Schönhausen (asr) l "Es riecht leider nicht mehr nach Holz und geölter Treppe!" Denn in den 40 Jahren, die seit dem Verlassen der Schönhauser Schule vergangen sind, hat sich in dem Gebäude einiges verändert. Das sahen sich die beiden Klassen des Abschlussjahrganges 1974 beim Treff am Sonnabend an.

Ulf Wabbel hatte das jetzt als Bürgerzentrum dienende ehemalige Schulhaus aufgeschlossen und ermöglichte einen Blick in einige Zimmer, die nun Büros sind. An die schöne Stuckdecke im heutigen Trauzimmer konnten sich alle noch gut erinnern. Schnell fühlten sich die heute 56-Jährigen, die in Schönhausen und in der Nähe, aber auch in Berlin, Hamburg, Bremerhaven oder Leipzig zu Hause sind, in ihre Kindheit und Jugend zurückversetzt.

Die Fischbecker und Kabelitzer waren stark vertreten. Eckhard Vorwerk, der jetzt in Jerichow lebt, erzählt, dass die Clique so manches Mal, wenn der Bus nicht gefahren ist, zu Fuß nach Hause gelaufen ist, "auch im Winter. Knietief sind wir durch den Wald gestapft. Wir haben immer zusammengehalten. Oft sind wir auch mit dem Fahrrad zur Schule gefahren".

Ob es denn etwas Besonderes gab? "Wir hatten sogar ein Liebespaar seit der 5. Klasse. Sie sind heute noch zusammen." Es sind Carmen (geborene Quiram) und Christian Henke. Auch sie waren beim Treff mit dabei. "Wir sind jetzt 38 Jahre verheiratet", erzählt der Kranfahrer. Gern denkt er zurück an die schöne Schulzeit. Seit der 5. Klasse hat er neben seiner Carmen aus Fischbeck auf der Schulbank gesessen und sich gleich in sie verliebt. Alte Freunde wiederzusehen, sei sehr schön. Und sofort sei auch die alte Vertrautheit wieder da.

Klassenlehrerin in der "A" war Edith Leipold, in der "B" Friedegard Bos. Bärbel Sprenger, die beide Klassen in Mathe unterrichtete, war beim Treff dabei und freute sich, die ehemaligen Schützlinge wiederzusehen. Auch sie konnte noch so manches schöne Erlebnis beisteuern.

"Ich hab geheult, als ich die Bilder von der Flut sah"

Zu ihnen gehört auch Manfred Eggers, der sich keines der sechs Treffen entgehen lassen hat. Denn der Hamburger ist gern in der alten Heimat. 1963 war er von Jerichow nach Schönhausen gezogen, ging hier zur Schule, lernte bei Thermoplast und arbeitete auch hier, bis es ihn Anfang der 90er Jahre nach Hamburg verschlug. Wegen familiärer Kontakte ist er hin und wieder mal in der Region. Dann schaut er auch in seinem alten Betrieb vorbei. Nur letztes Jahr, als er wieder mal auf seiner Harley durch Schönhausen fuhr, konnte er nicht anhalten. "Ich hab den Anblick nach der Flut kaum ertragen!" Überhaupt haben ihn die Bilder im Juli 2013 sehr bewegt. "Ich hab geheult, als ich gesehen habe, dass hier alles unter Wasser stand. Wir hatten zuletzt in der Breitscheidstraße gewohnt - da war auch Land unter. Wirklich schlimm. Umso schöner ist es zu sehen, dass nun wieder aufgebaut wird."

Bernd Freudenhagen ist regelmäßig in Schönhausen zu Besuch, lebt hier doch sein Vater. 1984 hatte er einen Ausreiseantrag gestellt, der schnell genehmigt wurde - seitdem lebt er in Berlin. "Ich bin gern hier zur Schule gegangen. Der Kontakt zu den Lehrern war sehr gut, ich habe mich geborgen gefühlt." Er schwärmt vom leckeren Essen in der Schulküche, "der Milchreis mit Zimt und Zucker war einfach köstlich!". Er freut sich, dass Schönhausen so ein schönes Dorf geworden ist.

"Das Mittagessen in der Schulküche war so lecker!"

Zu dem 1974er Jahrgang gehört auch Ingrid Thon, geborene Päge. Sie ist die Mutter von Sängerin Annett Louisan. Auf das Wiedersehen mit den alten Schulfreunden hat sie sich sehr gefreut. Auch ihre Tochter hat hier an der Hans-Beimler-Oberschule gelernt. Derzeit ist sie auf großer Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ob sie denn den Wunsch der Schönhauser, zum Altmärkischen Heimatfest im nächsten Sommer hier zu singen, erfüllen kann, weiß die Hamburgerin zwar nicht, "aber das wäre sicher schön". 1992 war sie nach Hamburg gezogen.

Vorbereitet hatte das Treffen, das nach 1986 nun wieder mit beiden Klassen stattfand, Birgitte Pick. In der Gaststätte "Zur alten Linde" ließ man den Abend ausklingen. Gut angekommen ist auch eine Kremserfahrt, bei der es noch einmal an den Orten der Kindheit vorbei ging.

Am Sonnabend gab es noch ein zweites Klassentreffen von ehemaligen Schönhausern in Hohengöhren. Sie hatten vor 42 Jahren die Schule verlassen. Dazu morgen mehr.