Wie weit die Beseitigung der Flutschäden in der Elbe-Havel-Region vorangeschritten ist, hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gestern unter anderem zwischen Wulkau und Kamern angesehen. Zudem überreichte er einen Zuwendungsbescheid für den Spielplatz in Kamern.

Kamern l Mit zunächst 88200 Euro beteiligt sich das Land an der Sanierung des Spielplatzes am Kindergarten in Kamern. Dieser war im vergangenen Jahr während der Flut in Mitleidenschaft gezogen worden und ist zum großen Teil immer noch nicht wieder nutzbar. Es ist ein Teilbescheid, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gestern bei der Übergabe an Noch-Bürgermeister Klaus Beck. Dieser hofft, dass der Wiederaufbau des Spielplatzes nun bald beginnen kann und die Kinder noch in diesem Jahr die neuen Spielgeräte ausprobieren können.

Der Ministerpräsident war gestern Nachmittag gemeinsam mit Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) im Anschluss an die auswärtige Kabinettssitzung in Stendal ins Elbe-Havel-Land gereist, um sich ein Bild vom Stand der Beseitigung der Flutschäden zu machen. Bevor er in Kabelitz Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehr besuchte, fuhr er an den Rahnsee zwischen Wulkau und Kamern. Dort war vor einem Jahr der erste Straßenbereich geschlitzt worden, um das von Fischbeck aus heranströmende Deichbruchwasser besser in die Havel lenken zu können. Weitere Schlitzungen folgten zwischen Jederitz und Kuhlhausen und Warnau und Rehberger Eck. Mitarbeiter der Landesbauverwaltung hatten eine Tafel mit Fotos sowie Zahlen und Daten vorbereitet, die an die Schlitzung und die spätere Wiederherstellung der Infrastruktur erinnerten.

Für Radwegebau sind die Anträge gestellt

Noch nicht wiederhergestellt ist im Bereich des Rahnsees der gemeindeeigene Radweg zwischen Wulkau und Kamern. Im Zuge des Lückenschlusses der Straße wurde der Erdkörper wieder hergestellt. Für den Radwegebau liegen die Anträge im Landesverwaltungsamt vor, berichtete Bauamtsleiter Ulf Wabbel.

Klaus Beck wies auf die alten Wasserleitungstrassen hin, die noch aus der Zeit des KKW-Baus bei Arneburg stammen. Sie hatten bei der Flut zum Teil dazu geführt, dass sich Wasser anstaute. Hier müsste eine Lösung gefunden werden. Der Ministerpräsident hat das Problem notiert.

Das Land arbeitet mit Hochdruck an der Beseitigung der Folgen der Flut vom Juni 2013. Knapp fünf Millionen Euro aus dem Aufbauhilfefonds für den Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur sind für die Beseitigung der im Landkreis Stendal eingetretenen Flutschäden bereitgestellt worden, hieß es gestern. Derzeit wird die Laufgrabenbrücke in Klietz im Zuge der B 107 neu gebaut, was rund 1,6 Millionen Euro kostet. Auch die Fähranleger Räbel und Sandau werden saniert.

Seit dem Hochwasser im August 2002 wurden rund 98 Millionen Euro in Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Landkreis Stendal investiert. Das Hochwasser im Juni 2013 führte im Landkreis zu Schäden an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Gewässern des Landes in Höhe von 80 Millionen Euro. Zurzeit laufen verschiedene Hochwasserschutzmaßnahmen. Dazu zählen Maßnahmen zum Schutz der Stadt Havelberg unter anderem auf der Stadtinsel, die Deichsanierung Fischbeck und die Deichrückverlegung Jederitz.

Ortsdurchfahrt Kuhlhausen im September fertig

Thema der Kabinettssitzung gestern waren auch Straßenbaumaßnahmen in Vorbereitung auf die Buga 2015. Bereits im März konnte die grundhaft ausgebaute Ortsdurchfahrt Schönfeld im Zuge der B 107 wieder für den Verkehr freigegeben werden. Durch die rund 540000 Euro teure Sanierung haben sich die Bedingungen für Verkehrsteilnehmer und Anwohner gleichermaßen verbessert. Gleiches gilt für die Ortsdurchfahrten Warnau und Garz im Zuge der Landesstraße 2, die für 900000 beziehungsweise 300000 Euro umfangreich saniert wurden.

Im September soll auch die Ortsdurchfahrt Kuhlhausen (rund 750000 Euro) fertig sein und Ende des Jahres der mehr als zwei Kilometer lange Radweg Weißer Berg-Schollene für 300000 Euro.

Ein weiteres Thema waren gestern die beiden touristischen Großereignisse, die im nächsten Jahr die Aufmerksamkeit auf den Landkreis Stendal ziehen werden: der 200. Geburtstag Otto von Bismarcks und die Bundesgartenschau 2015 Havelregion. Unter dem Leitgedanken "Erinnern, Reflektieren und Bedenken" soll dem wohl wichtigsten deutschen Politiker und Staatsmann des 19. Jahrhunderts gedacht werden.

Für die Tourismusförderung im Landkreis Stendal wurden im Zeitraum von 2000 bis Ende 2013 der gewerblichen Wirtschaft für 22 Vorhaben 6,8 Millionen Euro Zuschüsse vom Land bewilligt. In die touristische Infrastruktur flossen für 30 Vorhaben weitere 14,2 Millionen Euro.

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