Das erneut aufgenommene Abberufungsverfahren zur Auflösung der Pfarrstelle Kusey überschattete den Neujahrsempfang der Kirchengemeinde am Sonnabend. Dennoch ist den Gästen ein höchst interessanter Nachmittag mit Informationen, Gesprächen und Musik geboten worden.

Kusey. "Leider wurde das abgebrochene Abberufungsverfahren wieder aufgenommen", bedauerte Bruno Pauls, Vorsitzender des Kirchspielrats, im evangelischen Landjugendzentrum (elz). Am 13. Januar werde es dazu ein Anhörungsverfahren bei der Landeskirche geben. Der Vorsitzende: "Die Unsicherheit seit fast einem Jahr ist für uns und Pfarrer Schulz unerträglich, eine Entscheidung dazu ist längst überfällig."

Im Anschluss dankte Bernd Schulz den Mitarbeitern der Kirchengemeinde und des elz für ihre Mitarbeit. "Ohne sie wäre vieles nicht vorstellbar gewesen", sagte der Pfarrer, der einige Dinge 2010 als belastend empfunden hat. Deshalb dankte er auch dem Gemeindekirchenrat für dessen Einsatz für die Zukunft der Gemeinde und der seinen.

Das Motto des Treffens lautete in Anlehnung an den berühmten Spruch des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama: "Yes, you can! Zukunft gestalten – nicht Untergang verwalten." Als Referenten konnte Schulz den gebürtigen Altmärker Andreas Worbs gewinnen. In seinem Vortrag ging der heute in Dresden Lebende auf die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Gesellschaft und die Kirche ein. Sein Fazit nahm er vorweg: "Wir sollten nicht an den Effekten des demografischen Wandels verzweifeln, weil wir sie nicht ändern können." Vielmehr sollte nach Lösungswegen gesucht werden.

Schockierend wirkten Prognosen auf die Zuhörer. Beispielsweise kündigte Andreas Worbs angesichts leerer kommunaler Kassen an, "dass wir unseren Lebensstandard nicht halten können". Und die Einnahmen der Kommunen würden weiter sinken. Auch deshalb, weil die Bevölkerungszahl immer mehr abnehmen werde. Für die Stadt Klötze prognostizierte er bis 2025 einen Einwohnerschwund von 27 Prozent. Die Folge: leere Wohnungen und Geschäfte, weniger Kunden für Handwerksbetriebe, weniger Ärzte, geringere Steuereinnahmen. Provozierend brachte Worbs mittelalterliche Wüstungen ins Spiel. "60 Prozent der Siedlungen wurden damals aufgegeben", sagte er mit Blick auf die Altmark. Das sei nichts Neues. Die Kirche habe von 1990 bis 2008 fast 5 Millionen Mitglieder verloren. Konsequenzen sind sinkende Einnahmen, größere Kirchspiele. Insgesamt würden in der Gesellschaft die Sozialkosten und die der Infrastruktur steigen, die Finanzkraft sinke, Landflucht und Zentralisierungen setzten ein, gesellschaftliche Werte wandelten sich. Andreas Worbs: "Das alles verlangt Anpassungen, neue Handlungsansätze weg vom Kirchturmdenken, nicht ständig zurückblicken und vergleichen." In drei Arbeitsgruppen sind danach Lösungsansätze gesucht worden. Beitrag folgt

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