Sieben Gebäude im Flutgebiet sind bereits abgerissen. Zu den weiteren mindestens zwölf, denen das gleiche Schicksal bevorsteht, gehört das von Jana und Daniel Schulze aus Wust.

Wust l "Zum Glück: Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Heizung erneuern, Kellerwände trocknen und dann ist alles gut!" Diese Erleichterung, die Familie Schulze im Sommer spürte, ist nun gewichen. Denn nichts ist gut - ihr Haus muss abgerissen werden!

Am Anfang deutete nichts darauf hin. Das niedrige Kellergewölbe des von etwa 1900 stammenden Hauses in der Breiten Straße lief zwar halb voll, aber lediglich die Holzheizung nahm Schaden und wurde gleich repariert, als das Wasser wieder weg war. "Im September entdeckten wir dann in der Kellerdecke die ersten Risse, die immer stärker wurden. Also haben wir sie mit 30 Stützen abgefangen. Doch es ging immer weiter. Inzwischen neigen sich die beiden Giebel nach außen und man merkt, wie auch der Fußboden unter dem Gebäudeteil, der nicht unterkellert ist, nachgibt." Fenster und Türen lassen sich nur noch schwer schließen.

Gutachter bestätigen, dass die gesamte Statik des einst als Gemeindeschwesternstation genutzten Gebäudes nicht mehr stimmt, "eigentlich müssten wir sofort ausziehen".

Doch noch wartet das Ehepaar mit zwei erwachsenen Kindern, von denen der älteste Sohn Christopher (23) schon ausgezogen ist, auf grünes Licht von der Investitionsbank. Aber Schulzes sind zuversichtlich, dass es eine Zustimmung gibt, "schließlich hat die Bank uns ja selbst angeraten, neu zu bauen. Denn das wird günstiger, als das Haus zu sanieren. Denn es ist über 200 Quadratmeter groß und verfügt auch noch über eine Wohnung für eine weitere Familie mit zwei kleinen Kindern, "die Miete war eigentlich als unsere Altersvorsorge gedacht", erzählt Daniel Schulze. Er ist Klauenpfleger und hält eine Mutterkuhherde mit 35 Tieren. Seine Frau kann aufgrund einer Rückenerkrankung nicht mehr in ihren erlernten Berufen arbeiten. Deshalb ist es auch mühsam, die 20 Prozent Eigenanteil an der Wiederaufbauhilfe aufzubringen. "Irgendwie schaffen wir das schon, auch wenn unsere gesamte Lebensplanung damit durcheinander gerät." Der 42-Jährige berichtet, dass er und seine Frau seit dem Kauf des Hauses 1997 nach und nach saniert und modernisiert haben, jetzt nur noch ein paar Fenster, die Terrasse und die Fassade auf der Hofseite gemacht werden sollten. "Eigentlich wollten wir in dem Haus alt werden. Wir haben es uns gemütlich eingerichtet, wir fühlen uns wohl hier und wollten eigentlich keinen Neubau."

Bemühen um einen Wohncontainer

Für Mitte Januar hat die Investitionsbank eine Entscheidung angekündigt. Wenn dem Neubau zugestimmt wird, dann wollen Schulzes etwas kleiner bauen. "Unser Jüngster ist 18 Jahre alt und wird irgendwann auch ausziehen, da brauchen wir nicht mehr so viel Platz. Wir hoffen, dass wir auch wieder eine Mietwohnung einrichten können, damit die Familie hier bleiben kann."

Um vor Ort zu sein, wenn abgerissen und neu gebaut wird, wollen sich Schulzes jetzt um einen Wohncontainer vom DRK bemühen, wie sie auch andernorts stehen. "Der Platz muss reichen und es wird ja auch bald Frühling. Wenn alles gut läuft, sind wir Weihnachten im neuen Haus..."

Schulzes Nachbarn, Familie Paschek, geht es ganz ähnlich, auch bei ihnen steht der Abriss kurz bevor. Demnächst mehr dazu.

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