Während die Klötzer Sekundarschule in dieser Woche ihr 40-jähriges Bestehen feiert, neigt sich die lange Geschichte der Klötzer Förderschule ihrem Ende entgegen. Der letzte Unterricht findet am 10. Juli 2015 statt.

Klötze l Armin Bauer steht im Rektorat der Klötzer Zinnbergschule und betrachtet ein Bild an der Wand. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme ist fast 30 alt und zeigt Mitglieder des Kollegiums vor dem früheren Standort der Förderschule an der Mittelstraße in Klötze. Schön war`s, denkt sich Armin Bauer und erinnert sich an Zeiten, in denen sich gut 20 Lehrkräfte um 180 Schüler kümmerten. Doch das ist lange her. Bereits seit 2011/12 wird die Zinnbergschule mit einer Ausnahmegenehmigung geführt, weil die erforderliche Mindestzahl von 90 Schülern nicht mehr erreicht wird. Aktuell sind es gerade mal 49 Schüler. Besserung ist nicht in Sicht. Darum wird die Zinnbergschule mit Ende des laufenden Schuljahres schließen. So hat es der Kreistag beschlossen - und so wird es kommen.

Wenn Schulleiter Armin Bauer daran denkt, wird er schon ein bisschen wehmütig. Schließlich arbeitet er bereits seit 1985 als Förderschullehrer in Klötze. Von 1990 an war der 56-Jährige stellvertretender Schulleiter, 1992 löste er den bei einem Unfall schwer verletzten Schulleiter Ernst Schreiter aus Wassensdorf auf dieser Position ab. "Er hatte die Sonderschullandschaft in Sachsen-Anhalt mit aufgebaut und verunglückte auf dem Weg zu einem Kongress in Magdeburg", erinnert sich Armin Bauer, der fortan selbst in der Verantwortung stand. Ernst Schreiter, so sagt er, war ihm und anderen stets ein leuchtendes Vorbild.

"Abschied tut weh. Das spüren wir schon jetzt", erzählt Armin Bauer. "Es hat etwas Endgültiges. Die letzten Herbstferien, die letzten Weihnachtsferien. Die letzten Zeugnisse. Es ist auch ein Unterschied, ob man alleine geht oder gemeinsam gehen muss", betont er. Denn die Schließung betrifft Lehrer wie Schüler gleichermaßen.

"Wir werden nicht sang- und klaglos von der Bildfläche verschwinden."

Schulleiter Armin Bauer

Die Pädagogen stehen gegenwärtig vor einer ungewissen Zukunft. Auf die Frage, wie und wo es mit ihnen weitergeht, gab es vom Land bisher noch keine konkrete Auskunft. "Wir hoffen auf eine schnelle Antwort", sagt Armin Bauer. Schon jetzt, so informiert er, leisten etliche Lehrer die Mehrzahl ihrer Stunden an anderen Schulen ab.

Die derzeitigen Neuntklässler werden 2015 noch ihren Abschluss an der Zinnbergschule machen können. Alle anderen werden mit Veränderungen leben müssen. Für sie gibt es drei Möglichkeiten, wie Armin Bauer erläutert: Zum einen können die Kinder und Jugendlichen aus den Einzugsbereichen Klötze, Kunrau und Kusey an die Förderschule Gardelegen wechseln. Dem Rest steht es frei, künftig an der Förderschule in Salzwedel unterrichtet zu werden. Dritte Alternative wäre der Besuch einer Regelschule, also Grund- oder Sekundarschule, mit spezieller Förderung. "Sicher, es gibt Empfehlungen, aber letztlich müssen die Eltern die Entscheidung treffen", erläutert Armin Bauer und ahnt, "dass ein Schulwechsel für die lernschwachen Kinder sicher nicht einfach wird."

Jetzt, da die Tage kürzer werden, entsinnt sich der Schulleiter immer öfter der Vergangenheit. Den Umzug von der Mittelstraße in die Straße der Jugend bezeichnet er als "Glücksfall", weil sich dadurch die Bedingungen (Lage, Größe, Ausstattung) schlagartig verbesserten. Vor allem haben sich aber die Schicksale einzelner Schüler in sein Gedächtnis eingebrannt. Schüler aus schwierigen Verhältnissen, die der besonderen Aufmerksamkeit bedurften.

Armin Bauer freut sich, wenn er ehemalige Schüler trifft, "die es geschafft haben", einem geregelten Beruf nachgehen, Familie haben. "Ich verspüre eine tiefe Dankbarkeit, dass wir viele hilfsbedürftige Kinder auf das Leben vorbereiten durften."

Außerdem weist er darauf hin, dass es seitens der Eltern durchaus Bemühungen gab, den Standort in Klötze zu retten. Ohne Erfolg.

Armin Bauer kündigt ein gebührendes Ende der Zinnbergschule an: "Wir werden nicht sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden." Die Planungen laufen.

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