Miranda Smit und Barbara van der Plas sind in Klötze eingetroffen. Ihnen gehört das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs. Zunächst soll das Haus nach und nach in Ordnung gebracht werden. Und vor der Schalterhalle soll wieder ein Tor entstehen, wie es früher eines gegeben haben muss. Dafür suchen die Bahnhofsbesitzerinnen Zeitzeugen und Fotos. Als "Station 33" soll das Gebäude eine Stätte für den naturnahen Aktivtourismus sein.

Klötze. Gestern sind die neuen Eigentümer des Klötzer Bahnhofsgebäudes angekommen: Mit einem großen Briefumschlag voller Schlüssel haben Miranda Smit und Barbara van der Plas den unter Denkmalschutz stehenden Ziegelbau in Besitz genommen. Sie hatten es am 1. April in Berlin ersteigert (die Volksstimme berichtete).

Zwei Tage waren die beiden Frauen nun aus der niederländischen Heimat kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze unterwegs in die westliche Altmark und hatten zwischendurch noch bei Freunden in Hannover übernachtet. Miranda Smit ist bereits zum dritten Mal da: "Einmal bin ich hier gewesen, um mir das Haus einmal von außen anzuschauen. Und dann habe ich mir das Gebäude von innen mit einem Mitarbeiter des Auktionshauses angeschaut."

Miteigentümerin Barbara van der Plas sieht das Gemäuer indes zum ersten Mal in natura. Nach einem kurzen Rundgang sagt sie: "Doch, das gefällt mir gut, das ist richtig schön." Klar, eine Menge Arbeit steckt in dem Vorhaben, den Bahnhof zu neuem Leben zu erwecken. "Und ich muss auch gleich sagen: Das ist keine Sache von Monaten. Das ist eine Sache von Jahren", erklärt Barbara van der Plas. "Aber es ist doch besser, wenn man versucht, seine Träume zu verwirklichen, als immer nur zu träumen."

Der Traum: Mit neuen Ideen soll hier Historisches bewahrt werden. Das beginnt bei dem von der Bahn zurückgelassenen Interieur, alten Türen und Rahmen bis hin zum Tor vor der Schalterhalle, das später einmal zugemauert worden ist. Dieses wollen die beiden Niederländerinnen wieder freilegen und entsprechend den Wünschen des Denkmalschutzes mit Holz und Glas wiederherstellen. "In diesem Zusammenhang könnten wir natürlich die Unterstützung von Menschen gebrauchen, die sich erinnern können, wie es hier einmal ausgesehen hat und die vielleicht auch alte Fotos von diesem Klötzer Bahnhofsgebäude haben", sagt Miranda Smit.

Zunächst stehen allerdings erst einmal andere Arbeiten an: Dieses erste Wochenende im eigenen Bahnhof wollen die beiden Bahnhofsbesitzerinnen nutzen, um Scherben zusammenzufegen, vermodertes Holz wegzuräumen, etwas gegen die Holzwürmer zu unternehmen und die eingeschlagenen Fenster abzukleben.

Dann stehen Arbeiten an den Elektroleitungen, an der Heizung, an den Fenstern und vielem mehr an. Alte Häuser und Wohnungen sind für die beiden Niederländerinnen jedoch nichts Unbekanntes.

Familien und Freude haben ebenfalls bereits Unterstützung zugesagt. Einige von ihnen sind begeistert, andere skeptisch angesichts der Mammutaufgabe, einen ganzen Bahnhof in Schuss zu bringen - stolz sind sie aber alle auf die beiden Neu-Klötzerinnen für deren Mut.

Arbeit für den Umzug aufgegeben

Mit Blick auf die Arbeiten sagt Barabara van der Plas: "Eine Heizung habe ich schon einmal zusammen mit Freunden gebaut. Und außerdem war ich in einem Baumarkt in der Elektroabteilung Ansprechpartner, da traue ich mir schon etwas zu." Im Gegensatz zu Miranda Smit wird sie allerdings zunächst in ihrem Beruf im niederländischen Gesundheitswesen aktiv bleiben. Sie arbeitet in der Wiedereingliederung ins Berufsleben.

Miranda Smit hat hingegen noch in der vergangenen Woche ihre bisherige Arbeit aufgegeben, um nach Klötze übersiedeln zu können. Sie ist von Berufs wegen Grafikerin und hat ebenfalls noch in der vergangenen Woche ein Logo für ihr Klötzer Projekt entworfen: "Station 33" soll es heißen. Im Deutschen sei das ebenso wie im Niederländischen, im Englischen und vielen anderen Sprachen als Ort der Begegnung verständlich.

Und genau das soll das Empfangsgebäude auch werden. Ein Mountainbike-Verleih soll hier Gästen und Einheimischen geländegängige Fahrräder bieten. "Dafür können wir noch einen Betreiber gebrauchen, der sich mit Fahrrädern auskennt und sich damit selbständig machen will", sagt Miranda Smit. Später dann soll es auch eine kleine Gastronomie geben. Ökologische und vergetarische Kleinigkeiten soll es da geben. Einige wenige Gästezimmer sind ebenfalls ein Ziel, erzählt Barbara van der Plas. "Genau", pflichtet ihr Miranda Smit bei: "Etwas Einfaches, vielleicht für Fahrradtouristen." Und noch später könnte die Station 33 ein Zentrum für "Lebendige Spiele" werden, wie es Miranda Smit nennt. Gemeint sind damit Rollen- und Strategiespiele in der Natur, die vom ehemaligen Empfangsgebäude des Klötzer Bahnhofs aus organisiert und angeboten werden. Bereits in einem früheren Gespräch mit der Volksstimme hatte Miranda Smit erklärt, dass das Haus eine Möglichkeit für Menschen bieten soll, passend zum Grundkonzept Ideen zu entwickeln und sich damit selbständig zu machen. In einem kleinen Raum des Bahnhofes möchte Miranda Smit sich auch wieder ihrem eigentlichen Beruf widmen: "Ein kleines Grafikstudio ist ebenfalls denkbar", erzählt sie.

"Wir kannten die Altmark vorher noch nicht und haben uns jetzt erst einen ersten Eindruck verschaffen können", sagt Barabara van der Plas. Der aber ist offensichtlich gut ausgefallen. Denn in dem Ziel, das Empfangsgebäude für den naturnahen Tourismus mit Verleih von Fahrrädern und ein wenig Ökogastronomie, hat er die beiden bestärkt.

So sehr, dass sie schon Ideen entwickeln, was man aus dem benachbarten Güterschuppen machen könnte. "Das aber ist wirklich noch Zukunftsmusik", sagt Miranda Smit. Zum einen steht zunächst mit dem Haupthaus eine große Aufgabe vor den beiden Bahnhofsbesitzerinnen. Zum anderen steht das Nebengebäude derzeit auch nicht zum Verkauf. "Wir haben schon beim Auktionshaus nachgefragt. Dort hat man uns aber mitgeteilt, dass die Bahn dieses Gebäude derzeit nicht verkaufen möchte", erzählt Miranda Smit.

Obstbäume sollen Wurzeln schlagen

Um selbst mit der Idee von einem wiederbelebten Bahnhof in der Altmark Wurzeln schlagen zu können, haben sich die beiden Frauen aus den Niederlanden etwas Symbolisches einfallen lassen: Gleich nach der Ankunft hatten sie ein paar kleine Bäumchen aus dem Kofferraum ihres Kombi geholt. Diese sollen zwischen Bahnsteigkante und Empfangsgebäude wachsen. Äpfel, Birnen, Schattenmorellen sollen hier reifen.

   

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