Havelberg (as). Der Havelberger Sebastian Maslow, der die Erdbebenkatastrophe im japanischen Sendai erlebt hat, saß gestern Abend (Ortszeit) im Bus nach Tokio. In der Nacht zuvor hatte er die Nachricht von der deutschen Botschaft erhalten, dass er mit seiner japanischen Studienkollegin mit dem Bus in die Hauptstadt fahren kann, um dann mit dem Flieger möglichst wie geplant am Mittwoch nach Europa zu gelangen, wo eine lange vorbereitete Forschungsarbeit auf die beiden wartet. "Das THW hat drei Busse hochgeschickt, die uns nach Tokio bringen", berichtete Sebastian gestern im Telefonat mit der Volksstimme. Da war er gerade eine Stunde unterwegs. Fünf weitere würden es noch werden, schätzte er. Im Bus saßen nicht nur Deutsche, die sich bei der Botschaft wegen der Hilfe bei der Heimreise gemeldet hatten, sondern auch andere Ausländer, darunter auch Kinder.

"Die Straße Richtung Tokio ist komplett leer, aber auf der Gegenspur sind viele Lkw zu sehen. Alles ist voller roter Lichter. Uns kommen Versorgungsfahrzeuge, Feuerwehr, Militär entgegen - sie sind auf dem Weg ins Krisengebiet." Die Fahrt führte vorbei am Atomkraftwerk Fukushima. "Mittlerweile ist auch die letzte Reaktoranlage explodiert. Aber die Kraftwerke sind nicht das Top-Thema hier", sagt der 28-Jährige. Mit einem Supergau werde nicht gerechnet.

Die Opferzahlen nach dem Erdbeben steigen weiter. Immer stärker wird das Ausmaß bekannt. "Es zeigt sich jetzt auch, dass ein Großteil der Wohnungen unbewohnbar ist. Die Zahl derer, die in Notunterkünften eine Bleibe finden müssen, wird noch steigen", berichtete Sebastian von vielen Schäden an Gebäuden. Die Versorgung mit Lebensmitteln wird immer knapper.

"Ich denke, dass wir Mittwoch fliegen können", sagte er. Welchen Einfluss die Stromausfälle in Tokio und die für heute angekündigten Schneefälle haben werden, müsse man sehen. Die Nacht zum Mittwoch werden Sebastian und seine Begleiterin wohl auch im Terminal verbringen. "Wenn ich mein Forschungsprojekt nicht hätte, wäre ich in Japan geblieben. Dann gäbe es keinen Grund für mich, das Land zu verlassen."