Jetzt sind sie keine Kinder mehr. 88 Mädchen und Jungen hatten am Sonnabend ihre Jugendweihe. Sie wurden im Klötzer Altmarksaal im feierlichen Rahmen in die Reihe der Erwachsenen aufgenommen.

Klötze l Die Tradition der Jugendweihe gibt es schon seit 162 Jahren. Sie soll den Start in eine neue Lebensphase dokumentieren: den Übergang vom Kind zum Erwachsenen, wie Peter Günther, Präsidiumsmitglied des Landesverbandes der Interessenvereinigung Jugendweihe, vor den Jugendweihlingen und deren Verwandten erklärte. Durch verschiedene Angebote, wie den Besuch eines Frauenarztes, einen Knigge-Kurs oder einen Info-Nachmittag bei der Sparkasse, hat die Interessenvereingung versucht, die Jugendlichen auf diesen Schritt vorzubereiten. Und natürlich haben auch die Eltern 14 Jahre lang das Ihrige getan. Nun liegt es an den Jugendlichen, "die Seiten ihres Lebens selbst zu schreiben".

Peter Günther empfahl den Mädchen und Jungen jedoch, sich mit dem Älterwerden noch Zeit zu lassen, sich das Kindsein ein Stück weit zu bewahren und sich nicht allzu sehr unter Druck setzen zu lassen. "Bleibt locker", was aber nicht bedeuten soll, es am nötigen Ehrgeiz und Lernwillen vermissen zu lassen. Schließlich, so Günther, ist Bildung in der Regel eine elementare Voraussetzung für den Traumberuf.

Außerdem forderte Günther die Jugendweihlinge dazu auf, nicht egoistisch zu sein und sich stets für Mensch und Natur einzusetzen. "Bedenkt, wir wohnen alle gemeinsam in einem großen Haus, das man Erde nennt. Wir haben keine Möglichkeit, auszuziehen."

Und auch wenn der Wunsch besteht, möglichst schnell auf eigenen Beinen zu stehen und flügge zu werden, so sollten die Eltern doch immer im Herzen getragen werden. "Mütter und Väter sind für ihre Kinder wie der Regen für Blumen", verglich Günther und wusste: "Eure Eltern sind immer für euch da. Egal, wie alt ihr seid und wo ihr seid."

Zum Schluss seiner Rede äußerte Peter Günther noch drei Wünsche für die Jugendlichen. Erstens: die Fähigkeit, tolerant zu sein. Zweitens: den Willen, alle Chancen zu nutzen. Und drittens: die Gegenwart zu genießen, aber die Zukunft im Blick zu haben. Daran werden sich die Jugendlichen bestimmt halten, meinte Günther und prophezeite ihnen ein tolles Leben. "Ich glaube, das wird eine geile Angelegenheit."

Dass die Jugendlichen es gar nicht so eilig haben, sich von den Eltern loszulösen, berichtete Erik Wallwitz, der im ersten Durchgang der Jugendweihe die Dankesworte für die Eltern sprach. "Es ist gut jemanden zu haben, der sich um einen kümmert."

"Wir alle haben nur einen Versuch, der sich Leben nennt."

Im zweiten Durchgang sprachen Laura Wichert und Vanessa Pachaly die Dankesworte für die Eltern. Sie drehten den Spieß ein bisschen um und scherzten, dass ausgerechnet jetzt, wo die Jugendlichen ihre Eltern endlich erzogen haben, die Zeit des Abschieds naht.

Musikalisch hervorragend umrahmt wurde die Jugendweihe von der Band Ach mit Tom Rauschhardt. Ihre Liedauswahl war total passend, sei es nun "Ich wollte nie erwachsen sein" von Peter Maffay über "Das Beste" von Silbermond bis "Ein Leben lang" von Christina Stürmer.

Zu den Helfern gehörten neben den Blumenkindern von der Klötzer Grundschule auch Ann-Katrin Neum und Ann-Kristin Krüger. Unter anderem rezitierten sie "Unsere Zeit" von Chantal Dörheit. Die Worte richteten sich ebenfalls direkt an die Jugendweihlinge. Darin heißt es: "Wir alle haben nur einen Versuch, der sich Leben nennt. Setzt Zeichen. Euer Leben fängt jetzt an und endet erst, wenn ihr aufhört, darum zu kämpfen."

Besonders dankten die Jugendweihlinge Kerstin Hilbig und dem Team der Elterngruppe um Bianca Kranz, Doris Hebner, Britta Lazarz, Kessy Jübermann sowie Evelin Kleinecke.

   

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