Mit welchen Plänen die Gemeinden im Elbe-Havel-Land in das neue Jahr starten, welche Probleme sie haben und worauf sie gern zurückblicken, möchte die Havelberger Volksstimme von den Bürgermeistern wissen. Redakteurin Anke Schleusner-Reinfeldt sprach mit Bodo Ladwig aus Wust-Fischbeck

Volksstimme: Ein Jahr als große Gemeinde Wust-Fischbeck ist um. Welches Resümee ziehen Sie?

Bodo Ladwig: Wir haben uns im Rat gut zusammengefunden. Bei den über 50 Beschlüssen, die wir 2010 gefasst haben, gab es meist Einvernehmen.

Volksstimme: Ihre Befürchtung war, dass man sich in so einem großen Gebilde mit vielen Ortsteilen nicht zu 100 Prozent um alle kümmern kann. Ist das so eingetroffen?

Bodo Ladwig: Auf jeden Fall. Es gibt acht Ortsteile, die weitesten sind 40 Kilometer voneinander entfernt. Selbst bei größter Anstrengung ist es gar nicht zu schaffen, überall zu sein. Allein die runden Geburtstage der Senioren nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Ich kann auch nicht an jeder der fünf Feuerwehr-Versammlungen teilnehmen, außerdem gibt es 15 Vereine, bei denen ich auch mal Termine ausschlagen muss. Ich hoffe, man hat Verständnis dafür.

Volksstimme: Was hat im vergangenen Jahr nicht so geklappt, wie Sie es sich gewünscht hätten?

Bodo Ladwig: Mit den Finanzzuweisungen vom Land kann man ganz und gar nicht zufrieden sein! Wir müssen ja mehr Umlage an Kreis und Verbandsgemeinde zahlen als wir an Zuweisungen bekommen. Die Nutzungsvereinbarung, die wir mit der Verbandsgemeinde für die Schule, den Kindergarten und die Feuerwehren abgeschlossen haben, befriedigt mich auch nicht. Wir haben nun gar kein Mitspracherecht mehr, was mit dem Geld passiert. Wir finanzieren jetzt erst einmal die Grundschule in Sandau, dann die Schule und den Kindergarten in Schollene, laut Prioritätenliste sind unsere Einrichtungen erst einmal nicht dran. Im Großen und Ganzen sind sie zwar in Ordnung, aber es gibt noch Dinge beispielsweise auch in der Grundschule, die auch nicht auf die lange Bank geschoben werden können. Für mich zeigt sich immer wieder, dass wir auch eine Einheitsgemeinde hätten bilden können. Allerdings weiß ich auch, dass wir als kleine Gemeinde mit so wenig Unterstützung vom Land uns gar keine großen Bauprojekte mehr leisten könnten.

Volksstimme: Positiv war sicher die Fertigstellung der Bauarbeiten in der Grundschule...

Bodo Ladwig: Ja, das ist auch sehr schön geworden.

Volksstimme: Wie sind denn die Zukunftsaussichten für die Schule? 2010 sind in Wust-Fischbeck immerhin zwölf Kinder geboren worden, 2009 waren es sechs.

Bodo Ladwig: Wir als Gemeinderat werden alles Mögliche tun, um die Schule zu erhalten, auch mit wenigen Schülern. Deshalb haben wir auch so viel Geld investiert. Die Unesco-Schule ist beispielhaft mit den Aktionen, die sie macht.

Volksstimme: Die Haushaltssituation der Kommunen im Elbe-Havel-Land ist äußerst angespannt. Sandau, Kamern und Klietz haben keinen ausgeglichenen Haushalt mehr, Schollene hat seine Rücklage komplett aufgebraucht. Wie sieht es in Wust-Fischbeck aus?

