Über den Strauken - einem Tümpel in Kuhlhausen - streift ein eisiger Wind. Er macht die sieben Minusgrade noch weitaus unangenehmer. Dick eingemummelte Männer pflegen hier Weiden.

Kuhlhausen l Die Bürgerarbeiter greifen zu den Ästen, die zuhauf im Schnee liegen, um sie ins gefräßige Maul eines schon recht betagten Schredders zu stecken. Die Späne landen auf einem Hänger - wenn der Wind diese nicht fortbläst - und werden entsorgt.

"Um die 60 Kopfweiden wurden hier am Strauken von ihren Ästen befreit", informierte Niederlassungsleister Dietrich Staats von der Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung des Landkreises (GfAuS). Damit werde ein wesentlicher Beitrag zur Pflege der für die Havelregion typischen Bäume geleistet.

Im Dezember hatten die vorbereitenden Arbeiten begonnen, denn erst ab dann dürfen die Weiden beschnitten werden, berichtete Koordinator Lothar Rudolph. Der Naturschutz gibt ein sehr enges Zeitfenster für die Weidenpflege vor - nur bis Ende Februar ist dafür Zeit. Viel wärmer dürfte es bis dahin wohl nicht werden.

Den ganzen Januar hindurch waren die zwölf Bürgerarbeiter mit der Weidenpflege beschäftigt. Erst in Garz, dann folgte Kuhlhausen, neben dem Strauken werden nun noch zehn weitere Bäume in der Gemarkung geköpft. Eine Truppe ist mit dem Schneiden der Äste beschäftigt, die andere schreddert diese zwei Tage später.

Im Anschluss wird der mobile Tross weiter in Richtung Jederitz ziehen. Gepflegt werden allerdings lediglich Bäume auf kommunalen Grundstücken, was in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Havelberg abgestimmt wird.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt Bürgerarbeit läuft bis zum Jahresende nach und nach aus. "Die ersten Arbeiter sind bereits am 15. Januar gegangen, die nächsten folgen am 28. Februar", informierte Dietrich Staats. Die Gruppen in Kuhlhausen gehen im August beziehungsweise Dezember.

Viele der Bürgerarbeiter würden es begrüßen, wenn die Maßnahme verlängert oder durch eine ähnliche ersetzt würde. Knapp 80 der einst 200 Bürgerarbeiter aus Havelberg und Sandau waren im Grünbereich beschäftigt.

Die Kopfweide bot den Menschen über Jahrhunderte allerhand Material: Aus den dickeren wurden Stiele für Arbeitsgeräte hergestellt und die dünneren für Zäune und Körbe verwandt. Beim Fachwerkbau flocht man Zweige in die Gefache. Die Rinde wirkt mit ihren Salicylverbindungen fiebersenkend und keimtötend - das Schmerzmittel Aspirin wurde auf deren Basis hergestellt.

Auch bieten die Bäume Lebensraum für hunderte Tier- und Pflanzenarten: Moschus- und Weidenbock, Schmetterlinge wie der Weidenbohrer, Weidenlibelle, Abendsegler, Meise, Sperling, Steinkauz, Turmfalk oder Wiesel fühlen sich darin wohl. Bienen finden an den blühenden Weidenkätzchen ihre erste Nahrung im Jahr.

Gepflegte Bäume verleihen der Landschaft einen eigenartigen Reiz. Wie trostlos sieht es hingegen um Molkenberg aus, wo die über Jahre ungepflegten Bäume langsam auseinanderbrechen. - Für die Gäste der Buga im nächsten Jahr sicher kein schöner Anblick.