Am 18. November erfolgte der Start für die von den Sandauern schon länger geforderte Deichrückverlegung im Nordbereich. Derzeit werden hier Bäume gefällt.

Sandau l Was lange währt, wird nun endlich gut: Bereits seit der Flut im Jahre 2002 drängen die Sandauer auf die Deichrückverlegung im Norden der Stadt. Jetzt endlich macht der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Nägel mit Köpfen: In der künftigen Deichtrasse werden hunderte Bäume gerodet. Das erfolgt auf einer Länge von etwa zwei Kilometern, insgesamt sind neun Hektar Stadtwald davon betroffen.

Wie in Fischbeck ist auch hier ein Munitionsbergungsdienst im Gange - zu Kriegsende hatte sich in dem Wald die SS verschanzt gehabt, das nahe Elbufer war voller Kriegsgerät, welches die Wehrmacht auf ihrer wilden Flucht zurückgelassen hatte. Abschnitt für Abschnitt wird nach Munition abgesucht.

Ärchäologen suchen Trasse vorher und nachher ab

Den Kampfmittelexperten folgen die Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie auf dem Fuße, denn in dem in Frage kommenden Baugebiet sind entsprechende Fundstellen bekannt. Deren Einsatz erfolgt vor und auch nach den Rodungen, war im Vorfeld informiert worden.Auch für die Archäologen sind Erdarbeiten notwendig, die Oberfläche wird dabei abgetragen.

Ein Großteil der etwa 2,8 Kilometer langen neuen Deich-trasse wird durch den Sandauer Stadtwald führen, er ist im Besitz der Kommune. Die Trasse wird vom LHW erworben. Die Ausschreibung für die Baumfällarbeiten gewann die Firma Lothar Wustrau und Sohn aus dem brandenburgischen Vieritz, einem Ortsteil im Milower Land. Die Fällarbeiten werden durch eine ökologische Bauüberwachung betreut.

Bauplaner aus Neuruppin richtet zeitweilig Büro ein

Die Planungsgesellschaft für Wasserbau und Wasserwirtschaft aus Neuruppin ist für das komplette Vorhaben zuständig, ihr zeitweiliges Büro im hinteren Rathausgebäude - über der Arztpraxis - ist bereits eingerichtet und wird während der Bauphase regelmäßig besetzt. Hier findet Anfang Dezember auch der nächste Baurapport statt.

Am 1. Mai kommenden Jahres soll der Deichneubau im Norden der Elbestadt starten, bis Jahresende 2016 sollen die Arbeiten an dem Hochwasserschutzwall laut Bauplanung beendet sein. Zwei Jahre soll sich der neue Deich danach setzen, dann wird der Altdeich geschlitzt - was vom 1. August bis 30. November 2018 erfolgen soll.

Mit der Deichrückverlegung Sandau Nord werden der Elbe etwa 60 Hektar Überschwemmungsfläche zurückgegeben - und die Deiche in dem Gebiet etwas entlastet. Der neue Deich wird nach der gültigen Norm errichtet - er schützt vor allem Havelberg vor einer Überflutung.

Eine weitere Rückverlegung ist auch im Südbereich geplant, dazu läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren. In dem Bereich gab es im Vorjahr gleich zwei gefährliche Böschungsabrutschungen.