Bodo Ladwig: Auch nicht rosig! Der Haushalt wird gerade erstellt. Der Hauptausschuss hat sich schon mit den Zahlen auseinandergesetzt, nächste Woche wird der Gemeinderat den Plan beschließen. Wir wollen ja die Alte Straße in Wust ausbauen. Es gibt zwar Fördermittel, aber wir müssen als Gemeinde auch unseren Beitrag leisten. Deshalb werden wir wohl die Bauarbeiten am Bürgerhaus in Fischbeck aussetzen. Aber die wichtigsten Dinge werden jetzt abgeschlossen - die Hülle ist saniert und der Jugendklub ist auch fertig. Fehlen nur das Rinderzuchtmuseum, das Bürgermeisterbüro und die Räume für die Arztsprechstunde. Der Rat wird darüber entscheiden, ob wir diesen letzten Abschnitt erst nächstes Jahr in Angriff nehmen. Positiv ist, dass nun auch Wust und die Ortsteile mit schnellem Internet versorgt werden.

Volksstimme: Die Windkraftanlagen sichern einige Einnahmen. Deshalb hatte der Rat ja auch befürwortet, dass das Gebiet um weitere sechs Anlagen erweitert werden kann. Hat der Investor schon konkretere Pläne, wann es losgeht?

Bodo Ladwig: Soweit ich weiß, will der Investor, wenn die Genehmigungen vorliegen, noch dieses Jahr bauen.

Volksstimme: Es war auch mal im Gespräch, dass im Fischbecker Gewerbegebiet Photovoltaikanlagen aufgebaut werden sollen?

Bodo Ladwig: Es gibt zwei Bewerber, mit denen intensive Gespräche laufen. Beide wollen auch schnellstmöglich tätig werden. Aber es sind noch einige Angelegenheiten zu klären. Dass sich hier Gewerbe ansiedelt, brauchen wir gar nicht zu hoffen, so dass das eine ganz gute Alternative ist. Vielleicht können wir das Gelände anstatt zu verpachten ja sogar verkaufen. Das wäre mir am liebsten, bringt es doch Geld in die Kasse.

Volksstimme: Wo sehen Sie noch Einnahmequellen, die die Gemeinde erschließen kann, um die Ausgaben zu deckeln?

Bodo Ladwig: Wir müssen jeden Groschen dreimal umdrehen. An eine Erhöhung der Steuern denken wir nicht, denn wir wollen die Bürger nicht noch weiter belasten, es ist alles teuer genug. Erst wenn es auch bei uns zu einer Haushaltskonsolidierung kommen sollte, was ich nicht hoffe, müssen wir die Steuern auf Landesdurchschnitt anheben. Überlegen sollten wir auch, ob wir wie andere Orte bei der Straßenbeleuchtung sparen können, indem nachts die Lampen aus bleiben. Auch das wird der Gemeinderat besprechen.

Volksstimme: Was ist mit dem Wohnblock in der Fischbecker Mühlenstraße 5, der laut Fischbecker Ratsbeschluss zur Hälfte leergezogen werden und dann auch abgerissen werden sollte?

Bodo Ladwig: Für das letzte hier noch lebende Ehepaar wird gerade noch die neue Wohnung hergerichtet, damit es umziehen kann. Dann klemmen wir sämtliche Leitungen ab. Aber ein Abriss kostet Geld, das wir nicht haben. Also bleibt die Hälfte des Blockes erst einmal stehen.

Volksstimme: Wie können Fischbeck und Wust weiter zu einer Einheit zusammenwachsen?

Bodo Ladwig: Der Fischbecker Kegelverein leistet einen guten Beitrag. Hier sind etliche Wuster Mitglied geworden, am kommenden Wochenende gibt es ein erstes Freizeitturnier, an dem Kegler aus beiden Bereichen teilnehmen. Zu Pfingsten soll es auf Initiative des Wuster Sportvereins ein Fest geben, an dem sich alle Vereine beteiligen. Es ist schön, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Volksstimme: Was sagen Sie zur Diskussion in der Wuster Sommerschule?

Bodo Ladwig: Schön ist, dass so reges Interesse an den beiden Durchgängen besteht und auch die 21. Sommerschule sehr gut besucht sein wird. Bei der anderen Geschichte, in der es um die Verabschiedung von Herrn und Frau Kluge geht, hoffe ich, dass sich die Wogen glätten. Ich stehe hinter dem Vorstand der Sommerschule. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Vorstand die beiden nicht würdig verabschieden wollte. Es wird Gründe dafür gegeben haben, dass nicht alles ganz glatt gelaufen ist. Diese Angelegenheit ändert aber nichts daran, dass der Vorstand eine hervorragende Arbeit leistet, die ich sehr würdige.