Sieben der 20 Stadtratsmitglieder sind neu in diesem Ehrenamt. Wie sie das Wahlergebnis vom Sonntag bewerten, wollte die Volksstimme unter anderem von den aktuellen Fraktionsvorsitzenden wissen.

Havelberg l "Wir haben Stimmen und damit zwei Plätze im Stadtrat verloren. Wir werden mit den Konsequenzen leben, die Wähler haben so entschieden", sagt der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Herbert Luksch im Gespräch mit der Volksstimme. Die Linke hatte vor fünf Jahren den Wahlsieg davon getragen. Dieses Mal landete sie mit 23 Prozent hinter der SPD und der CDU auf Platz drei. "Wir werden innerhalb der Fraktion darüber sprechen, wie es weitergeht. Mich persönlich freut, dass junge Leute in den Stadtrat einziehen. Das ist immer gut und zeigt das Interesse an der Kommunalpolitik."

Herbert Luksch sieht einige schwere Entscheidungen auf die Stadträte in den nächsten Jahren zukommen. 2016, wenn die Buga vorbei ist, werde es nur noch wenige finanzielle Mittel geben. "Wichtig ist, dass wir die Nachhaltigkeit der Buga-Projekte gewährleisten. Die Pflege der Grünanlagen kann der Bauhof allein nicht leisten. Da sind zündende Ideen gefragt." Dass Jüngere dazu beitragen können, ist er sich sicher. Er denkt dabei an den Kleinen Markt, der im vergangenen Jahr kurzfristig organisiert wurde, als der Pferdemarkt wegen der Hochwasserkatastrophe ausfallen musste.

"Wir sind sehr erfreut und können nur dankbar sein. Das Wahlergebnis ist ein Zeichen dafür, dass alle Stadträte gute Arbeit geleistet haben", schätzt Gerhard Imig, Fraktionsvorsitzender der CDU, ein. Die Partei erhielt am Sonntag 29,2 Prozent der Stimmen. Ein Wermutstropfen war allerdings dabei: "Wir müssen verdauen, dass Hans-Peter Lazar es nicht in den Rat geschafft hat. Damit fehlt uns eine Fachlichkeit. Das stimmt uns traurig, aber wir müssen das akzeptieren."

Fraktion der Mitte könnte fortbestehen

Wie die Ratsarbeit aussehen und ob es wieder eine Koalition mit der SPD geben soll, wird beim Treffen der CDU nächste Woche besprochen. "Wir müssen nichts übers Knie brechen, haben ja noch einen Monat Zeit für Entscheidungen."

Auch Gerhard Imig ist froh über viele neue Gesichter im Stadtrat. "Obwohl ich natürlich meinen Freund Lothar Krater vermissen werde." Der langjährige Stadtrat und Fraktionsvorsitzende der SPD war nicht wieder zur Wahl angetreten. Gestern war er nicht zu erreichen, seine Einschätzung wird nachgereicht.

Uwe Hartmann, der wieder für die FDP in den Stadtrat einzieht, würde sich wünschen, dass es wieder eine Fraktion der Mitte gibt. Diese hatten die Einzelbewerberin Gabriele Kant, Eberhard Westphal von der Wählergemeinschaft Nitzow und er gebildet. Gabriele Kant, die dieses Mal über das neu gegründete Bündnis Stadt-Land für den Stadtrat kandidierte, hat kein Mandat erhalten. Für das Bündnis zieht Sabine Schulze in das Gremium ein. "Wir waren alle sehr überrascht, 7,6 Prozent sind schon eine ordentliche Hausnummer für uns Neueinsteiger", sagt die Warnauerin. Sie kann sich vorstellen, dass die Fraktion der Mitte weiter im Stadtrat bestehen bleibt. "Ich denke, dass wir so wie Gabriele Kant dann die Ortschaften gut vertreten können." Sie hätte es sich gewünscht, dass mindestens zwei Vertreter des Bündnisses einziehen. "Aber die anderen aus der Wählergemeinschaft werden mir sicher zur Seite stehen. Ich freue mich auf die Ratsarbeit, das wird bestimmt interessant." In der Fraktion der Mitte weiterzuarbeiten, kann sich auch Eberhard Westphal vorstellen.

Spätestens zur konstituierenden Sitzung am 2. Juli dürften die Konstellationen bekannt sein. Vor fünf Jahren hatten SPD und CDU überraschend ihre Koalition verkündet und somit der Linkspartei als Wahlsiegerin den Stadtratsvorsitz weggeschnappt.