Am südlichen Seitenschiff des Havelberger Doms haben die Vorbereitungsarbeiten zu umfangreichen Dacharbeiten begonnen. Dazu sicherten die Bauleute der Havelberger Firma zunächst die wertvollen Buntglasfenster mit Szenen aus dem Leben Jesu aus dem 15. Jahrhundert und stellten dann ein großes Gerüst auf.

Havelberg. Zum Wochenbeginn wurde der erste Teil von etwa 25 Kubikmeter Holz in den Klosterhof gehoben, der zur Erneuerung und für Reparaturarbeiten des Dachstuhles benötigt wird. Mithilfe eines 60-Tonnen-Kranes gelangte das Bauholz, das zur Hälfte aus Eichenholz besteht, auf die vorbereitete Rüstung. Es wurden sechs Rüstungen aneinander zu einem Podest gestellt, um eine große Arbeitsfläche zu erhalten.

Über Funk waren Ronald Lukas, Sebastian Fricke und Karsten Pattschull mit dem Kranführer verbunden, der seine Arbeit vom Ostflügel des Domes aus verrichtete. "Wir müssen das Holz in mehreren Hüben in den Klosterhof heben lassen, denn die Rüstung ist nur bis zu einem bestimmten Gewicht belastbar. Das Aufstellen eines Baukrans im Klosterhof wäre aus Kosten- und anderen Gründen unrentabel", so der Geschäftsführer der HTI Sven Hetke. Zum Dachwerk des südlichen Seitenschiffs hat im Vorfeld Dr. Tilo Schöfbeck, Bauforscher und Archäologe aus Schwerin, ein dendrochronologisches, bauhistorisches und gefügekundliches Gutachten erstellt. "Die Untersuchungen haben unter anderem ergeben, dass 1386 beim spätgotischen Umbau der südliche Bereich des Seitenschiffs ein komplett neues Dach erhielt. Der Ostteil des Dachaufbaues war schon wieder anders und es entstand erst etwa 70 Jahre später ein einheitliches Pultdach. Ich habe bei meinen Untersuchungen aber auch im Mittelschiff Hölzer aus der Zeit von 1311 datieren können", so Dr. Tilo Schöfbeck im Gespräch mit der Volksstimme.

Nicht vom Zustand, aber von der Art des mittelalterlichen Pultdaches war der Historiker beeindruckt, denn es gibt in Norddeutschland nur noch wenige davon. Und die sollten natürlich erhalten bleiben. "Das Dach des südlichen Seitenschiffs des Havelberger Doms ist etwas Besonderes", betonte der Gutachter.

Der Erhalt der wertvollen historischen Hölzer im Dachstuhl ist auch für die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt mit Sitz im Schloss Leitzkau, zu der der Dom gehört, eine Herzenssache. Alljährlich werden am Wahrzeichen der Hansestadt Arbeiten ausgeführt. "Für die Dach-, Holz- und Maurerarbeiten in diesem Bereich des südlichen Seitenschiffs kommen etwa 120 000 Euro an Kosten auf uns zu. Im nächsten Jahr werden wir aber trotzdem die zweite Hälfte des Seitenschiffes in Angriff nehmen", so der Leiter der Bauabteilung der Domstiftung Ralf Lindemann.

Noch laufen die Vorbereitungen auf der Baustelle. Zum offiziellen Baubeginn wird es dann aber buchstäblich schwer für die Männer vom Bau, denn alle Hölzer müssen per Hand verlegt und verarbeitet werden.