Rennen mit Schlittenhunden ist so etwas wie die Formel 1 auf vier Pfoten. Das heißt, Vollgas bis zum letzten Meter. Dazu ist nicht einmal Schnee nötig. Fünfeinhalb Kilometer lang ist die Strecke, die Helmut Gottschlich, Vorsitzender des Sachsen-Anhalter Schlittenhunde-Sportclubs (SASC) und sein Team absteckten.

Calvörde l 66 Gespanne aus ganz Deutschland machen bei diesem Saisonstart mit, manche mit einem Hund und manche mit bis zu zehn Vierbeinern. Und das, obwohl das Wetter gar nicht typisch für Schlittenhunde-Rennen ist. Die 250 vierbeinigen Sprinter laufen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 30 Kilometer pro Stunde. Die Hunde ziehen die Musher, die Lenker der Gespanne, die fünfeinhalb Kilometer lange Strecke. Götz Bramowski und sein sechsjähriges Sohn Nick aus Wefensleben gehören dazu. Nicht zu vergessen natürlich ihre treuen vierbeinigen Wegbegleiter. Jeder der Hunde bekommt noch einen Napf mit Wasser und Leckerlis, dann geht es noch mal "ins Bettchen" in die Hundebox.

"Wir haben Gäste von Norwegen bis Ostfriesland. Die idealen Voraussetzungen haben sich rumgesprochen. Deshalb zieht es von Jahr zu Jahr mehr Starter zu uns", weiß Gottschlich. "Wir freuen uns über jede Veranstaltung, die den Grieps belebt", freut sich auch Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake.

Die Gespanne sausen im Naherholungsgebiet durch die sonnige Herbstlandschaft. Neugierige Blicke sind die Musher gewöhnt. Manche Spaziergänger reagieren aber auch verunsichert, bisweilen auch ängstlich. Denn Schlittenhunde können ihre Herkunft aus wilden Wolfsrudeln nicht verleugnen, weder optisch noch akustisch. Wenn ihr Jaulen durch die Wälder der Calvörder Berge dringt, erinnert das fast schon an Abenteuerfilme aus Alaska, Grönland oder Sibirien. Und wenn sie dann mit ihren klaren und so unglaublich durchdringenden Augen vor einem stehen, dann kann es dem Menschen durchaus mulmig werden. Doch kein Grund zur Furcht. Bei Schlittenhunden handle es sich um sehr disziplinierte und vor allem auch ausgeprägt soziale Rassen. Schlittenhunde wirken richtig glücklich, wenn sie losrennen dürfen.

Der Leithund ist der Teamchef und hört besonders aufmerksam auf die Kommandos des Herrchens. Husky Co. halfen, die Welt zu entdecken. In arktischen Regionen leisteten sie bei Transportaufgaben Ähnliches wie im Rest der Welt die Pferde und Ochsen.

Einen Zwischenstopp von Berlin nach Norwegen legen Sabrina und Jan Mielke mit ihren Hunden Sherrin, Flint und Jack in Calvörde ein. "Wir sind als Deutsche nach Norwegen ausgewandert. Ich arbeite dort als Dog-Händlerin und als Trainerin", verrät die junge Frau und zeigt ihren Husky-Welpen Ylva.

Als Andreas Wiatowski das Hundegeschirr vom Haken nimmt, wird es im Rudel plötzlich unruhig. Seine Huskys wissen, dass es gleich losgeht. Sie springen aufgeregt herum. Als alle am rollenden Schlitten angeleint sind, geht es zum Start. Nicht zu spät kommen, lautet die Devise. Aber auch nicht zu zeitig dort sein, denn die kläffende Meute ist kaum noch zu bändigen. Vier Mann müssen die acht bulligen Tiere festhalten. Es ist noch Zeit. Eine gute halbe Minute, dann können sie losrennen. Nur die Handbremse am Wagen verhindert einen Fehlstart.

Ein paar Sekunden später gibt es kein Halten mehr. Nach dem Startsignal hetzen die Hunde los, als gäbe es kein Morgen. Der Dannefelder, der hinten im Wagen steht, muss bei jedem Ruck aufpassen, dass er nicht herunterfällt, so stark ziehen die Hunde. Und dann verschwinden sie erst einmal zwischen den Bäumen.

Bei knietiefem Schnee und Temperaturen unter null Grad würden die Vierbeiner erst so richtig aufblühen. Die Saison gehe im Dezember in ihre heiße Phase. Jetzt sei es noch zu warm, um alles auszureizen. Gottschlich als Rennleiter weiß: "Mehr als 15 Grad Lufttemperatur sind den Hunden nicht zuzumuten. Dann kann es passieren, dass sie umfallen. Die rennen, bis sie nicht mehr können, wenn man da nicht bremst. Wir haben vorsichtshalber die Strecke zwei Mal verkürzt."

Inzwischen bereitet Götz Bramowski den Wagen vor. Es sind jetzt noch wenige Minuten bis zu seinem Start. Die Schlittenhunde werden unruhig. Sie tänzeln auf ihren Pfoten, drehen sich nervös im Kreis. Der Wefensleber holt das Zuggeschirr. Bramowski ist seit 1997 mit Leidenschaft dabei. "Heute ist für uns eine Art Trainingsrennen. Wir nehmen sonst an Europa- und Weltmeisterschaften teil", erzählt der dreifache Europameister auf Schnee und auf dem Wagen. Den vierten Platz belegte er bei der Weltmeisterschaft in Österreich. Und auch bei den olympischen Winterspielen in Turin waren Bramowski und sein Team dabei, um den Schlittenhundesport zu demonstrieren. Die Europameisterschaft ist für den Wefensleber in diesem Jahr die größte Herausforderung. Aber jetzt spannt er die vier Hunde vor den Wagen. Alles hat seine Reihenfolge.

Beim Kinderrennen ist sein sechsjähriger Sohn Nick mit zwei Hunden beim Rennen dabei. "Lauft, Huskys, lauft!", heißt das Kommando. Über Baumstämme und Wurzeln kommen die Tier-Mensch-Teams problemlos.

Gäste, die fachsimpeln, einen Blick hinter die Kulissen werfen und natürlich Streicheleinheiten für die von Natur aus freundlichen Hunde sind willkommen.

Gottschlich bedankt sich bei der Gemeinde Calvörde für die Unterstützung. Die Wassersportfreunde vom benachbarten Sportboothafen grillen für die Gäste.

Am Ende siegen bei den Rennen in ihrer jeweiligen Starterklasse Helmut Gottschlich mit seinen vier Hunden, zwei Samojeden und zwei Malamuten, Götz Bramowski mit seinen vier Siberian Huskys, Carolin Schulz mit ihren sechs Huskys und Andreas Wiatowski mit seinen acht Hunden.

 

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