Kusey/Klötze l In der zwölften Minute wurde der Elfmeter für die deutsche Elf umjubelt. Dann war es mucksmäuschenstill. Als der von Thomas Müller geschossene Ball ins Tornetz einschlug, brach ein Jubelsturm aus. Kaum 20 Minuten später sprangen die WM-Fans erneut auf, ballten die Fäuste, rissen die Arme jubelnd in die Höhe - Mats Hummels hatte das Leder zum 2:0 ins portugiesische Tor geköpft.

Noch im Freudentaumel forderte "elz-Stadionsprecher" Jörg Ziegel die Fanmenge zum Wiederholen des Spielstandes auf: "Deutschland zwei, Portugal null! Danke! Bitte!", schallte es durch den Raum. Nach dem erneuten Treffer durch Müller startete Ziegel die nächste Fan-Rakete und stimmte "Ohne Müller wär` hier gar nichts los" an. Selbst Ortsbürgermeister Klaus Vohs stimmte mit ein.

Die Stimmung im elz hätte in keinem WM-Stadion besser sein können. "So wird in Kusey gejubelt", meinte Günter Kuhrs. Frank Ehrlke freute sich wie die anderen riesig über das vierte Tor der Nationalmannschaft. "Hauptsache drei Punkte, das war wichtig. Und mit dieser Leistung ist der WM-Sieg möglich", stellte er fest.

Skepsis weicht riesiger Freude und Jubel

Vor dem Spiel waren Ehrlke, Kuhrs und auch Andreas Gädecke skeptisch, ob die deutschen Spitzenkicker ihr Auftaktspiel schadlos überstehen. Sie meinten, dass der ganze Trubel und Ärger in der Vorbereitung keine guten Vorboten für die WM gewesen wären.

Dass diese Idee des Public-Viewing von Gemeindepädagoge Martin Zander eine besonders gelungene Idee war, das war einhelliger Tenor im elz.

Gejubelt und gefeiert wurde nicht nur vor der Großleinwand im elz. Da gingen schon etliche Liter an Getränken über die provisorische Theke. Und die nahmen dann ihren physiologischen Lauf, machten Toilettengänge in vielen Haushalten notwendig.

Dass dieses spannende Spiel der deutschen Mannschaft vielerorts in der Einheitsgemeinde die Zuschauer vor den Fernsehern regelrecht fesselte, das kann der Technische Leiter des Wasserverbands Klötze, Detlef Bock, sogar belegen. Auf Anfrage der Volksstimme analysierte er die verbrauchten Wassermengen und Zeiten, in denen am Montagabend der Bedarf im Versorgungsgebiet des Verbandes signifikante Spitzenwerte erreichte. Solche Daten hatte er bereits für die Zeitspanne des WM-Eröffnungsspieles ausgelesen.

Fußballfans verbrauchten zirka 50 Kubikmeter Wasser

"Die Halbzeitpause und das Spielende sind deutlich am Wasserverbrauch zu erkennen", erklärte Detlef Bock und wies auf eine Kennlinie auf dem Computerbildschirm. Diese Kurve zeigt an, zu wieviel Prozent die Trinkwassertanks gefüllt sind. Der Wasserstand schwankt normalerweise zwischen 75 und zirka 90 Prozent der maximal möglichen Füllmenge. Die Schwankungen abseits von Weltmeisterschaften und ähnlichen Großereignissen bewegen sich im Null-Komma-Bereich.

Am Montagabend war der Sprung aber wesentlich deutlicher zu sehen, allerdings wird die Anzeige auf dem Computer leicht verzögert dargestellt. "Ab 19 Uhr verzeichneten die Messgeräte für wenige Minuten eine ungewöhnlich hohe Wasserabgabe", berichtete Detlef Bock. "Innerhalb von fünf Minuten sank die Füllmenge im Wassertank von 78,33 auf 77,23 Prozent. Das entspricht zirka 50 Kubikmeter auf einen Schlag", rechnete der stellvertretende Geschäftsführer des Verbandes vor. Er führte diesen sprunghaften Wasserverbrauch auf die zahlreichen Toilettenbesuche der Fußballfans in der Halbzeitpause zurück.

Bei anderen Spielen der Fußballweltmeisterschaft war der Wasserverbrauch wesentlich weniger deutlich angestiegen. "Selbst bei der Eröffnung des Spektakels und dem ersten Spiel der gastgebenden brasilianischen Mannschaft war in der Halbzeitpause der Wasserverbrauch wesentlich weniger verändert", hatte Detlef Bock beobachtet. Er hofft jetzt auf den Einzug des deutschen Teams in das Endspiel: "Mal sehen, wie der Wasserverbauch dann ansteigt."

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