Die Faszination alter Landmaschinen und historischer Fahrzeuge hat Besucher zum dritten Oldtimertreffen nach Lockstedt gelockt. Das Treffen entwickelt zu einem kleinen Fest der Technikbegeisterten.

Lockstedt l Angezogen vom knatternden Ruf historischer Motoren und dem Duft von Benzin, Diesel und Schmieröl trafen sich Technikbegeisterte in Lockstedt. Zum dritten Mal hatten sich auf dem Grundstück von Marcel Gliemann und Marianne Willuhn Besitzer von zahlreichen historischen Fahrzeugen versammelt. Gliemann, der selbst in der Uniform als Volkspolizist die Gäste begrüßte, freute sich über das Interesse. Seine Leidenschaft für nostalgische Technik hat er als heutiger Mitarbeiter des Wolfsburger VW-Werkes bereits als Kind von seinem Vater Rolf Gliemann aus Weddendorf geerbt. "Vor vier Jahren haben wir das Grundstück in Lockstedt gekauft. Nun habe ich endlich Platz für meine Oldtimer und für Fahrzeuge, die ich von meinem Vater übernommen habe", erzählte Marcel Gliemann.

Unter der Plane eines großen Zeltes hatten der Gastgeber und seine Helfer eine Restaurationswerkstatt nachgebaut. Auch ein Duo, ein dreirädriges motorisiertes Krankenfahrzeug aus der DDR-Zeit, möchte der Hobbytüftler wieder zum Leben erwecken.

Angesteckt von der Begeisterung zur Technik wurde auch Sebastian Prechtl. Der junge Lockstedter lernt Autoschlosser und hat zum Treffen seinen aufpolierten Traktor mitgebracht.

Neben zahlreichen historischen Traktoren, Motorrädern und Pkw konnten sich die Besucher auch an einem alten Lastkraftwagen aus der DDR-Produktion erfreuen. Der Lkw der NVA der Marke Robur ist Gliemanns besonderer Liebling. Beim Gang über das Gelände fanden sich weitere Klassiker der DDR-Nutzfahrzeughistorie. Dass diese Gefährte, wie so viele andere bekannte Fabrikate ostdeutschen Fahrzeugbaus, seit den 1990er Jahren aus dem Straßenbild weitgehend verschwunden sind, tut ihrer Beliebtheit offenkundig keinen Abbruch. Aber auch ein Fahrrad aus den Jahren 1930/40, das statt mit Kette mit Kaderwellen betrieben wird, konnte bestaunt werden.

Überhaupt wurde an diesem Tag deutlich, dass Oldtimer nicht in erster Linie Garagenwagen und nette Ansichtsobjekte sind, sondern durchaus auch genutzt werden dürfen und sollen. Das Gros der Fahrzeuge war aus eigener Kraft nach Lockstedt gelangt, mehrheitlich aus der ehemaligen Grenzregion. Über den ganzen Tag kamen neue Gäste mit ihren alten Schätzen an oder begaben sich auf eine Ausfahrt in die nähere Umgebung.

Das Spektrum der technischen Sehenswürdigkeiten war dabei ausgesprochen groß. Neben den schon erwähnten DDR-Nutzfahrzeugen waren vor allem viele alte Zweiräder zu bewundern. Bekannte Klassiker wie Schwalbe, Sperber und Star konnten hier genauso bestaunt werden, wie zahlreiche Maschinen aus den 1930er Jahren.

Ina Ulrich aus Oebisfelde hatte sich im Vorfeld zum Treffen an ihr altes Moped erinnert. "Mit dem Moped bin ich bis nach Staßfurt gefahren", dachte Ina Ulrich zurück. Als ihr damaliges Gefährt nach 23 Jahren wieder ansprang, drehte die Oebisfelderin vor Begeisterung gleich eine Ehrenrunde.

Gliemann sieht in diesen Demonstrationen einen besonders wichtigen Teil der Veranstaltung: "Die Leute mögen es, wenn sich was dreht und wenn es knattert." Nicht zuletzt kamen die Freunde alter Landmaschinen voll auf ihre Kosten. Star war unter anderem ein Traktor der Marke Eigenbau, der mit einem Trabi-Motor tuckerte. Für seine kleinen Gäste hatte Gliemann extra einen Haufen Sand ausgekippt. So konnten die Kinder nach Herzenslust mit Mini-Fahrzeugen baggern.

Publikumsmagnet waren natürlich die Vorführungen der Technik. Die Späne flogen ,als mit der nostalgischen Sägetechnik Brennholz zerkleinert wurde.

Wenn historische Traktoren in Betrieb gesetzt werden, versetzt das Liebhaber in Begeisterung und manch jungen Zuschauer in Staunen. Und dass auch so viele Familien mit ihren Kindern den Weg nach Lockstedt gefunden hatten, lässt hoffen, dass mit Treffen wie diesem die Liebe zu alten Traktoren und Fahrzeugen nicht nur gepflegt, sondern bei jungen Besuchern auch entflammt werden kann.

An den Flammen einer 5,40 Meter hohen Feuertonne, einem ausgedienten Gastank, wärmten sich die Oldtimerfreunde. Fachsimpeleien und der Austausch von Erfahrungen prägten die Gespräche bis in die Nacht hinein.

 

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