Gute Tradition der Freunde und Förderer des Prignitz-Museums Havelberg ist es, zu Weihnachten um Spenden zur Restaurierung von Exponaten zu bitten. In dieser Woche kehrte ein gut 200 Jahre alter Lehnstuhl aus dem Dom in die Ausstellung zurück. Außerdem ein raffiniert größenverstellbarer Eichentisch.

Havelberg l Gut 200 Jahre alt ist der Lehnstuhl, den sich der Tagelöhner Joachim Book einst für die Gottesdienste im Havelberger Dom geleistet hatte. Sein Name ist auf der Rückseite des Stuhles gleich mehrfach zu lesen. Und auch ein Zeichen ist eingebrannt, möglicherweise das der Familie. Es war damals üblich, dass die Gläubigen selbst ihre Stühle mitbrachten. Erst 1842 wurden im Dom im Zuge von Restaurierungsarbeiten Kirchenbänke aufgestellt.

Der Lehnstuhl war 1909 im Turm des Doms gefunden worden, als dieser erhöht wurde. Da fand er Einzug in das fünf Jahre zuvor im ehemaligen Kloster am Dom eingerichtete Prignitz-Museum. Er ist einer der Lehnstühle aus kunstvoll gedrechselten Rundstäben mit geflochtenen Sitzen aus Binsen, die zu den ersten Ausstellungsstücken gehörten und damals Eingang in die denkmalpflegerische Fachliteratur fanden.

Der Stuhl war lange Zeit ausgestellt. Doch nagte der Zahn der Zeit und vor allem auch der Wurm am Holz, so dass sich eine Restaurierung erforderlich machte. 2012 rief der Förderverein des Museums zur Spendenaktion für den Stuhl auf. Es kam so viel Geld zusammen, dass zudem ein etwa gleichaltriger Eichentisch, der durch seine raffinierte Technik zur Größenverstellung auffällt, wieder in Ordnung gebracht werden konnte, freut sich Antje Reichel und dankt im Namen des Fördervereins allen Spendern. In dieser Woche brachte Restaurator Jens Zimmermann beide Exponate zurück ins Museum.

Das Holz der Ulme, auch Rüsterholz genannt, war im unteren Bereich stark vom Wurm befallen. Der Fachmann aus der Prignitz vermutet, dass der Stuhl einst im Turm feucht gestanden hat. Das Ende eines Stuhlbeins musste er nacharbeiten. Gefehlt haben zudem eine Sprosse und eine sogenannte Puppe - ein gedrechselter Knauf an der Lehne, der möglicherweise auch noch eine Kuppel als Abschluss besaß. Die Stuhlkonstruktion war über die Jahre insgesamt wackelig geworden. Das Binsengeflecht war dagegen gut erhalten, da war nichts lose oder gebrochen, berichtet Jens Zimmermann.

Promenadenkleid kehrt ins Museum zurück

An dem Klapptisch fehlte nichts, doch war er ebenfalls sehr wackelig und instabil. Der Holzrestaurator zeigt sich begeistert von der genialen Konstruktion und der Verarbeitung des Eichenholzes als große Stücken. Jetzt sind alle Steckverbindungen fest und der aus der Zeit Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts stammende Tisch ist wieder vorzeigbar.

Jens Zimmermann hat schon einige Exponate des Museums restauriert. Biedermeierschrank, eine Kommode und ein Domherrnstuhl gehören dazu.

In der nächsten Woche kehrt ein zweiteiliges Promenadenkleid aus der Zeit um 1900 ins Museum zurück, für das zu Weihnachten 2011 um Spenden gebeten wurde. Seide, Satin, feine Wolle, Tüll und Spitzen machten es zu einem äußerst repräsentativen Kleid. Die Restauratorin bringt eine Kollegin mit, die sich die Fahne anschauen wird, die das Spendenobjekt des vorigen Jahres ist, berichtet Antje Reichel. Die Havelberger Schützengilde erhielt die 1,60 mal 1,60 Meter große Prachtfahne im Jahr 1849. Die vielfach geschädigte und zerschlissene Fahne, die 1958 als Schenkung in das Prignitz-Museum kam, soll mit größtmöglicher Sorgfalt wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht werden.

Zu den mit Spendengeldern restaurierten Exponaten zählen ein 900 Jahre altes Schwert, das 1912 bei Vehlgast ausgebaggert wurde, eine 1725 in Nürnberg gedruckte Kurfürsten-Bibel und ein Epitaph. Zweimal galt die Weihnachtsspendenaktion dem Einbau eines Aufzuges für einen barrierefreien Zugang zu Dom und Museum, der Ende 2010 in Betrieb ging.