Otto von Bismarcks 200. Geburtstag im kommenden Jahr prägt die Planungen und die Arbeit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen in den kommenden Monaten. Denn den Touristen und Einheimischen soll Interessantes und Neues geboten werden. Zudem steht die bange Frage: Kann der Park bis dahin wieder genutzt werden?

Schönhausen l Bis zur Terrasse mit den Kanonen gelangt man, dann ist Schluss. Der Schönhauser Park kann nach der Flut nicht mehr betreten werden. Etliche Bäume sind umgekippt, viele nicht mehr standsicher. "Das ist sehr bedauerlich", erklärt Dr. Andrea Hopp, die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen. "Denn zum Ensemble des historischen Lernortes gehört auch der Park - das Museum allein ist nicht der Anziehungspunkt. Die Besucher bedauern sehr, dass sie den Park nicht betreten können, haben aber natürlich Verständnis für die derzeitige Situation." Dennoch sei es wichtig, dass bald etwas passiert.

Denn bis zum Jahr 2015, wenn Schönhausens bekanntester Sohn 200 Jahre alt geworden wäre, soll natürlich auch der Park in vollem Umfang genutzt werden können.

Park "verwandelt" sich zum fünften Mal

Genug Platz im Eingangsbereich bleibt aber auch 2014, um wie gewohnt im Frühling ein Kunstfest zu initiieren. Schon zum fünften Mal heißt es "Kunst für Demokratie" und der Park wird sich "verwandeln". Dazu kommen wieder Ergebnisse von künstlerischen Projekten zum Einsatz, die in den Vorjahren entstanden sind. Das Projekt der Stiftung mit Beiträgen über die Verbandsgemeinde hinaus ist auf große überregionale Resonanz gestoßen und wird am 29. März zur Eröffnung der diesjährigen Ausstellung "Verwandlungen V" samt Kunstfest sogar ausgezeichnet. Die Stiftung zählt zu den 100 Preisträgern des bundesweiten Wettbewerbs "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" 2013/14. Der Wettbewerb beruht auf einer Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft unter dem Titel "Deutschland - Land der Ideen". Erstmals steht er im Zeichen eines Themas: "Ideen finden Stadt". Gewürdigt

werden Projekte, die richtungsweisend für die Städte und Gemeinden von morgen sind. Aus rund 1000 Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder Vereinen hat eine unabhängige 18-köpfige Jury die 100 Preisträger in den Kategorien Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung und Gesellschaft ausgewählt, in

Sachsen-Anhalt gibt es lediglich zwei Preisträger. "Die Auszeichnung freut uns natürlich. Zugleich betrachten wir sie als Bestätigung für die Bildungsarbeit der Stiftung am Standort Schönhausen", erklärt Andrea Hopp.

Auch im Jubiläumsjahr 2015 wird sich der Park verwandeln. Und nicht nur der. Auch das Museum. Zwar werden die eigentlichen Pläne von Andrea Hopp und Museumspädagogin Katja Gosdek, die seit 2011 in der Schreibtischschublade liegen und einen kompletten Umbau der Ausstellung beinhaltet hätten, vorerst mangels Finanzierung nicht umgesetzt.

Austausch mit Friedrichsruh

Aber dennoch wird die obere Etage des Museums umgestaltet. In einer Sonderausstellung "Das Schönhauser Bismarck-Museum von 1891 und seine Schätze" rückt das erste Bismarck-Museum, das sich bis 1945 im Gut II in den Räumen der späteren Schule und des heutigen Bürgerzentrums befunden hat, in den Blickpunkt.

Otto von Bismarck selbst hatte im hohen Alter (gestorben 1898) das Museum noch einrichten lassen. Durch die Geschenkesammlung, viele davon Geburtstaggeschenke, die er hierfür zur Verfügung stellte, bestimmte er zugleich, was es aussagen sollte: Das Museum war ein Dokument des damaligen Kultes um Bismarck als "Reichsgründer", der bereits zu seinen Lebzeiten zum Mythos wurde.

Einige der alten Sammlungsstücke sind im 1998 eröffneten Museum zu sehen, Etliches gibt es in Friedrichsruh, wo der Reichskanzler bis zu seinem Tod gelebt hatte. "Wir wollen Vorhandenes neu beleuchten, vielleicht Ausstellungsstücke mit Friedrichsruh austauschen und auch etwas über die Geschichte des ersten Museums selbst erzählen", erklärt Andrea Hopp das Ziel der Sonderschau. Sie soll voraussichtlich am 15. März 2015 eröffnen.

Neben dieser Sonderausstellung wird es natürlich auch eine Reihe von Vorträgen geben. Dazu ist ein Referentenaustausch mit den beiden anderen in Deutschland existierenden Bismarck-Museen in Friedrichsruh (Schleswig-Holstein) und Bad Kissingen (Bayern) geplant. Während sich Schönhausen dann schwerpunktmäßig mit der Familie und der Herkunft Otto von Bismarcks beschäftigt, geht es in Friedrichsruh um den Mythos des Reichskanzlers und in Bad Kissingen um dessen Politik.