Am 1. April trat in Sachsen-Anhalt das neue Wassergesetz in Kraft. Es bringt einige Veränderungen auch bei der Deichschau mit sich. Diese begann gestern in der Region Schönhausen.

Schönhausen. "Es wird wohl die einzige Deichschau in diesem Jahr bleiben", informierte Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft LHW über eine der Gesetzesfolgen. Vorgeschrieben ist nur noch mindestens eine Schau im Jahr. Da im Frühjahr Hochwasser am häufigsten auftreten, bietet sich diese Jahreszeit für die Schau an, so können eventuelle Schäden rasch festgestellt werden. Auch könnten dann gleich Maßnahmen mit dem Naturschutz abgestimmt werden - so denn dessen Vertreter nicht wie gestern mit Abwesenheit glänzte.

Der Elbpegel weist derzeit fallende Tendenz auf, ebenso das Grundwasser. Dennoch steht letzteres immer noch einen halben Meter über dem Normalwert - geschuldet den enormen Niederschlägen im Vorjahr sowie dem jüngsten Hochwasser.

Der Monat Januar war für ein Hochwasser recht ungewöhnlich, sonst ist es eher der April. Es war mit 7,25 Metern der dritthöchste Wert am Pegel Tangermünde nach den Jahren 2002 und 1920. "Dieses Hochwasser war von vielen unterschätzt worden", so Reinhard Kürschner rückblickend. Zwar blieben die Schäden relativ gering, doch gibt es in der Region noch genug zu tun. Geplant sind zwei weitere Baustellen nahe Schönhausen. Ganz oben auf der Liste steht zudem Neuermark-Lübars, wo es jüngst einige Sickerstellen gab.

Eigentlich sollte die aktuelle Deichbaustelle nahe Schönhausen Ende Mai übergeben werden, doch verzögerten und verteuerten mehrere Hochwasserwellen im Vorjahr den Bau enorm. Inzwischen ist wasserseitig die Dichtung aufgetragen worden. Die Asphaltierung der Krone wird dieses Jahr nicht mehr erfolgen, denn ober- und unterhalb folgen spätestens 2012 weitere Baustellen.

Bis 2020 sollen laut Landesministerium alle Elbdeiche den neuen Vorgaben entsprechend erhöht und verbreitert werden. Die Berechnungen dazu sind abgeschlossen. Dann soll für die Radfahrer die Deichkrone in der Region durchgehend asphaltiert werden.

Das Hochwasser brachte für den LHW ein weiteres Problem mit sich: Tonnenweise lagerte sich Schwemmgut auf den Deichen ab. Dies ist inzwischen abgesammelt und als Haufen zwischengelagert worden, doch nimmt der Landkreis Stendal es nicht wie bisher unentgeltlich zur Kompostierung an. Der LHW vertritt jedoch den Standpunkt, dass er nicht der Verursacher des Schwemmgutes ist, zumal er auch kein Geld dafür eingeplant hat. Zwar gab es auch eine Genehmigung fürs Verbrennen, doch sei dies bei dem noch recht lange nassen Brenngut sehr schwierig.

Als Kompromiss sollen nun geeignete Flächen als Endlager ausgewiesen werden, wie nahe der Bahnbrücke. Verbandsbürgermeister Bernd Witt hätte nichts dagegen. Allerdings gehört die Fläche der Bahn. Fakt ist: Bis zum Herbst muss der riesige Haufen, der im Deichvorland neben der Brücke lagert, dort verschwinden.

Ein Kompromiss wurde auch im Sinne der Radler auf dem Elberadweg gefunden: Die Schäfer werden dort, wo eine Umleitung nur schwer möglich ist, nur die Wasserseite des Deiches beweiden. Dieses Jahr sollen die ersten zwei Abschnitte erprobt werden. Im Schönhauser Bereich wird die Umleitungsstrecke ausgeschildert. Laut neuem Wassergesetz müssen auch die fünf Meter breiten Schutzstreifen beiderseits des Deiches beweidet werden. Schafe haben auf den Deichen also weiterhin Vorrang.