Einen Operationssaal einmal nicht aus der Perspektive des Patienten, sondern aus der des Arztes erleben: Diese Möglichkeit hat gestern eine Gruppe von Lesern im Ameos Klinikum Haldensleben ergriffen. Bei der letzten Aktion des Sommerabenteuers schlüpften sie für eine Stunde in die Rolle des Chirurgen.

Haldensleben l "Der OP ist das Herzstück und der Motor unseres Hauses", erklärte Krankenhausdirektor Andreas Schultz bei seiner Begrüßung. Zusammen mit Dr. Holger Polozek, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, sowie Yvonne Eichelmann von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit nahm er gestern eine Gruppe Volksstimme-Leser in Empfang. Bei der finalen Aktion des diesjährigen Sommerabenteuers nutzten sie die Gelegenheit, in aller Ruhe den Zentral-OP des Krankenhaus zu besichtigen, "denn aus der Patientenperspektive wirkt das immer etwas anders", so Andreas Schultz.

"Pro Jahr nehmen wir hier im Haus zwischen 5000 und 5500 Operationen vor", erklärte Holger Polozek bei der anschließenden Führung. Gleichzeitig lernten die Teilnehmer, welchen Aufwand eine solche OP allein in der Vorbereitung mit sich bringt. Denn abgesehen von der Notfall-Behandlung gehören zu jeder Operation das Sichten von Befunden sowie Voruntersuchungen. Mitunter müssen auch spezielle Materialien bestellt werden. "Deshalb setzt jede OP eine sorgfältige Planung voraus", so Holger Polozek.

Zuerst jedoch mussten die Sommerabenteurer in der Personalschleuse ihre Alltagskleidung gegen die typisch grünen OP-Kittel tauschen. Anschließend verfolgten sie den üblichen Weg eines Patienten nach. Dieser beginnt bei der Einschleusung. Mithilfe eines speziellen Förderbandes wird dort jeder Patient eigens umgebettet. Denn das normale Krankenhausbett darf nicht mit hinein in den OP-Saal.

Gleichzeitig erhält jeder Patient eine detaillierte Checkliste mit auf den Weg. Unter vielen anderen Punkten ist darunter auch vermerkt, welcher Eingriff auf welcher Körper- seite stattfinden soll. "So können Missverständnisse im OP erst gar nicht aufkommen", verdeutlichte Holger Polozek.

Im Operationssaal führte Schwester Sibylle Meier von der Gesamtleitung der OP-Anästhesie unter anderem die Instrumente vor, die für eine Kniegelenksspiegelung nötig sind. "Auf einem speziellen Blatt wird jedes Instrument vermerkt, dass während einer Operation zum Einsatz kommt", so Sibylle Meier. "Allerdings gibt es speziell vorbereitete Sets", erklärte Holger Polozek. Auf diese Weise könne man leicht den Überblick wahren. Wer mochte, konnte sogar vollends in die Rolle des Arztes schlüpfen. Dafür galt es, Handschuhe und spezielle, sterile Kittel überzuziehen. Letztere sind für alle Personen Pflicht, die direkt am Patienten arbeiten.

"Kann es vorkommen, dass jemand vorzeitig aus der Narkose erwacht", erkundigte sich ein Teilnehmer besorgt. "Das gibt es tatsächlich. Aber es ist sehr selten", antwortete Holger Polozek. Am Ameos Krankenhaus Haldensleben sei es noch nicht vorgekommen. Stattdessen gibt es dort sogar ein spezielles Gerät, um die Tiefe der Narkose zu überwachen und dadurch solche Vorfälle zu verhindern.

Generell sei die Ausstattung eines OP-Saals sehr flexibel. Bei Bedarf lasse sich die Grundausstattung jederzeit ergänzen - zum Beispiel durch Ultraschall-, Laser- oder Röntgengeräte, Mikroskope oder spezielle Anlagen zur Nervenstimulation. Die Sorge, man könne während der Narkose plötzlich anfangen zu reden, sei dagegen völlig unbegründet. "Das stammt noch aus der Zeit, als die Narkose mit Äther oder Lachgas gemacht wurde", beruhigte Holger Polozek.

Real sind allerdings Gurte, mit denen Patienten fixiert werden. "Das ist wie mit Sicherheitsgurten im Auto", verdeutlichte Holger Polozek. Unter bestimmten Umständen könnte sich ein Patient sonst nämlich umdrehen - und dabei vom OP-Tisch fallen.

Wie lange eine Operation dauert, sei sehr unterschiedlich. Das Eröffnen von Abszessen sei durchschnittlich in zehn Minuten erledigt. Die Entfernung von Tumoren im Hals-, Nasen- Ohrenbereich könne dagegen bis zu 16 Stunden dauern. Während dieser Zeit dürfe der Operateur in der Regel nicht ausgetauscht werden. "Das ist wie bei Piloten bei einem Langstreckenflug. Schließlich ist der Operateur auch für den gesamten Eingriff verantwortlich", so Holger Polozek. Damit ein Patient bei der langen Liegezeit keine Druckstellen bekommt, gibt es spezielle Unterlagen. Ein Wärmeversorgungssystem schützt vor dem Auskühlen.

Wie gewissenhaft das Team des Ameos-Klinikums arbeitet, zeigte sich auch beim anschließenden Aufräumen. Denn um den Zentral-OP inklusive aller Instrumente nach dem Besuch wieder einsatzbereit zu machen, waren mehrere Stunden nötig.

Dass sich dieser Aufwand trotzdem gelohnt hat, zeigte sich nicht zuletzt an den Reaktionen der Besucher: "Ich fand es sehr interessant", urteilte zum Beispiel Klaus Scheile aus Barleben. "Ich habe in Magdeburg schon dreimal auf dem OP-Tisch gelegen, aber heute zum ersten Mal davor gestanden. Als Patient bekommt man gar nicht richtig mit, was alles zu einem solchen Eingriff gehört."

Das Sommerabenteuer ist die Ferienaktion der Volksstimme. Sein Zweck besteht darin, Daheimgebliebenen spannende Ferien direkt vor der Haustür zu bieten. Gleichzeitig sollen die Teilnehmer Einblicke gewinnen können, die ihnen der Alltag sonst verwehrt. Mit dem Besuch des Ameos Klinikums Haldensleben ist die diesjährige Aktion zu Ende gegangen.

   

Bilder