Satuelle l Antiaggression, Sozialkompetenz, Deeskalation, Selbstbehauptung - seit Jahren schon bietet Thomas Lohan landauf, landab Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten- und Krisensituationen in Arbeitswelt, Jugendhilfe und Alltag an. Die Arbeit des 45-jährigen Teamleiters vom Verein "Gewaltfrei Sachsen-Anhalt" ist in Schulen genauso gefragt wie in Justizvollzugsanstalten. "Seit zehn Jahren bin ich auch im Bereich der Jugendhilfe ambulant unterwegs, besuche Familien und arbeite mit Jugendlichen zusammen und bin so fast täglich 200 bis 300 Kilometer unterwegs", erzählt der Freiberufler.

Das soll sich nun ändern. Arbeitsmäßig möchte der Haldensleber sesshaft werden. Deshalb plant er ein Heim, in dem bis zu zwölf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 18 Jahren betreut werden sollen, die aus Familien kommen, in denen ihr Wohl - das Kindeswohl - gefährdet ist.

Einen geeigneten Ort dafür hat Lohan schon gefunden: den alten Bahnhof am Rand von Satuelle. Den hat er gekauft, inklusive 1,5 Hektar Land. Platz genug, um seine Vorstellungen von einer familienersetzenden Einrichtung zu verwirklichen. "Ich habe diesen etwas abgeschiedenen Standort bewusst gewählt. Hier sollen die Kinder und Jugendlichen zur Ruhe kommen", erklärt er.

Neben dem Wohnhaus für seine Schützlinge, das dafür noch um- und ausgebaut werden muss und künftig den Namen Ohre-Haus tragen soll, plant der staatlich anerkannte Erzieher, ein Gewächshaus und einen Hühnerstall zu errichten sowie Fischteich, Gemüsegarten und Obstwiese anzulegen. "Damit verfolge ich zum einen ökopädagogischen Ansatz, zum anderen wollen wir auch ein Stück weit Selbstversorger sein", sagt er.

Jugendliche sollen alles selbst mit errichten

Zudem sollen auf dem weitläufigen Areal ein Musikraum, eine Werkstatt sowie ein Sportraum entstehen, ebenso ein Fußballplatz, ein Volleyballfeld und ein Niedrigseilgarten. "Die Jugendlichen sollen das alles selbst mit errichten. Nur so kann ich ihnen Wertschätzung, Eigenverantwortung und Ökobewusstsein vermitteln", setzt Lohan auch auf erlebnispädagogische Aspekte.

Schließlich gehe es auch darum, den Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln, die sie aus ihrem Elternhaus nicht kennen, betont er. Völlig abgekapselt von ihren Familien werden sie während ihres Aufenthalts in Satuelle indes nicht. "Alle 14 Tage verbringen sie ein Wochenende zu Hause", weiß der Pädagoge auch um den Stellenwert familiärer Bindungen. "Ich möchte mit den Familien zusammenarbeiten, denn die Kinder und Jugendlichen sollen später ja wieder zu ihnen zurückkehren", geht Lohan von einer durchschnittlichen Verweildauer von zwei bis drei Jahren aus.

Unterstützt wird er in seiner künftigen Arbeit von fünf Erziehern. Auch Praktikanten sollen bei ihm die Möglichkeit bekommen, in den Arbeitsalltag hineinzuschnuppern. "Dazu kommen noch eine Hauswirtschaftskraft, ein Hausmeister und eine Angestellte für die Verwaltungsarbeit", sieht sich der Neu-Satueller durchaus auch als Arbeitgeber.

Vorhaben im Satueller Ortschaftsrat vorgestellt

Zu den Betrieben vor Ort möchte der angehende Heimleiter gern Kontakt aufnehmen, plant für seine Schützlinge Praktika in der Landwirtschaft, der Forst oder im Tierheim. "Integration spielt eine ganz wichtige Rolle", unterstreicht er. Selbst eine Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Satuelle kann er sich vorstellen. "Wenn es gewünscht wird - warum nicht?"

Dem Ortschaftsrat hat Thomas Lohan sein Vorhaben am Donnerstag vorgestellt. "Grundsätzlich stehen wir dem nicht ablehnend gegenüber", gibt Ortsbürgermeister Mario Schumacher (CDU) die Resonanz wieder. Dass es Vorbehalte geben könnte, das ist auch Thomas Lohan klar. "Aber niemand muss Angst haben, dass es in Satuelle nun drunter und drüber geht. Die Kinder und Jugendlichen werden ganz normal zur Schule gehen und ihre Freizeit unter anderem strukturiert in Haldensleben - in den Jugendclubs oder dem Rolli-Bad - verbringen."

Mit dem Ohre-Haus erfüllt sich Lohan auch selbst seinen beruflichen Traum: "Das ist das, was ich gern mache und das, was ich kann."