Im Zuge der alljährlichen Deichschau informierte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) vor kurzem in Schönhausen zu seinen Planungen sowie zum Stand bei den Baumaßnahmen.

Schönhausen l Eingangs informierte LHW-Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner aus Genthin, dass grundsätzlich zuerst die größten Schwachstellen an den Schutzwällen beseitigt werden, erst danach werden die Stellen dazwischen saniert.

Gebaut wird vorrangig in der Trasse, ansonsten ist ein Planfeststellungsverfahren nötig. Seit der Flut 2013 wird grundsätzlich eine befestigte Berme mit angebaut, auf dieser gelangt man auch bei Flut an jede Stelle des Deiches. An die Abrutschungen bei Hohengöhren war 2013 zum Beispiel niemand mehr herangekommen. Wegen dieser landseitigen Berme ist allerdings mehr Fläche für den Deich vonnöten - zudem wird das Bauwerk teurer. Eine weitere Lehre aus der jüngsten Flut ist ein neues Bemessungshochwasser - die Deiche werden noch höher.

Irritationen hatte es deswegen mit der geplanten Deichrückverlegung bei Wulkau gegeben: Weil der Deich nun breiter und auch höher errichtet wird, ist ein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Darum müssen auch alle Einwendungen neu eingereicht werden. "Das Landesverwaltungsamt hatte das Anschreiben etwas unglücklich formuliert", erklärte Reinhard Kürschner hierzu. Es hatte knapp 100 Einwendungen und Hinweise gegeben.

Der für das Projekt "Schönhausen IV" verantwortliche LHW-Mitarbeiter Tobias Koch aus Klietz sagte, dass die Sanierung des Deiches unterhalb der Straßenbrücke nach Tangermünde eigentlich für dieses Jahr vorgesehen war, aber wegen der europaweiten Ausschreibung in Verzug geraten sei. In Kürze könnte die Planung endlich beginnen, in einem Jahr wäre dann Baustart, Bauende wäre Februar 2018. Knapp sechs Millionen Euro beträgt der Wertumfang, natürlich wird auch hier eine Berme angebaut. Ein Problem könnten die nahe am Deich liegenden Gewässer werden - vielleicht könnte man diese aber auf der jetzigen Sommerdeichtrasse umgehen.

Bereits im Mai soll die Sanierung bei Hohengöhren beginnen, die 1,3 Kilometer kosten etwa 2,4 Millionen Euro. Dabei wird auch eine "Nase" beseitigt, hier herrschen bei Hochwasser ungünstige Strömungsverhältnisse - was vor allem bei Eisgang problematisch werden könnte. Die Eigentümer hatten einem Flächentausch zugestimmt - so wird kein langwieriges Planfeststellungsverfahren nötig.

Flutungspolder in Prüfung

Werner Grabolle von der Bürgerinitiative erkundigte sich nach den immer wieder ins Gespräch gebrachten "Sollbruchstellen" an den Deichen. "An den Elbdeichen gibt es weder Überlauf- noch Sollbruchstellen!" erklärte Reinhard Kürschner kategorisch. Solche Sollbruchstellen befinden sich lediglich an den Polderdeichen der Havel, dort wird dann im Extremfall der Deich zur Polderflutung geschlitzt. Bürgermeister Alfons Dobkowicz ergänzte, dass für Sollbruchstellen an der Elbe ohnehin niemand die politische Verantwortung übernehmen würde.

Eine solche Sollbruchstelle beziehungsweise ein Einlassbauwerk wären auch in einem Flutungspolder Klietz möglich, dieser Vorschlag der Bürgerinitiative wird derzeit auf seine Machbarkeit geprüft. Bis das Vorhaben - wenn überhaupt - umgesetzt werden kann, dürfte aber noch allerhand Zeit ins Land gehen.