Mit einer umjubelten Aufführung der "Sommernachtsserenade" ist am Wochenende die 22. Sommermusikakademie auf Schloss Hundisburg offiziell eröffnet worden. Im Hauptsaal begeisterten das "nomad theater ensemble" und der Chor "I Madrigalisti d`Amore" mit einem bunten Mix aus Shakespeare-Texten.

Hundisburg l Der erste Szenenapplaus galt am Freitagabend bei der Premiere der "Sommernachtsserenade" Schlossverwalter Dr. Harald Blanke. Denn der Abend, der so versöhnlich enden sollte, begann mit dem Schrillen der Alarmanlage im Hauptsaal des Schlosses Hundisburg. Ein Gast muss sich wohl verirrt haben und griff an die Klinke einer verschlossenen und alarmgesicherten Tür. Blanke eilte mit dem Generalschlüssel herbei und erlöste die zahlreichen Wartenden.

Was dann folgte, sollte nach gut eineinhalb Stunden in minutenlangem, begeistertem Applaus münden. Das Eröffnungsstück der diesjährigen Sommermusikakademie war etwas ganz Besonderes. Ein Mosaik aus den vielen schönen Texten von William Shakespeare, der in diesem Jahr 450 Jahre alt geworden wäre, gepaart mit den schönsten Liebes-Madrigalen aus Renaissance und Barock.

Zusammengesetzt hat dieses Mosaik Regisseur Daniel Klumpp und es zu einer wunderbaren Liebesgeschichte eines jungen Paares werden lassen. Mit ungeheurer Ausdruckskraft und Spielfreude haben Ines Hollinger und Charles Morillon dieses Paar, dass sich erst durch einige Irrungen findet, auf die Bühne gebracht. Charles Morillon, der zu Beginn ganz arrogant lieber aufgeknüpft als verliebt sein will, verfällt schon beim ersten Anblick der jungen Ines Hollinger. Der geht es genauso, doch sie lässt den Liebsten so einige Zeit zappeln.

Beide Schauspieler vom "nomad theater ensemble" glänzten in dem Stück, bei es auch manchen Schmunzler gab. Einen absoluten Glanzpunkt setzten auch die fünf Sängerinnen und Sänger von "I Madrigalisti d`Amore". Ein phantastischer Chor, der nicht nur als Hintergrund oder zwischen den Dialogen, sondern aktiv im Stück mitwirkte. Das war schon nah an der Oper, hieß es am Freitagabend. Und auch Charles Morillon forderte in dem Stück vom Chor "Mehr, mehr, ich bitte dich, mehr!" Zu Recht. Wenn man jemanden überhaupt aus diesem hervorragenden Quintett herausheben wollte, so war es Bariton Christos Pelekanos, der im schäkernden Zusammenspiel mit Ines Hollinger auch schauspielerisches Talent zeigte.

Wenn es zuweilen etwas anstrengend war, im Hauptsaal die Dialoge des Paares auf der Bühne zu verstehen, so war der Raum beim Gesang des Chores derart erfüllt, dass Gänsehautmomente nicht selten waren.

"Ich träume noch von der Oper hier. Sie passt einfach in dieses Schloss. Das Wort ist im Hauptsaal schwierig, aber die Musik phänomenal", sagte der musikalische Leiter der Sommermusikakademie, Prof. Rolf-Dieter Arens. Auch wenn er es selbst vielleicht nicht mehr erleben werde, so doch ganz sicher sein junger Mitstreiter, Dirigent Johannes Klumpp, sagte Arens mit einem Schmunzeln. Er sei sich aber sicher, dass es irgendwann soweit sein werde.

Bei der 22. Sommermusikakademie, die am Sonntag noch das Kammermusikkonzert in der Alten Fabrik in Althaldensleben vorhielt und heute ab 19.30 Uhr mit dem "Besonderen Konzert" in der St.-Andreas-Kirche in Hundisburg weitergeht, gibt es einige Neuerungen.

So gab es erstmals einen "Vorabend", einen bunten und unterhaltsamen Benefizabend, dessen Erlös voll und ganz der Sommermusikakademie zugute kam. "So einen Vorabend soll es künftig bei jeder Sommermusikakademie geben. Es war ein sehr angenehmer Abend - und er bringt das wichtige Geld", sagte Rolf-Dieter Arens.

Zudem hat die Sommermusikakademie eine Verbindung nach Niedersachsen geschaffen. Mit dem "Werkstattbesuch", der offenen Probe der "Sommernachtsserenade" vergangenen Montag in Helmstedt, seien nicht nur die Künste, sondern auch Festivals und Länder verbunden worden, so Arens. Die offene Probe war Teil des Partnerfestivals "jung | klasse |Klassik - Der Musiksommer im Braunschweiger Land".

 

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