Das Zichtauer Gut wird um eine Sehenswürdigkeit reicher. Sekundarschüler aus Beetzendorf legen dort einen japanischen Garten an. Der Clou dabei: Sie schlossen eine Patenschaftsvereinbarung mit der Gartenakademie und werden die Anlage weiterhin pflegen.

Beetzendorf/Zichtau l "Das Gut ist ein Glücksgriff für uns", freute sich Marianne Leppin. Die stellvertretende Rektorin der Beetzendorfer Sekundarschule und Rektorin Sabine Hornkohl waren am gestrigen Freitag sehr angetan von dem Angebot für die Schüler auf Gut Zichtau. Denn beide Seiten profitieren davon: Die Schüler bekommen eine Aufgabe, die sie an gärtnerische Berufe heranführt. Außerdem helfen sie mit, die Mustergärten für Besucher des Gutes attraktiver zu gestalten.

Ein kleines Teehäuschen steht bereits

Emsig waren die Schüler gestern damit beschäftigt, unter fachlicher Anleitung Bambuszäune zu bauen. Sie sägten bohrten, schraubten und hämmerten, was das Material hergab. Dabei half ihnen Landschaftsgärtner Michael Rossel. "Wir werden noch Pflanzen wie Bambus und anderes einsetzen", berichtete er. "Eine Vertiefung im Boden wird mit Folie ausgelegt und Schotter aufgefüllt." Ein spezielles Gerät diene dann dazu, die Steinoberfläche so zu harken, dass sie wie fließendes Wasser aussieht. Ein kleines Teehaus mit einer Wartebank steht bereits davor.

Damit diese Aktion keine Eintagsfliege bleibt, sondern daraus etwas Nachhaltiges entsteht, besiegelten Sabine Hornkohl und Madeleine Jung von der Gartenakademie Sachsen-Anhalt eine Patenschaftsvereinbarung mit ihren Namen. Diese sieht vor, dass die Sekundarschule mit den Klassenstufen 7 bis 10 die Patenschaft für den japanischen Garten übernimmt, den zweiten Mustergarten auf dem Gut. Monatlich werden die Schüler einen Schultag in Zichtau verbringen. Unter fachlicher Anleitung werden sie helfen, den Garten mit Pflanzen zu bestücken, Wege anzulegen und die Anlage zu pflegen. Sogar Projektwochen und freiwillige Arbeitsstunden in den Ferien sind möglich.

Im Winter, von Dezember bis Februar, gestaltet ein Vertreter der Gartenakademie in der Schule monatlich einen Unterrichtsblock zu gartenrelevanten Themen mit. Gartenkunst, Gartenbau und Gestaltung werden im Mittelpunkt stehen. Dabei könnte auch der Innenhof der Schule neu gestaltet werden.

Schülern bei ihrer Berufsfindung helfen

"In erster Linie geht es bei diesem Projekt für die Schüler um die Berufsfindung", erläuterte Sabine Hornkohl. "Die Schüler sollen in der Region gehalten werden und ihre beruflichen Neigungen erkunden." Sie und Marianne Leppin hoffen auf eine dauerhafte Etablierung dieses Angebots. "Denn den höchsten Lerneffekt haben die Schüler in der Praxis." Planen, Bauen, Gestalten lautet der Name des Wahlpflichtkurses.

Den Schülern machte die Arbeit gestern sichtlich Spaß. Sie konnten sehen, wie die Anlage Gestalt annimmt. Fachleute wie Gesine Jochems, eine Spezialistin für japanische Gärten, kümmerten sich um sie. "Die Schüler haben hier Erfolgserlebnisse", begründete Sabine Hornkohl. Zwar sind am Anfang zehn Schüler dabei. Doch involviert sind Schüler der zwei neunten Klassen, die mit einsteigen in das Projekt, wenn sie gebraucht werden. "Sie sehen sich dabei nicht als zwei Klassen, sondern als eine Einheit", sagte Sabine Hornkohl. "Damit ist das Ganze emotional und sozial ein Superprojekt." Da die Schüler auf dem Gut auch an anderer Stelle mit eingesetzt werden, können sie sich umfangreiche handwerkliche Kenntnisse aneignen. "Damit haben wir Schule und Wirtschaft wirkungsvoll vernetzt", brachte es Sabine Hornkohl auf den Punkt. Ein kleines Problem gibt es dennoch: Die Abfahrtzeiten der Busse liegen für die Fahrt nach Zichtau und zurück ungünstig. Mit der Personennahverkehrsgesellschaft soll eine Lösung gefunden werden.

 

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