Erstmals hat der Wolf jetzt auch im Jagdrevier Hohentramm ein Wildtier zur Strecke gebracht. Jagdpächter Christoph Lüders fand den dreijährigen Muffelwidder am Montagmorgen mit durchgebissener Kehle und halb ausgeweidet.

Apenburg/Hohentramm l Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf, der im Klötzer Forst und bei Poppau bereits gesichtet wurde, auch in den weiter nördlich gelegenen Jagdrevieren Hohentramm und Apenburg auf Beutezug geht. Jetzt ist dort der erste Nachweis eines von ihm gerissenen Tieres erbracht worden. Am Montagmorgen fand der Hohentrammer Jagdpächter Christoph Lüders beim Durchstreifen seines Reviers den Kadaver eines dreijährigen Muffelwidders. "Er lag auf blankem Acker, etwa 200 Meter vom Wald entfernt", berichtete er der Volksstimme.

Sofort kam der Gedanke an den Wolf als Verursacher, schließlich wies das Tier einen markanten Biss in die Kehle auf. Nach Hinzuziehen der Wildbiologin Antje Weber und des Wolfsbeauftragten der Klötzer Jägerschaft, Eckhard Wegwarth, gab es Gewissheit: Es war Isegrim. "Wir sind uns zu 95 Prozent sicher", erklärte Wegwarth auf Volksstimme-Nachfrage. Spuren des Tieres seien bis zum Wald zurückzuverfolgen gewesen.

Der Muffelwidder muss in der Nacht zum Montag gerissen worden sein. Allerdings wurde der Wolf offenbar bei seinem Mahl gestört, denn lediglich eine der Hinterkeulen war von ihm angefressen. "Im Rückenbereich hatte er erst angefangen", berichtete Wegwarth.

Keine Kampfspuren, Tier war offenbar krank

Kampfspuren wurden keine gefunden, doch das ist nicht ungewöhnlich. "Muffelwild rennt bei Gefahr nicht weg, sondern bleibt stehen", weiß Christoph Lüders. Damit wird es zur leichten Beute. Offenbar war das betroffene Tier zudem nicht vollkommen gesund. "Es hatte Defizite und war schalenkrank, auch deshalb war es wohl nicht in der Lage zu flüchten", schätzte Eckhard Wegwarth ein. Auf jeden Fall habe der Widder nicht lange gelitten. "Durch den Kehlbiss ging es sehr schnell", meinte der Wolfsbeauftragte.

Das tote Tier wurde von der Wildbiologin untersucht und fotografiert. Die Dokumentation erbrachte den nahezu sicheren Beleg für die Urheberschaft des Wolfes. "Hundertprozentig wäre nur ein genetischer Nachweis, doch der ist nicht nur aufwändig, sondern auch teuer", erklärte Eckhard Wegwarth.

Dass der Wolf irgendwann im Revier auftauchen und Tiere reißen würde, war auch Christoph Lüders seit Langem klar. Man habe bereits länger festgestellt, dass das Muffelwild sehr unruhig ist. Es sei nicht mehr in großen Rudeln, sondern nur noch in kleineren Gruppen von 10 bis 15 Stück unterwegs gewesen. Der Wolf muss also hier schon länger unterwegs gewesen sein. "Möglicherweise wurden auch schon mehr Tiere gerissen, die wir nur noch nicht gefunden haben", so der Hohentrammer.

Jäger haben Sorge um Muffelbestände

Lüders hat wie viele seiner Jagdkollegen große Sorgen um den Muffelwildbestand in der Region. "Wenn es so weitergeht, brauchen wir in Zukunft nichts mehr zu schießen, dann sind die Muffel in drei Jahren verschwunden", meinte er. Eine Wölfin bringe zweimal im Jahr im Schnitt fünf Junge zur Welt. "Das sind zehn Tiere, da kann man sich ausrechnen, wieviel Futter für die benötigt wird", erklärte der Jagdpächter. Und Muffelwild steht ganz oben auf Isegrims Speisekarte.

Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Wildschafe im Gegensatz zum Wolf, der zwischenzeitlich in Mitteleuropa vom Menschen ausgerottet wurde und jetzt zurückgekehrt ist, nicht ursprünglich in Deutschland beheimatet sind. Die Tiere wurden vor etwa 100 Jahren aus Sardinien und Korsika hier angesiedelt. Offenbar rückt die Natur jetzt die Verhältnisse wieder zurecht.