Dass die Bienen vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl des Tages von Blüte zu Blüte fliegen, ist nicht nur wichtig für die Honigproduktion, sondern auch für eine erfolgreiche Ernte. Landwirt Wieland Reich aus Wust weiß die Arbeit von Imker Gerd Beewen sehr zu schätzen.

Wust l Am Waldrand nahe der Wuster Siedlung, einen Steinwurf vom großen Rapsschlag entfernt, stehen 50 Kisten - "Beuten" genannt. Sie sind das "Zuhause" der Bienenvölker von Imker Gerd Beewen aus Hassel. Wust ist der erste Arbeitsort der Bienen in diesem Jahr. "Ein paar Tage noch, dann ziehen wir weiter in den Lindenwald in der Colbitz-Letzlinger Heide", erzählt der Imker. Zwei Wochen eher als üblich hat er die Beuten in diesem Jahr ausgebracht, weil der Raps wegen der Witterung schon so weit gediehen war. "Ich komme inzwischen seit fünf Jahren sehr gern hier nach Wust. Denn Wieland Reich geht sehr gewissenhaft mit dem Pflanzenschutz um. Zwar sind die Präparate, die gegen die Rapsschädlinge ausgebracht werden müssen, als bienenungefährlich deklariert, aber wenn man nicht richtig damit umgeht, geht die ganze Sache schief."

Für den Landwirt ist es selbstverständlich, an den Tagen des Pflanzenschutzausbringens noch eher als sonst aufzustehen und im Morgengrauen die Arbeit zu erledigen - sobald die Bienen fliegen, ist er fertig. "Wir profitieren auch selbst sehr von den Bienen. Die Erträge beim Raps sind sehr gut. Im letzten Jahr hatte wieder eine Rekordernte auf den Feldern gestanden - und ist zu 80 Prozent in der Flut untergegangen. Dieses Jahr sieht es auch wieder sehr gut aus", ist er zuversichtlich. Auch die Bienen sind fleißig geflogen und haben auf den 55 Hektarn Raps ihre Arbeit vollbracht.

Der Imker dagegen rechnet beim Raps-Honig nur mit einer durchschnittlichen "Ernte". Denn es sei gerade in den letzten Tagen zu kalt gewesen. Die Bienen sind nicht so viel ausgeflogen und haben sich vom bereits gesammelten Honig, den sie sich ja eigentlich als Wintervorrat anlegen, ernährt.

Dennoch ist Gerd Beewen nicht unzufrieden. Denn seine Völker haben schon den Winter sehr gut überstanden (pro Volk verfütterte er rund 18 Kilo Honig) und auch am ersten Einsatzort Wust gab es keine Verluste.

Kühe haben sich noch nicht komplett erholt

Familie Reich schmeckt der Honig vom eigenen Rapsfeld, den sie natürlich von "ihrem" Imker bekommen, vorzüglich. Birgit und Wieland Reich sowie Sohn Denis sind Landwirte mit Leib und Seele. Ihre GbR bewirtschaftet 450 Hektar Ackerland und kümmert sich um 650 Rinder. Die Folgen der Flut sind längst nicht verdaut. Alle Kühe waren nach dem Deichbruch evakuiert worden - ein enormer Aufwand. "Komplett erholt haben sich gerade die Milchkühe noch nicht. Wir hatte gesunde, wohlgenährte Kühe weggebracht und teilweise kranke Skelette wiederbekommen - das tat schon weh", berichtet Birgit Reich. Noch immer sind Qualität und Menge der Milch nicht auf dem Niveau wie vor der Flut.

Enormer Aufwand für die Entschädigung

95 Prozent der gefluteten Weideflächen mussten die Reichs neu ansäen, "die Wiesen sind entsprechend der Witterung sehr gut angewachsen und wir haben auch schon einen ertragreichen ersten Schnitt eingebracht", so Wieland Reich.

Was nicht nur enttäuscht, sondern auch verärgert, ist die Ausgleichszahlung. "Wir haben gerade mal knapp über die Hälfte unseres entstandenen Schadens ersetzt bekommen. An die hoch und heilig versprochenen 80 Prozent kommen wir sicher nicht ran." Außerdem sei der Aufwand der Antragstellung enorm, "man muss seitenweise Anträge ausfüllen, unzählige Angebote einholen und immer wieder neue Bescheinigungen einreichen, um überhaupt an Geld zu kommen".

Reichs blicken nach vorn, "uns bleibt ja nichts anderes übrig, wir können uns nur selbst helfen". Sie hoffen auf eine gute Ernte. Die Chancen dafür sind - auch Dank der Bienen - gut.

Bilder