Der achteckigen Fachwerkkirche in Garz steht in diesem Jahr eine Radikalkur ins Haus: Zahlreiche tragende Balken sind bereits äußerst marode, das Gebäude neigt sich sichtbar zur Seite.

Garz l "Die Baugenehmigung des Landkreises liegt inzwischen vor", erklärte Ratsmitglied Wilhelm Schröder - er ist zugleich im Gemeindekirchenrat - auf der jüngsten Sitzung des Garzer Ortschaftsrates. Ein Bodengutachten muss noch nachgereicht werden, der Experte war aber schon vor Ort. Eventuell müssen dann auch noch Fundamente verstärkt werden.

Die Sanierung des Gotteshauses ist dringend nötig, denn etliche Holzteile müssen im Kirchengebälk ausgewechselt werden - darunter sogar für die Statik wichtige Tragebalken. Mindestens drei der acht äußeren Eckbalken müssen raus, sie sind im Innern teils komplett hohl, informierte Wilhelm Schröder. Viel Zeit bleibt nicht mehr: Ein eicherner Querbalken auf dem Dachboden war bereits angebrochen, woraufhin eine Notsicherung erfolgen musste.

Um das Gotteshaus sanieren zu können, müssen die Sakristei und der Vorbau abgerissen werden - nur so gelangen die Sanierer ans komplette Fachwerk. Der Vorbau soll im Anschluss wieder aufgebaut werden, die Sakristei allerdings nicht mehr. Da beim Bau Wände geöffnet werden, müssen auch alle Bänke raus. Sie sollen beim Landwirt Jens Köpke eingelagert werden.

Beide Glocken werden mitsamt der sie umgebenden Haube heruntergenommen - fraglich war, ob wegen der Statik die kleinere der beiden im Anschluss wieder aufgehängt werden kann. Der Altar wird vor Baubeginn mit einer Holzhülle verkleidet und die 1871 in Wittstock erbaute und 2007 sanierte Lütkemüller-Orgel für 10000 Euro ausgebaut und eingelagert.

Ausgeschrieben werden Dachdecker-, Zimmerei-, Maurer- und Elektroarbeiten. Die Unterlagen gehen in Kürze raus. Wilhelm Schröder hofft auf einen Baustart im Monat Mai.

Laut Forderung des Denkmalschutzes soll bei der Sanierung möglichst viel vom alten Holzbestand wiederverwendet werden. Allerdings wurden bei der Sanierung in den späten 1980er Jahren allerhand Kiefernbalken verbaut, die inzwischen teils auch schon marode sind. Da damals bereits eine Wand zum Wechseln der Hölzer abgetragen wurde, konnte der Denkmalschutz nun beruhigt werden: es befinden sich keine alten Zeichnungen unter der Farbe auf den Gefachen.

Specht hämmerte Löcher ins Fachwerk

In der 1688 erbauten Kirche - der unbekannte Vorgängerbau war 1682 abgebrannt - hat der Gutachter alle Balken beschriftet. Manche sind sogar von außen morsch und verwittert. Auch draußen am Fachwerk sind schon Balkenteile weggefault und der Specht hat Löcher ins Holz gehämmert. Von weitem ist die kleine achteckige Fachwerkkirche hübsch anzuschauen, doch in der Nähe erkennt man, wie der Zahn der Zeit kräftig genagt hat.

Oben auf dem Gotteshaus thront eine sogenannte Welsche Haube, darin hängen die beiden 1923 in Berlin gegossenen Stahlglocken. - Die Vorgängerglocke hatte der wilhelminische Staat mitsamt den Prospektpfeifen der Orgel im Kriegsjahr 1918 den Garzern für 886 Mark abgekauft. - Auch diese Haube wird von Hölzern getragen, die teils angefault sind. Es gab aber auch eine gute Nachricht: Schwammbefall ist in der Kirche zum Glück nicht nachzuweisen.

Planer Stefan Tietke aus Havelberg war vor kurzem vor Ort, um mit dem Stendaler Prüfstatiker Thomas Heinrich letzte Absprachen zu treffen. Hoch oben neben den Glocken bot sich ihnen ein toller Blick auf Garz, doch ihr Augenmerk war mehr auf die Holzkonstruktion gerichtet.

Der Stendaler gab für die kleine Glocke Entwarnung: sie kann nach der Sanierung wohl doch am Querbalken in der Schallluke hängen bleiben, dank ihres gekröpften Joches. Probleme sieht er allerdings beim Abriss des Vorbaus, denn dieser dient der in seine Richtung geneigten Kirche als Widerlager.

Eigenanteil für Garzer in Höhe von 30000 Euro

Die Finanzierung ist fast komplett, nur noch um die 3000 von ingesamt etwa 266000 Euro fehlen. Der Kreiskirchenkreis will 40000 Euro beisteuern, übers Leaderprogramm sollen 90000 Euro fließen, bei Lotto-Toto wurden 50000 Euro beantragt. Der kleinen Garzer Kirchgemeinde verbleibt damit ein Eigenanteil von immerhin noch 30000 Euro.

Wann die Sanierungsarbeiten beendet sein werden, vermochte Wilhelm Schröder dem Ortschaftsrat derzeit noch nicht zu sagen. Womöglich muss auch das Adventskonzert noch woanders stattfinden, Termine für Taufe und Trauung mussten von ihm bereits abgesagt werden.

"Wir standen vor der Frage: tiefgründig sanieren oder wieder nur flicken?" blickte Wilhelm Schröder zurück. Letztendlich entschieden sich die Garzer Christen für die teurere Variante - damit haben sie aber hoffentlich für die nächsten hundert Jahre vorgesorgt.

 

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