Havelberg (as). Menschen mit und ohne Masken und immer mit einem besonderen Gesichtsausdruck bestimmen die neue Ausstellung in der Galerie Lange Straße 1. Im Rahmen des Kulturprojektes Stadtinsel Havelberg hatte Initiator Reinhart Richter am Sonnabend zur Vernissage eingeladen. Seine Frau Ruth Hammerbacher übernahm als langjährige Sammlerin der Werke des Malers Axel Gundrum die Eröffnung.

Eine Premiere für die Soziologin, die, wie sie sagte, nicht ständig was mit Kunst zu tun hat. Ihr gelang es sehr gut, die Werke des befreundeten Malers, der lange Zeit in Osnabrück lebte, zu interpretieren und die Besucher der Ausstellung neugierig zu machen, auf die Details zu achten. "Die meisten Bilder zeigen Menschen, die typisiert sind. Es sind Menschen, die sich entziehen oder die entzogen worden sind. Ihre Blicke gehen woanders hin, ins Nirgendwo. Es sind nur wenige Menschen, die einen anschauen, und sie schauen durch einen hindurch", so Ruth Hammerbacher.

Die Bilder haben eine große Spannung, man ist geneigt, diesen Menschen, die andere offensichtlich ablehnen, zu helfen, sie zu verstehen. Der Maler bietet etwa durch Masken und Utensilien Anhaltspunkte und verwendet auch eine Portion Humor in seinen Bildern.

Axel Gundrum, der seit 2004 in Potsdam zu Hause ist und seinen Arbeitsschwerpunkt in Berlin hat, sieht sich als erzählerischen Maler. Das Handwerk zu beherrschen, ist ihm wichtig. Seit nunmehr 30 Jahren arbeitet er nach der Devise, dem Zeitgeist nicht als Illustrator zur Hand zu gehen.

Er hatte nach einem Besuch im Winter zu Ostern zum zweiten Mal die Möglichkeit, Havelberg kennenzulernen. Er nahm teil am Familientreffen, das Reinhart Richter über die Feiertage in der Hansestadt für Verwandte und Freunde organisiert hatte. Im Gespräch mit der Volksstimme sprach Axel Gundrum von einer unheimlich beeindruckenden und interessanten Landschaft. "Es liegt ein herber Scharm auf diesem Ort." Befragt nach seiner Einschätzung, ob sich Havelberg zur "kleinsten Kulturhauptstadt Europas" (das ehrgeizige Ziel von Reinhart Richter mit dem Kulturprojekt) entwickeln kann, sagte er, dass die Möglichkeiten dafür gut sind. "Das liegt aber sehr an den Menschen, ob sie das wollen." Über Kultur eine eigene Identität zu entwickeln, sei aber auf jeden Fall eine Chance.

Die Ausstellung war kurzfristig von der Langen Straße 10 in die 1 verlegt worden. Die dort geplante Ausstellung "Neun Köpfe" mit Werken von Horst Janssen wird im Sommer gezeigt, informierte Reinhart Richter.

Wer sich die aktuelle Ausstellung anschauen möchte, hat dazu dienstags bis sonnabends von 9 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr die Gelegenheit.

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