Einstimmig hat der Ausschuss für Schule, Soziales, Kultur und Sport der von der Stadtverwaltung erarbeiteten Entgeltordnung seine Zustimmung verweigert. Zu negativ seien die Auswirkungen auf das Vereinsleben und die Außenwirkung der Stadt, befürchten die Ausschussmitglieder.

Haldensleben l Es war nicht allein der Brandbrief, den Stadtrat Bodo Zeymer (Bündnis 90/Die Grünen) als stellvertretender Vorsitzender des Handballsportvereins (HSV) Haldensleben in die Öffentlichkeit brachte, der in der Diskussion um eine Entgeltordnung für Einigkeit unter den Mitgliedern des Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschusses sorgte. Es war auch die Angst vor einem Imageschaden für die Stadt, der die Ausschussmitglieder bewog, diese Vorlage dem Stadtrat nicht zur Beschlussfassung zu empfehlen.

Mit der Satzung, welche die Benutzung sowie die Erhebung von Entgelten für die Benutzung des Alsteinklubs, der Jugendherberge sowie der kommunalen Sportstätten und Schulen regelt, verspricht sich die Stadtverwaltung Mehreinnahmen von 19800 Euro. Dies wäre der Anteil, mit dem sich besonders die Sportvereine an den jährlich anfallenden Betriebskosten für die Einrichtungen beteiligen sollen. "Wir können die Sportstätten nicht kostendeckend bewirtschaften, und mit dem Sportfördergesetz des Landes Sachsen-Anhalt haben wir die Möglichkeit, die Nutzer mit ins Boot zu holen", erklärt Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. Und mit den veranschlagten Mehreinnahmen von knapp 20000Euro sei die Stadtverwaltung zudem deutlich unter der Hälfte der anfallenden Betriebskosten geblieben, versichert er.

3000 Euro Mehrkosten allein für den HSV

Wie hart einen Sportverein finanziell das Vorhaben der Verwaltung treffen würde, macht Lutz Pfeiffer, Vorsitzender des HSV, den Ausschussmitgliedern deutlich. "Etwa 3000Euro müssten wir zusätzlich allein für die Hallennutzung bezahlen. Ein kompletter Spieltag würde uns dann zwischen 130und 170 Euro kosten. Das lässt sich aber nicht genau aufrechten, weil an diesen Tagen auch Kinder und Jugendliche spielen, und für die soll die Hallennutzung ja kostenfrei sei. Das ist doch gar nicht zu kontrollieren", so Pfeiffer.

Zudem rechnet er mit Einnahmeverlusten, denn für die gastronomische Versorgung müsse in der Sporthalle Zollstraße beispielsweise der Klubraum genutzt werden - und der kostet dann ebenfalls extra. "Das würde sich dann nicht mehr rechnen", meint Pfeiffer. "Was sollen denn die Gästemannschaften von uns denken, wenn wir sie bei unseren Heimspielen nicht mehr versorgen können? Das wirft doch ein schlechtes Licht auf uns als Verein und auf die Stadt", macht er deutlich.

Um die Mehrkosten zu erwirtschaften, schließt der HSV-Vorsitzende Beitragserhöhungen nicht aus. Erwachsene müssten dann 140 statt bisher rund 100 Euro Jahresbetrag zahlen, hat Lutz Pfeiffer errechnet. Doch härter träfe es den Nachwuchs. "Der zahlt jetzt um die 70 Euro und müsste dann mit dem Übergang in das Erwachsenenalter gleich das Doppelte als bislang bezahlen", befürchtet Pfeiffer, deshalb Mitglieder zu verlieren.

Auch Stadtrat Reinhard Schreiber (CDU), selbst im Vorstand des Integrativen Sportvereins (ISV) Althaldensleben aktiv, sieht in der Entgeltordnung eine für die Haldensleber Sportlandschaft schädliche Entwicklung. "Wir müssen auch beim ISV jeden Euro zweimal umdrehen und hätten große Probleme, das Nutzungsentgelt aufzubringen." Er plädiert dafür, die Satzung aufzuschieben, damit sich die Vereine langfristig darüber Gedanken machen können.

Haushaltslage wird sich nicht verbessern

Mario Schumacher (CDU) geht davon aus, dass über Kurz oder Lang die Vereine Entgelte zahlen müssten. "Wir können unseren Haushalt derzeit nur noch über die Rücklagen ausgleichen, doch die sind auch irgendwann alle. Und wenn wir dann in die Haushaltskonsolidierung kämen, müssen wir alle Einnahmequellen generieren", gibt der Stadtrat, der auch Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses ist, zu bedenken.

Doch Entgelte von Vereinen zu verlangen, sei das schlechteste Mittel, um die Haushaltslage zu stabilisieren, ist Regina Blenkle (Die Fraktion) überzeugt. "Es gibt andere Optionen im Haushalt, die wir auf Einsparpotenzial überprüfen können", meint sie. Und angesichts des städtischen Haushaltsvolumens von mehr als 30 Millionen Euro seien diese 20000 Euro Mehreinnahmen doch eher nur als "Peanuts" zu betrachten, so Dirk Hebecker (Bürgerfraktion).

Es sollte zunächst mit den Vereinen gesprochen werden, um dabei genau zu sondieren, was sie leisten können und was nicht, positioniert sich Ralf Neuzerling (Die Fraktion). Dies könne der Verwaltung als Arbeitsgrundlage für eine neue Satzung dienen.

Ausschlaggebend für die Entgelterhebung von Seiten der Verwaltung ist, dass in Süplingen für die Nutzung der dortigen Sporthalle gezahlt werden muss. "Daher hätte ich mir gewünscht, wenn auch die Süplinger künftig nichts mehr bezahlen müssten anstatt alle anderen Vereine zur Kasse zu bitten", erklärt Ausschussvorsitzender Klaus Czernitzki (Die Linke) seinen Standpunkt.