Von den einstigen Domherrengärten in Havelberg ist nicht mehr viel erhalten. Sie im Gebiet der sogenannten Domfreiheit zu einem Teil wieder herzustellen, ist neben der Sanierung der Domkurie D8 das Ziel des Vereins "denkMal und Leben". Er will zudem die alte Sero-Scheune sichern, um die geschlossene Einheit des Areals zu erhalten.

Havelberg. 1797 hat der Kartograph von Thal das Havelberger Domgebiet gezeichnet. Dieser handgezeichnete und kolorierte Plan ist die älteste bekannte Karte von diesem historischen Bereich und gehört zu den Schätzen des Havelberger Prignitz-Museums. Der Plan zeigt auf, wie sich das Domgebiet vor gut 200 Jahren darstellte. Museologin Antje Reichel stellte anhand des Planes am Dienstag in der Veranstaltung des Vereins "denkMal und Leben" die geschlossene Einheit des Areals vor. Sehr detailgetreu sind außer dem Dom unter anderem Dekanei und Propstei mit Gärten, Kurien der evangelischen Domherren, Wohngebäude der Bediensteten, Handwerkerbuden, Krugtor, Wirtschaftshöfe und Stallungen zu sehen, die zur bis 1876 selbstständigen Domgemeinde gehörten.

Ziel des Vereins ist es, das geschlossene Ensemble im Bereich der Kurie D8 zu erhalten, das Gelände als Domherrengarten herzustellen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Idee besteht schon länger, Vorschläge wurden auch mit Blick auf die Bundesgartenschau gemacht. In diesen Plänen ist das Gebiet zwar nicht enthalten, dennoch dürften sich so manche Buga-Besucher dort zum Wandeln gern aufhalten.

Die ehemalige Sero-Scheune soll gesichert werden und etwa bei schlechtem Wetter ein Dach über dem Kopf bei Veranstaltungen bieten, berichtete Vereinsvorsitzende Ute Schröter. Von diesem Eingangsportal aus könnten Besucher dann durch die Domherrengärten spazieren, die nach historischen Vorlagen und mit dem alten Pavillon als Nutz- und Ziergärten angelegt werden sollen.

Die Idee, Domherrengärten wieder herzustellen, werde vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt, berichtete Architekt Jan-Ludwig Bauditz, der die D-8-Sanierung begleitet, den Teilnehmern der Informationsveranstaltung, zu der am Dienstag Stadträte, Anwohner und Verwaltungsmitarbeiter eingeladen waren. Der Verein wollte auf diese Weise seine Pläne vorstellen und Befürworter für dieses Vorhaben finden.

Knackpunkt ist, dass die Stadt das Gelände mit Sero-Scheune und Konsumbaracke gekauft hat, um die Gebäude abzureißen und Flächen zur Erschließung der hinteren Grundstücke der Domherrenstraße zur Verfügung zu haben. Auf der Bauausschusssitzung im Oktober vergangenen Jahres stand die Gestaltung der städtischen Flächen auf der Tagesordnung. Vereinsmitglieder waren damals nicht gehört worden. Der bereits vor einem Jahr eingereichte Plan für die Domherrengärten lag jedoch vor. Etliche Bauausschussmitglieder plädierten ebenso wie Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski für den Abriss der Sero-Scheune - der der alten Konsumbaracke ist für niemanden eine Frage. Zuwegung und Parkplätze standen zur Diskussion. Vorschläge waren, sich mit dem Verein zusammenzusetzen, um vielleicht beide Vorstellungen umsetzen zu können. Man wollte sich alle Optionen offen halten.

Der Verein hatte inzwischen einen Kaufantrag an die Stadt gestellt, um die Scheune zu sichern. Für die Vereinsmitglieder geht es dabei um das gesamte Ensemble im Dombereich. Zwar ist die Scheune selbst kein Denkmal, doch befindet sie sich in einem denkmalgeschützten Ensemble, plädieren Befürworter für den Erhalt. Laut Jan-Ludwig Bauditz wäre keine "übergroße Investition nötig", um das rote Backsteingebäude zu sichern.

Es sei seiner Ansicht nach nicht sicher, dass dem Abbruch stattgegeben werde, erst recht nicht, wenn es eine Alternative gibt. Dann habe der Erhalt immer Vorrang, so der Architekt aus Berlin, der in der Altmark schon einige Denkmalsanierungen begleitet hat.

"Es zeigt sich doch, wir wollen alle das gleiche."

Stadtratsmitglied Volker Kanzler wollte wissen, wie der Verein das alles finanzieren will. "Ich glaube, der Verein übernimmt sich langsam. Schon für die Sanierung der Kurie fließen Fördergelder von über einer Million Euro", erinnerte er und fragte auch, wie viele Leute dem Verein angehören. "Wir sind 23 Mitglieder", antwortete Ute Schröter und berichtete, dass Mitglieder die Scheune kaufen wollen.

"Wir können es auch erhalten", ergänzte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Norbert Kühnel. Betriebskosten etwa für Heizung und Wasser seien dafür nicht notwendig. Er sagte, dass die Sicherung der Scheune in keinem Verhältnis zum Aufwand für die D8 stehe.

Volker Kanzler sprach zudem von der Konsolidierung, in der sich die Stadt befinde. Ein Verkauf der Fläche unter dem Verkehrswert sei deshalb nicht denkbar. Wolfgang Kühnel entgegnete, dass die Stadt die Abrisskosten und auch die Gelder für die Gestaltung und Pflege des Areals sparen würde. "Und es hat auch nie jemand gesagt, dass wir das Grundstück geschenkt haben wollen." Jan-Ludwig Bauditz gab zu bedenken, dass die Stadt froh sein könne, wenn sie das Gelände los sei, und er hob das bürgerschaftliche Engagement des Vereins hervor, wonach sich andere Städte sehnen würden.

Stadtrat Udo Mintus sagte, er würde vor einer Entscheidung wissen wollen, wie der Verein den Erhalt der Scheune finanzieren will, nicht, dass mit dem Gebäude das gleiche passiere, wie mit einigen in der Langen Straße. Stadträtin Anke Dorsch regte an, dass die Pläne des Vereins im Bauausschuss öffentlich vorgestellt werden. Das, was an der D8 passiere, finde sie "eine ganz tolle Sache".

In der zum Teil recht emotional geführten Diskussion wollten Teilnehmer wissen, welche Pläne die Stadt für das Gelände hat. Konkret sei noch nichts, sagte Petra Jonschkowski. Wichtig sei der Stadt, dass der städtebauliche Missstand in dem Bereich ein Ende hat, deshalb habe die Stadt die Flächen gekauft.

Die Havelbergerin Monika Hanitzsch brachte mit ihren Worten das Fazit des Abends zum Ausdruck: "Es zeigt sich doch, wir wollen alle das gleiche. Wir müssen akzeptieren, dass Bedenken geäußert werden, die müssen ausgeräumt werden."