Wer dieser Tage in den Wäldern rings um Klötze unterwegs ist, beispielsweise im Heidau bei Steimke, der hört schon von Weitem die knurrenden Geräusche eines Harvesters. Mit diesen Ungetümen sind Kahlschläge ruckzuck erreicht. Nils Fricke aus Tangeln bedient so einen Koloss.

Steimke l In Skandinavien sind die sogenannten Harvester schon seit Beginn der 1980er Jahre nicht mehr aus der Forstwirtschaft wegzudenken. Wofür früher selbst ein erfahrener Arbeiter ein unabänderliches Mindestmaß an Zeit benötigte, sind die modernen Maschinen heutzutage in der Lage, Bäume in Windeseile zu fällen, zu entästen, zu entrinden und zu zersägen. Daher werden die Ungetüme seit Beginn der 1990er Jahre auch in Deutschland vermehrt eingesetzt. Und auch im Bereich des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark gehören die Harvester mittlerweile zum normalen Erscheinungsbild. Wer so einen Giganten bändigen will, der braucht vor allem technisches Geschick, ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, forstwirtschaftliches Wissen und nicht zuletzt auch dickes Sitzfleisch. Die Volksstimme traf sich am Mittwoch in den Steimker Wäldern mit Nils Fricke. Der junge Mann aus Tangeln ist nicht nur von Beruf Harvester-Fahrer, sondern auch aus Leidenschaft.

Der 24-Jährige ist ohne Frage vom Fach. In der Ausbildungsstätte im Zartau bei Klötze erlernte er einst den Beruf des Forstwirts. Danach fand er eine Anstellung bei einem Unternehmen mit Sitz in Kakau (Landkreis Wittenberg). Schon als Kind, so berichtet Nils Fricke, hielt er sich gerne in der Natur auf. "Ein Bürojob wäre nichts für mich", betont er und erklärt, dass ein Harvester-Fahrer keinen speziellen Führerschein benötigt. Er selbst hielt sich an den Spruch "Learning by doing", soll heißen, "draufsetzen, ausprobieren und üben".

Zwei bis drei Jahre Üben war angesagt

Doch noch nie ist ein Meister vom Himmel gefallen. Das gilt auch für Nils Fricke, den sein Chef theoretisch bundesweit einsetzen könnte, der aber mit dem Harvester meist in der altmärkischen Heimat zugange ist. Bis der schlanke Recke mit den kurzgeschorenen Haaren sein Arbeitsgerät in dem erforderlichen Grade beherrschte, vergingen zwei bis drei Jahre. Schließlich wollen nicht nur die Hebel und Knöpfe sicher betätigt werden, nein, man benötigt auch ein gutes Augenmaß, um Entfernungen richtig abschätzen zu können. Darüber hinaus muss Nils Fricke jeden Baum in Sekundenschnelle begutachten. Denn je besser die Holz-Qualität ist, desto länger wird der Stamm belassen. Ein Beispiel: Ist das Holz von hoher Güte und somit fürs Sägewerk geeignet, dann wählt Nils Fricke eine Länge von 4 Metern. Ist das Holz von minderer Güte und vielleicht nur noch als Hackschnitzel zu gebrauchen, dann sägt Nils Fricke das Stück auf 2,50 bis 3 Meter zurecht.

Welche Bäume er überhaupt fällen soll, das erkennt Nils Fricke an der farblichen Markierung, die in diesem Falle Revierförsterin Diana Fiedler aufgebracht hat. Nils Fricke muss zudem genau wissen, wo die Grenzen des kahl zu schlagenden Bestandes liegen. Sonst gibt es Ärger mit dem Eigentümer. Mit den Grenzen der Fläche macht er sich deshalb vorher genau vertraut.

Der Arbeitstag von Nils Fricke beginnt derzeit um 5 Uhr morgens und endet nachmittags um 16 Uhr. Frühstück macht er von 8 bis 8.30 Uhr, die Mittagspause dauert von 12 bis 12.30 Uhr. Beim Essen darf Nils Fricke nicht wählerisch sein. Das ist er auch nicht. Denn wo er arbeitet, da befindet sich weit und breit kein Supermarkt oder gar ein Restaurant. "Bei mir gibt`s Stullen. Jeden Tag", sagt der Tangelner.

Pro Tag schafft Nils Fricke bis zu 100 Festmeter Holz

Dass er meist ganz allein im Wald ist, macht ihm nichts aus. Meist, so erzählt er, bekommt er auch gar nicht mit, wie die Stunden verrinnen. Doch ins Träumen darf er bei seinem Tun nicht geraten. "Ich muss immer aufpassen." Zu schnell ist etwas passiert.

Der Harvester, den Nils Fricke bedient, kostet seinen Angaben zufolge 350000 Euro. Die 200-PS-Maschine wiegt rund 15 Tonnen, ist etwa 3,50 Meter hoch und die Reichweite des Krans beträgt 12 Meter. Der Kraftstoffverbrauch beläuft sich auf zirka 100 Liter Diesel pro Tag. Mit diesem "Riesen" kann Nils Fricke Bäume mit einem Unfang von bis zu 50 Zentimeter bearbeiten. Pro Schicht schafft er bis zu 100 Festmeter.

Sollte es zu einem Defekt kommen, dann versucht Nils Fricke, sich erstmal selbst zu helfen. Gelingt das nicht, ordert er über Handy einen Techniker herbei.

Doch bisher, so schnauft er tief durch, ist noch nie etwas schief gegangen. Nils Fricke ist darüber hinaus sehr froh, dass er, wenn er im Drömling auf morastigemn Untergrund zu tun hatte, noch nie festgefahren ist. "Kollegen ist das schon passiert. Dann braucht man mehrere Traktoren, um den Harvester wieder zu befreien."

Nils Fricke hat unglaublich viel Spaß an seinem Job. "Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Das ist genau mein Ding." Das gilt wohl auch für seine Freundin, die in der gleichen Branche tätig ist. Sie fährt nämlich ein Rückefahrzeug.

 

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