Dolchau l Im Falle der Sekte "Die Zwölf Stämme" in Dolchau reagiert die erste Behörde in Sachsen-Anhalt. Nach Volksstimme-Nachfrage hat das Jugendamt Kontrollen angekündigt. "Das Jugendamt handelt im Rahmen seines Schutzauftrages", sagte Kreissprecherin Birgit Eurich. Wann genau die Mitarbeiter sich die Situation anschauen wollen, ließ sie offen. Zuvor hatte die Volksstimme berichtet, dass am Montag mindestens zwei Mitglieder der Glaubensgemeinschaft wieder auf dem Bauernhof in Dolchau waren.

Offen ist auch Folgendes: Die Zwölf Stämme haben in der Umgebung zahlreiche Dächer von kommunalen Gebäuden mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. In wessen Auftrag sie handelten, ist bislang unklar. Die Stadt Kalbe hat die Flächen an einen Investor verpachtet. Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth war jedoch nicht bereit, der Volksstimme die Firma oder den Privatinvestor zu nennen, an die die Dachflächen verpachtet worden sind.

Ansonsten reden die Dolchauer immer noch über die vergangenen Tage. Bekannt war vielen von ihnen, dass es sich bei den Neuankömmlingen um eine Sekte handelte. Ein paar Bewohner hatten sich im Internet kundig gemacht. Sie mieden den Kontakt. Andere störte es nicht, dass die Neuen anders waren.

"Niemand hat sich beschwert", sagte Vienaus Ortsbürgermeister Fritz Borchmann. Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft seien immer höflich, nett und freundlich gewesen.

Am Sonntag sei er von Karsten Ruth über den Artikel von "Spiegel online" informiert worden. Schon vorher habe er sich mit den Ortschaftsräten unterhalten, was sie tun könnten, "wenn das ausartet", so Borchmann. Doch die Sekte sei nach außen nicht negativ aufgefallen. Und Nachspionieren halte er nicht für richtig.

Heute erinnern sich viele Einwohner an Eigentümlichkeiten der ungewöhnlichen Nachbarn, wie dass die Kinder nicht zur Schule gingen. Die Kinder seien nie ohne erwachsene Begleitung im Dorf unterwegs gewesen. Sekten-Mitglieder hätten Info-Material über ihren Glauben an manche Einwohner verteilt, sagte Ilona Meyer aus Dolchau. Und bei einer Hausführung hätten ihr die Mitglieder alles bis auf das ehemalige Schlafzimmer der Vorbesitzerin gezeigt, sagte Ruth Mertens aus Mehrin.