Der Schal wächst, das Regal für die Tassen füllt sich zusehends, die Beratungsstellen arbeiten, die Volkssolidarität lebt sich in ihrem Bereich ein - das neue Mehrgenerationenhaus EHFA an der Gröperstraße wird Stück für Stück mit Leben gefüllt. Im zweiten Quartal soll der kleine Kindergarten öffnen.

Haldensleben l Ein bunter Strickschal ist um die Säule mitten im "Wohnzimmer" des Mehrgenerationenhauses gewickelt. Die Stricknadeln stecken noch zum Weiterstricken. Daneben steht ein Korb mit Wollresten und an der Säule klebt ein grüner Zettel. "Wolle spenden und weiterstricken nicht verboten" steht darauf. Eine Haldensleberin hat den Korb mit der Wolle gebracht und den Zettel angebracht, erzählt Sylke Kühling, Quartiersmanagerin des Mehrgenerationenhauses. Immer mal wieder setzt sich eine Frau an die Säule und strickt ein paar Reihen. Das ist schon fast symbolisch. So wie der Schal weiter wächst, füllt sich auch das Haus mit Leben. Vielleicht wächst der Schal irgendwann sogar mal bis auf die Straße, mutmaßt Sylke Kühling. Doch das ist Zukunftsmusik. Noch hat sie mit der Gegenwart vollauf zu tun.

Im zweiten Quartal soll auch die Kindertagesstätte öffnen. 20 Kinder sollen im Erdgeschoss vom EHFA betreut werden. Weitere 20 Kinder sollen in die ursprünglich für Gewerbe vorgesehenen Räume im Wohnhaus an der Bülstringer Straße einziehen. Die Lebenshilfe übernimmt diese Aufgabe. So will die Stadtverwaltung das Problem der fehlenden Kita-Plätze lösen, ohne komplett neu bauen zu müssen.

Drei Wochen ist es her, dass das Mehrgenerationenhaus "EHFA" (Ein Haus für alle) eingeweiht wurde. "Ich habe mich sehr gefreut, wie viele Bürgerinnen und Bürger mit uns gemeinsam dieses Haus eingeweiht haben", versichert die Managerin mit einem strahlenden Lächeln. Und das Interesse hält an. "Viele Haldensleber wollen mithelfen, das Haus mit Leben zu erfüllen, und sich einbringen."

Einer von ihnen ist Erich Lessny. Der Haldensleber kommt jeden Tag zum Mittagessen zur Volkssolidarität. Er möchte gern Musik ins Haus bringen, in den großen Raum in der Mitte, der sowohl als der Marktplatz gesehen wird, weil er ein Treffpunkt für alle sein soll, aber auch das Wohnzimmer sein kann, denn er soll zur gemütlichen Runde einladen. Einmal im Monat vielleicht einen Tanz- und Unterhaltungsnachmittag anbieten, das möchte Erich Lessny. Und er fügt hinzu "ohne finanzielles Interesse."

Erich Lessny will zum Tanz und zum Skat einladen

Da könnte er vielleicht eine Stunde Programm machen und dann "noch zum Tanz spielen oder einfach zum Schunkeln." Eine zweite Idee ist ein Skatnachmittag ein- oder zweimal im Monat. "Zwei Skatfreunde bringe ich noch mit, einen Tisch hätten wir dann schon", sagt er. Dafür will er jetzt weitere Freunde finden.

Im "Wohnzimmer" sieht es zwar mit verschiedenen Sitzgruppen, Broschüren auf den Tischen und Grünpflanzen schon recht gemütlich aus, doch das ist erst der Anfang. Noch fehlt das Catering. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bald einen Betreiber haben werden. Verhandlungen laufen", erläutert Sylke Kühling.

Gleich nebenan hat die Volkssolidarität ihre Räume bezogen. Einige Damen der Tanzgruppe "Kesse Sohle" sitzen nach ihrer Tanzstunde bei einer Tasse Kaffee noch ein Weilchen beisammen. Sie hängen noch an der alten Begegnungsstätte an der Hagenstraße.

Im Beirat der Volkssolidarität haben sie gerade darüber gesprochen, was ihnen noch Sorgen macht. Das sind zum einen die Parkmöglichkeiten. "Wenn man nur zwei Stunden kostenfrei parken darf, muss man Veranstaltungen früher verlassen, um nicht zahlen zu müssen", fasst Rosemarie Schimming zusammen. Die Tiefgarage im Haus soll bald nutzbar sein, sagt Sylke Kühling, aber auch hier sind zwei Stunden kostenloses Parken vorgesehen. In der Stadtverwaltung sind die Sorgen angekommen, die Seniorinnen hoffen auf positives Echo.

Hinweisschilder werden den Weg zum EHFA zeigen

Das EHFA sei auch nicht ausgeschildert, wird moniert. Das Haus wird ins Wegeleitsystem der Stadt aufgenommen, entgegnet die Managerin, das sei in Arbeit. Fahrradständer wird es auch noch vor und hinter dem Haus geben, ergänzt sie.

Im kleinen Reich der Volkssolidarität läuft inzwischen aber fast alles so wie in der alten Begegnungsstätte. Die Frauen haben auch ihren zweiten Herd für die Küche bekommen, so dass sie fleißig backen können für ihre Gäste. "Wir haben uns schon etwas eingelebt", erzählt die Leiterin Annett Damerau. "Die Versorgung läuft wie im anderen Haus. Die Mitarbeiterinnen sind ja mit umgezogen." Annett Damerau betont die sehr gute Zusammenarbeit mit Sylke Kühling und auch mit dem Hausmeister Christian Lübke. "Ich habe mich das ganze Jahr über vor dem Umzug gegrault, aber ich fühle mich hier wohl", bekräftigt Annett Damerau. Natürlich soll alles noch gemütlicher werden.

Ein Stockwerk höher arbeiten die Beratungsstellen. Die Tür von Steffen Rißmann von der Drogen- und Suchtberatung steht gerade offen. "Wir sind noch beim Einleben", sagt er und mit Blick auf die Pflanzen an der Fensterfront: "Grün ist es schon." Die Mitarbeiter der Beratungsstellen können jetzt enger zusammenarbeiten. "Wir kannten uns zwar schon, aber so können wir auch auf kurzem Weg mal für einen Klienten nachfragen, ob eine andere Beratungsstelle ebenfalls helfen kann", sagt Steffen Rißmann. Das macht es auch für die Hilfesuchenden leichter.

   

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