands glänzen kann.

Ortsbürgermeister, Gemeinderäte, Vereinsvertreter, engagierte Männer und Frauen erzählten ihre Geschichte und Geschichten, berichteten von Kinderparlamenten und Seniorenprojekten, von Existenzbedrohungen der Grundschulen und von Antworten darauf. Sie zeigten stolz Begegnungsstätten und erläuterten ihre vor der Realisierung stehenden Visionen, gerade älteren Menschen Bleibesperspektiven in ihrer ländlichen Heimat zu bieten.

Touristische Konzepte wie das Holunderradwegenetz und die Wiederentdeckung des Holunders als Ausdruck von Heimatverbundenheiten und Besinnung auf eigene Wurzeln spielten dabei ebenso eine Rolle wie überregional ausstrahlende Bildungsstätten wie das Mauritiushaus in Niederndodeleben oder die Kulturkirche Hermsdorf.

Hinweise und Lob aus drei Ländern Europas

Den Österreicher Nikolaus Kuen interessierte besonders das Ringen der Gemeinde um die Wiederbelebung der alten Dorfkerne durch Anreize für junge Leute, alte Wohngebäude zu sanieren - das Gemeinde-Programm "Jung sucht Alt". Kuen zeigte sich stark interessiert am Gelingen des Zusammenwirkens der einst selbstständigen Ortschaften in der neuen Großgemeinde.

Seine slowenische Jury-Kollegin Marija Markes war begeistert vom Holunderprojekt Hohe Börde und vom Maulwurfprojekt des Mammendorfer Landwirts Kay Brüggemann. "Das sind glänzende Beispiele dafür, dass Naturschutz, Landliebe und Landwirtschaft zusammenpassen."

Das Luxemburger Jury-Mitglied Arno Frising würdigte die Bemühungen der Gemeinde, den städtisch geprägten Osten mit den ländlicheren Regionen im Westen der Gemeinde zu verzahnen und gab der Hohen Börde mit auf den Weg: "Stärken Sie den ländlichen Charakter Ihrer Gemeinde, eine zu starke Orientierung an städtischen Lebensverhältnissen führt in die Irre."

Zum Abschluss eines Podiumsgesprächs im Hermsdorfer Mehr-Generationen-Haus unterstrich Nikolaus Kuen: "Sicher ist der Gewinn des Dorferneuerungspreises schön, aber viel wichtiger sind die mit der Bewerbung verbundenen Begegnungen wie heute. Sie sind auf einem hervorragenden Weg, bei denen Ihnen die neuen Kontakte auf jeden Fall weiter helfen werden."

Eine Möglichkeit dazu besteht Mitte September im schweizerischen Vals, wenn der EDEP-Sieger gekürt wird. Eine Abordnung der Hohen Börde ist dazu eingeladen, ganz gleich, wie das erfolgreiche Rennen um die Zukunft ausgeht. "Die Hohe Börde hat schon jetzt viel gewonnen", betonte Nikolaus Kuen.

   

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