Wulkau. Das neue, am Freitag eingeweihte Verwaltungshaus fügt sich harmonisch in das Gebäude-Ensemble des Suchthilfezentrums "Haus Wulkau" am Ortsrand der kleinen Gemeinde ein. Die 330 Quadratmeter auf zwei Etagen bieten nicht nur Platz für die Büros, sondern auch für Physiotherapie, Fußpflege und Begegnungsstätte.

Für den Leiter des "Hauses Wulkau", Bernd Schaefer, stellt die Einweihung des rund eine halbe Million Euro teuren Objektes einen weiteren Meilenstein dar. Im Januar 1993 hatte er das Wohnheim für Suchtkranke in Trägerschaft der Therapiegemeinschaft Westhavelland eröffnet. Das alte Kinderferienlager beherbergte anfangs 15 Menschen, die nach jahrelangem Missbrauch von Alkohol und Medikamenten nicht mehr allein leben können. "Zwischen damals und heute liegen Welten. Alle Zimmer mussten mit Kohleöfen beheizt werden, die Sanitäranlagen waren veraltet - einfach unzumutbar. Das änderte sich mit der Modernisierung Mitte der 90-er Jahre." Schon damals, als die Gedanken der Enthospitalisierung von Nervenheilanstalten und die Unterbringung der Patienten mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern in kleine, integrative Bereiche in Deutschland gerade erst aufkam, schwebte dem Sozialpädagogen Bernd Schaefer vor, den Suchtkranken in Wulkau eine Perspektive zu geben. So kamen im Laufe der Jahre zusätzlich zum 30-Plätze-Wohnheim die Außenwohngruppen in Wulkau und Warnau dazu. Inzwischen sind es 40 Männer und Frauen, die in unterschiedlich großen Wohnungen allein oder mit einem Partner leben und betreut werden. "Außerdem haben wir sieben Suchtkranke, die in Wulkau, Kamern und Havelberg ihre eigenen vier Wände haben und durch das ambulant betreute Wohnen ein recht eigenständiges Leben führen können."

Und dann gibt es noch einen dritten Bereich: Seit 2007 bietet ein neu gebautes Haus Platz für 32 Menschen, die durch die Sucht körperlich und auch geistig so sehr gezeichnet sind, dass sie rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen sind. Auch Demenzkranke aus der Region sind hier untergebracht.

Auch dieser Pflegebereich profitiert vom neuen Verwaltungsgebäude. Denn durch den Auszug der bis dato im Flachbau untergebrachten Physiotherapie ist nun mehr Platz für die Bewohner und die verschiedenen Therapien.

Die Verwaltung hatte sich in einer großen Wohnung im Neubaublock befunden. Diese wird nun umgebaut zu einer Wohngruppe, in der fünf Bewohner quasi wie in einer WG zusammenleben.

Dass es jetzt eine Begegnungsstätte gibt, freut Bernd Schaefer und sein Team aus insgesamt rund 50 Mitarbeitern in Verwaltung, Betreuung und Pflege ganz besonders. "Der große Raum hier im neuen Haus dient der sozialen und kulturellen Betreuung unserer Bewohner. Und die Begegnungsstätte soll auch Schnittstelle zwischen uns und der Gemeinde sein. Die Senioren beispielsweise sind hier herzlich willkommen. Und wenn wir kulturelle Veranstaltungen haben, stehen die nicht nur unseren Bewohnern offen, sondern gern auch anderen, die sich für Buchlesungen, Fachvorträge oder auch Musikalisches interessieren." Diese Begegnung zwischen Bewohnern und Wulkauern gibt es schon lange, nur muss man dafür jetzt nicht mehr den Speisesaal oder andere Räume nutzen. Auch Physiotherapie und Fußpflege werden von Bürgern aus Wulkau und Umgebung genutzt. "Diese Begegnung und die damit verbundene Integration ist für unsere Bewohner wichtig. Sie sind nicht irgendwo weggesperrt, sondern gehören zur Gesellschaft dazu", ist Bernd Schaefer zufrieden. Und er hat schon neue Ideen, wie man das "Haus Wulkau" weiter zu einem lebenswerten Zuhause für Suchtkranke ausgestalten kann.

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