Neue Gesetze sollen es möglich machen, dass Städte, Gemeinden und Ortsteile ihre Namenszusätze zurückbekommen. Groß ist die Hoffnung vieler Calvörder, dass sie in diesem Zusammenhang mit dem Zusatz "Flecken" die Wertigkeit ihres Ortsteils erhöhen und damit ein Stück Geschichte lebendig halten können.

Calvörde l "Ortsteile dürfen - laut Zeitungsbericht der Volksstimme - wieder Stadt sein. Dies trifft möglicherweise auch auf den Namenszusatz ,Flecken Calvörde` zu. Das soll ehemalige Gemeinden trösten, die zum Beispiel ihren Namenszusatz ,Stadt` verloren hatten", sagte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) bei der jüngsten Zusammenkunft des Calvörder Gemeinderates.

Der Zusatz "Flecken Calvörde" wäre im Zuge der Gemeindegebietsreform abhanden gekommen. "Es war damals nur möglich, für die gesamte Gemeinde Calvörde den Namen zu beantragen. Damals hat der Gemeinderat diesen Antrag abgelehnt. Die Identität der Gemeinde mit den elf Ortsteilen wäre unangemessen gewesen, hieß es damals", dachte Schliep- hake zurück. Aber nun würde die Chance bestehen, den Zusatz "Flecken" für den Ortsteil wieder zu bekommen.

Als Begründung nannte der Bürgermeister, dass zum einen mit dem Namenszusatz die Wertigkeit des Ortsteils Calvörde erhöht werden könnte. Zum anderen wäre die Unterscheidung zwischen der gesamten Gemeinde Calvörde und dem Ortsteil Calvörde durch den Zusatz "Flecken" eindeutig und könnte so nicht zu Verwechslungen führen.

Auch Gemeinderat Wolfgang Lindner (SPD), der im Ortsteil Calvörde zu Hause ist, befürwortete die Idee. "Damals haben wir den Namen ,Flecken` nicht weiter verfolgt. Es betrifft ja nur den Ortsteil Calvörde. Wir sollten den Antrag stellen", so Lindner.

Gemeinderat Manfred Eggeling (FUWG) aus Mannhausen fragte noch mal nach: "Ist dann Mannhausen Ortsteil von der Gemeinde Calvörde oder vom Flecken Calvörde." Der Bürgermeister erläuterte: "Der Flecken Calvörde ist dann weiterhin nur ein Ortsteil der Gemeinde Calvörde."

Gemeinderat Ingo Lüer aus Calvörde blickte auf die Geschichte zurück: "1345 bekam Calvörde zum ersten Mal diesen Namenszusatz. Das ging damals von der eigenen Gerichtsbarkeit über das Brauereirecht bis dahin, dass Calvörde eigenen Markthandel treiben durfte. Da hängt ein ganzer Batzen Geschichte dran. Von der Warte her, sollten wir diesen Teil der Geschichte nicht unter den Tisch kehren", sagte Lüer.

Klaus Zimmermann, ehemaliger Bürgermeister des damaligen Fleckens Calvörde, kann sich noch gut daran erinnern, wie die Calvörder in den 90er Jahren um den Namenszusatz kämpften. "Bereits zur 800-Jahr-Feier, als der Ministerpräsident mit hochrangigen Politikern und Würdenträgern in Calvörde war, wurde intensiv bezüglich des Antrages der Gemeinde verhandelt. Allerdings vergingen noch einige Jahre. Erst 2002, genau 50 Jahre nach dem Löschen des Namenszuges im Jahre 1952 durch die damalige DDR-Obrigkeit, durften wir uns wieder Flecken nennen", sagte Zimmermann, der in Magdeburg wohnt, aber dessen Herz immer noch für den Flecken Calvörde schlägt.

"Wenn wir jetzt die Möglichkeit haben, sollten wir den Antrag stellen", sagte Gemeinderat Robert Becker (CDU) aus Calvörde. Als nicht Calvörder befürwortete auch Gerhard Reinecke (CDU) aus Wegenstedt das Vorhaben.

Einstimmig entschieden sich die Räte auf der Basis des neuen Gesetzes, den Antrag über den Landkreis Börde an das Landesverwaltungsamt auf den Namenszusatz "Flecken Calvörde" für den Ortsteil Calvörde zu stellen.